DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Gerresheimer verkauft mit Centor US Holding Inc. und dem globalen Primary Packaging Plastics (PPP) zwei Healthcare-Verpackungseinheiten. Der kombinierte Unternehmenswert der Transaktionen liegt bei rund 1,5 Mrd. EUR. Der Konzern will die erwarteten Mittelzuflüsse nutzen, um den Verschuldungsgrad deutlich zu reduzieren und anschließend seine Refinanzierung weiter voranzutreiben. Die Abschlüsse sollen teils bis Ende 2026, teils im ersten Halbjahr 2027 erfolgen.

Gerresheimer zieht bei seinen Verpackungssparten die strukturellen Weichen neu: Das Unternehmen hat endgültige Vereinbarungen über den Verkauf von Centor US Holding Inc. sowie des globalen Primary Packaging Plastics (PPP)-Geschäfts abgeschlossen. Laut Mitteilung basiert der Gesamtkaufpreis für beide Business Units auf einem kombinierten Unternehmenswert (Enterprise Value) von rund 1,5 Mrd. EUR. Die Transaktionen werden unabhängig voneinander vollzogen und stehen unter dem üblichen Vorbehalt marktüblicher Vollzugsbedingungen und Genehmigungen.
Im Kern geht es damit nicht nur um Portfolioabbau, sondern um eine gezielte Verschiebung der Kapital- und Finanzierungsstruktur. Gerresheimer erwartet erwartete Mittelzuflüsse, um „die Kapital- und Finanzierungsstruktur signifikant zu optimieren“ und den Verschuldungsgrad erheblich zu reduzieren. Ergänzend wird im Umfeld der Transaktion eine umfassende Refinanzierung angestrebt, die nach den Angaben des Unternehmens die Zinskosten senken soll. Für die Ergebnisqualität bedeutet das: Gerade in regulierten Healthcare-Märkten wirken sich sinkende Finanzierungskosten typischerweise direkt auf die Planungssicherheit aus, während die operativen Effekte über den Transformationspfad („Operational Excellence“) adressiert werden.
Technisch und operativ betrachtet liegen die verkauften Aktivitäten auf zwei klaren Verpackungs-Realitätsfeldern. Centor und PPP werden in der Mitteilung als Marktfürhender im Bereich Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente sowie für Primärverpackungen für Arzneimittel beschrieben. Centor ergänzt damit die bestehende Pharma-Logik um Systemkompetenz, während PPP für Kunststoff-Primärverpackungen in der Breite steht. Insgesamt umfasst die Transaktion neben dem Centor-Werk in den USA weitere 15 Produktionsstandorte für Primärverpackungen aus Kunststoff in neun Ländern, getragen von einem kombinierten Personalbestand von rund 2.400 Mitarbeitenden; der Umsatz dieser beiden Business Units lag 2025 bei insgesamt rund 570 Mio. EUR.
Bei der Käuferseite handelt es sich um eine Tochtergesellschaft von Fonds, die von Apax Partners LLP beraten werden („Apax Fonds“). Apax positioniert den Erwerb als Basis für ein eigenständiges Unternehmen, das in Kapazitäten, Innovation und eine Expansion in den USA investieren soll. In der Kommunikation von Gerresheimer wird zugleich betont, dass der Konzern sein Geschäft als Partner für die Pharma- und Biotechbranche stärker auf „hochwertige Drug Delivery Devices, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel“ fokussieren will. Uwe Röhrhoff, CEO der Gerresheimer AG, bringt diesen Schritt dabei mit den zurückgewonnenen Handlungsspielräumen in Verbindung: „Mit dieser Transaktion gewinnen wir unternehmerische Handlungsspielräume zurück“, sagte er. „Gleichzeitig fokussieren wir unser Geschäft als einer der weltweit führenden Partner der Pharma- und Biotechbranche noch stärker auf hochwertige Drug Delivery Devices, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel.“
Auch die Argumentation für die Aufteilung innerhalb des Gesundheits-Ökosystems bleibt konsistent: Verpackungssysteme für Medikamente sind sicherheits- und qualitätskritisch, weil sie den Weg vom Wirkstoff bis zur verlässlichen Anwendung beim Patienten abbilden. Anders Meyerhoff, Partner bei Apax, verweist in diesem Zusammenhang auf die Erfahrung mit Ausgliederungen und auf die operative Begleitung: „Centor und Primary Packaging Plastics sind Marktführer im Bereich Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente und Primärverpackungen für Arzneimittel, basierend auf einer jahrzehntelangen Reputation für Qualität und Zuverlässigkeit. Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung mit Ausgliederungen und werden gemeinsam mit unserem Bereich ‚Operational Excellence‘ eng mit dem Management zusammenarbeiten, um ein starkes, eigenständiges Unternehmen aufzubauen, das für langfristiges Wachstum aufgestellt ist.“
Für Gerresheimer steht parallel die Finanz- und Cashflow-Mechanik im Vordergrund. CFO Wolf Lehmann stellt in der Mitteilung die Wirkungslogik aus Entschuldung und Refinanzierung heraus: „Diese Transaktion ist ein wichtiger Meilenstein zur Optimierung unserer Kapital- und Finanzierungsstruktur mit einem signifikant geringerem Verschuldungsgrad“, so Lehmann. „Wir werden mit den erwarteten Mittelzuflüssen unsere Entschuldung vorantreiben. Zusammen mit der geplanten umfassenden Refinanzierung wird das unsere Zinskosten deutlich senken und zu einer nachhaltigen Kapitalstruktur führen. Die weitere Umsetzung unseres Transformationsprogramms wird sich darüber hinaus positiv auf unseren operativen und Free Cashflow auswirken.“ Diese Passage ist für Anleger ebenso relevant wie für die operative Planung, weil sie die erwarteten Effekte in eine Kette überführt: Mittelzuflüsse → Entschuldung → niedrigere Zinslast → bessere Cashflow- und Kapitalstruktur-Qualität.
Der Zeitplan der Umsetzung ist gestaffelt: Den Abschluss des Centor-Verkaufs erwartet Gerresheimer bis Ende des Geschäftsjahres 2026. Der Verkauf des globalen PPP-Geschäfts soll voraussichtlich im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2027 abgeschlossen werden. Für die Transaktionen nennt die Mitteilung außerdem konkrete Rollen: Morgan Stanley & Co. International plc fungiert als Lead Financial Advisor von Gerresheimer; Commerzbank unterstützt als Financial Advisor und hat Fairness Opinions erstellt. Auf rechtlicher Seite wird Latham & Watkins als Legal Counsel genannt. Als Marktbewegung bedeutet das zugleich: Für die nächste Berichtsperiode dürfte die Aufmerksamkeit weniger auf kurzfristigen Bewertungsfragen, sondern stärker auf der Umsetzung der geplanten Refinanzierungs- und Entschuldungsstrategie liegen, während Apax den Fokus der neuen Einheit auf Investitionen in Kapazitäten, Innovation und US-Wachstum legt.
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