LONDON (IT BOLTWISE) – Deutsche zwischen 18 und 39 setzen 2026 spürbar stärker auf Wohlbefinden statt Massenkonsum. Laut FOM-Hochschule investieren sie im Schnitt 2000 bis 2400 Euro pro Jahr in Selbstbeschenkungen und verlagern das Budget Richtung Kleidung, Reisen und hochwertige Gastronomie. Der Reisesektor profitiert davon, weil mentaler Ausgleich als Buchungskriterium an Gewicht gewinnt. Besonders sichtbar wird der Trend bei Reisen nach Kroatien, die im Jahresvergleich um mehr als 160 Prozent zulegen.

Gen Z und Kroatien: Erlebnishunger treibt Wellnesstourismus und Selbstbeschenkung
Gen Z und Kroatien: Erlebnishunger treibt Wellnesstourismus und Selbstbeschenkung (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer 2026 noch über Zielgruppen „von der Stange“ diskutiert, übersieht einen verschiebenden Konsumrhythmus: Generation Z und Millennials kaufen nicht weniger grundsätzlich, aber sie kaufen anders. In der vorliegenden Datengrundlage aus dem Sommer 2026 steht nicht der Warenwert im Vordergrund, sondern die Wirkung des Kaufs auf Erinnerung, Stimmung und persönliche Auszeit. Das zeigt sich bei einem klaren Muster aus Selbstbeschenkung, Erlebniskäufen und dem Wunsch nach mentaler Regeneration. Damit verändert sich auch, wie Unternehmen ihre Produkte entwickeln und ihre Angebote verpacken müssen: Der Nutzen wandert von der Sache hin zu der Erfahrung, und die Entscheidung fällt damit früher in der Customer Journey.

Ein zentraler Treiber ist die Selbstbeschenkung. Laut Untersuchung der FOM-Hochschule aus Juni 2026 geben Deutsche im Durchschnitt rund 2000 Euro pro Jahr für Geschenke an sich selbst aus; die Generation Y (29 bis 44 Jahre) liegt mit etwa 2400 Euro deutlich darüber. Auffällig ist dabei weniger der Betrag als die Verteilung auf Kategorien: Das Geld fließt vor allem in Kleidung, Reisen und hochwertige Gastronomie. Zudem nennen 43 Prozent der Befragten ein bewusstes Motiv: Sie kaufen demnach gezielt, um Erinnerungen an besondere Momente zu schaffen. Diese Zahlen passen zu einem Konsumverständnis, das Emotion als direkten Mehrwert behandelt und materielle Güter spürbar stärker relativiert.

Der Reisesektor ist genau deshalb so stark im Fokus. Der weltweite Wellnesstourismus wird mittlerweile auf über eine Billion US-Dollar geschätzt; zugleich hat sich die Nachfrage nach mentaler Erholung in den letzten Jahren verdoppelt. Das heißt für Anbieter: Wellness ist nicht mehr nur „Kur im klassischen Sinne“, sondern ein Paket aus Ruhe, Kontext und Aktivitäten, die sich in den Alltag hinein verlängern lassen. Neue Formate wie „Blue Mind Breaks“ oder Coaching-Angebote im Urlaub greifen genau diesen Punkt auf. Praktisch wird das unter anderem durch Waldspaziergänge und geführte Gespräche in der Natur umgesetzt – etwa in der Lüneburger Heide oder bei Dresden. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung eine Lücke im Alltag: Viele Menschen wünschen sich eine echte Auszeit, aber im Trubel fehlt die notwendige Ruhe, um mentale Effekte überhaupt spürbar zu machen.

Die auffälligste Verschiebung im Portfolio zeigt sich jedoch regional: Kroatien wird in den Daten zur „Entdeckung“ für die jüngere Zielgruppe. Die Nachfrage nach Reisen dorthin steigt im Jahresvergleich um über 160 Prozent. Anstelle klassischer Kreuzfahrten treten Segeltörns und Nationalparkbesuche als dominierende Reiseformen. Für die Altersgruppe liegt die internationale Reisefrequenz im Schnitt bei 2,6 Mal pro Monat, bei einer durchschnittlichen Reisedauer von 6,5 Tagen – das ist ein Zeitbudget, das sich anders planen lässt als etwa zwei große Urlaube im Jahr. Für 23 Prozent der Unter-25-Jährigen ist Nachhaltigkeit zudem das entscheidende Buchungskriterium. Damit treffen zwei Themen zusammen: Wohlbefinden als Motiv und Nachhaltigkeit als Filter für die konkrete Destination.

Bemerkenswert ist, dass sich in der gleichen Zielgruppe ein neuer Minimalismus etabliert. Junge Konsumenten setzen demnach auf „No Buy Day“-Praktiken und reduzieren ihren Besitz. Dazu gesellt sich „Analogue Escapism“: Technikfreie Zonen werden als maximale Erholung beschrieben, etwa Wanderungen ohne GPS oder Aufenthalte in abgeschiedenen Bergdörfern ohne Internet. Diese Kombination ist für Unternehmen besonders relevant, weil sie zeigt, dass „Verzicht“ in der Wahrnehmung nicht als Verlust organisiert ist, sondern als Befreiung vom ständigen Reiz. Gleichzeitig gilt: Minimalismus bedeutet nicht zwangsläufig den Verzicht auf Qualität. Vintage-Möbel – insbesondere IKEA-Stücke aus den 1970er bis 1990er Jahren – werden zu begehrten Sammlerobjekten. Ein Sessel „Impala“, einst für einen Bruchteil verkauft, soll auf Handelsplattformen bis zu 12.000 US-Dollar erzielen. Käufer suchen dabei Einzigartigkeit und Designqualität als Gegenpol zur Massenware.

Aus Unternehmenssicht entsteht daraus eine konkrete Marketing- und Produktlogik. Dritte Räume („Third Places“) wie Einkaufszentren oder Live-Events werden in der Ansprache dieser Zielgruppe zu einem Hebel, weil sie körperliche Präsenz und emotionale Bindung ermöglichen. In der Datengrundlage zur 73. Welle der Marktstudie „pilot radar“ vom Juli 2026 heißt es, dass Markeninszenierungen in Dritten Räumen die Kaufbereitschaft deutlich steigern. Besonders die 18- bis 39-Jährigen reagieren empfänglich: Sie besuchten im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt 3,1 solcher Erlebnisformate, während die Gruppe der über 40-Jährigen nur 1,5 angibt. Der Kern liegt damit nicht in „mehr Werbung“, sondern in einer besseren Einbettung: Ein physischer Ort reduziert die Reibung zwischen Interesse und Gefühl und macht aus Kommunikation ein Ereignis, das man mit nach Hause nimmt.

Für die Umsetzung folgt daraus eine differenzierte Priorisierung. Wer die Erlebniskasse der jüngeren Zielgruppen adressiert, muss die Leistung so beschreiben, dass sie als Zustand erlebbar wird – etwa mit klaren Entspannungsmechanismen, nachvollziehbaren Abläufen und einem Rahmen, der das Abschalten erleichtert. Gleichzeitig bietet der Minimalismus-Trend eine zweite Spur: Beim Warenkauf steigen bei vielen die Anforderungen an Individualität, Herkunft und Design, weil „weniger, aber besser“ als Gegenmodell zur Wegwerfmentalität wirkt. Kroatien, Wellness-Formate und „Analogue Escapism“ sind dann keine isolierten Buzzwords, sondern Bestandteile eines konsistenten Lebensgefühls. Unterm Strich verschiebt sich damit der Wettbewerb weg von reiner Preis- und Flächenlogik hin zu kuratierten Momenten, die Gesundheit, Erinnerung und Nachhaltigkeit zusammenbringen.


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