LONDON (IT BOLTWISE) – Der Bosch PowerMore 250 liefert im Test spürbar mehr Reichweite, weil er mit 250 Wh zusätzliche Kapazität in einer Größenordnung bereitstellt, die viele Alternativen nicht erreichen. Besonders an E-MTBs mit 400-Wh-Akku kann sich die Gesamtnutzung auf bis zu 650 Wh erweitern. Das Energiemanagement arbeitet intelligent mit dem Bosch Smart System zusammen und entlädt Haupt- und Zusatzakku je nach Ansteckzeitpunkt parallel. Die Praxis macht dem System jedoch mit einer fummelig wirkenden Halterung und einem umständlichen Ladehandling das Leben schwer.

Der Bosch PowerMore 250 setzt bei einem Thema an, das im E-MTB-Alltag immer häufiger den Ausschlag gibt: Reichweite. Im Zentrum steht dabei nicht die Frage, ob ein zusätzlicher Akku grundsätzlich Mehrkilometer liefert, sondern wie sauber und zuverlässig die Energie im Betrieb verteilt wird. Bosch wählt für den Range Extender mit 250 Wh bewusst eine größere Kapazität als viele Wettbewerber, die häufig im Bereich um 160 bis 180 Wh liegen. Damit wird der PowerMore nicht zur „letzten Reserve“, sondern faktisch zum Baustein, der aus einem Ausflug auch eine längere Runde mit deutlich mehr Höhenmetern machen kann.
Technisch auffällig ist der Ansatz, den Zusatzakku eng ins Energiemanagement einzubinden. Laut Testbeschreibung erkennt das Bosch Smart System den PowerMore automatisch und steuert die Entladung so, dass Haupt- und Range-Extender-Akku möglichst gleichmäßig arbeiten. Wird der PowerMore bereits vor dem Start angeschlossen, teilen sich beide Akkus die Last und erreichen das Ende ihrer Kapazität gleichzeitig. Wird der Zusatzakku erst während der Tour angesteckt, nutzt das System zunächst den PowerMore exklusiv, bis sich die Ladezustände angeglichen haben, und schaltet danach wieder in den parallelen Betrieb.
Gerade bei Bikes mit 400-Wh-PowerTube-Hauptakku wird die Relevanz dieses Konzepts greifbar: Zusammen mit dem PowerMore ergibt sich eine Gesamtkapazität von 650 Wh. Das hebt Light-E-MTBs aus einer typischen „Tagesrunde“-Logik heraus und verschiebt die Einsatzgrenzen hin zu langen Touren, ausgedehnten Höhenmetern und Strecken, bei denen man vorher eher vorsichtig geplant hätte. Im Test wird zudem betont, dass der PowerMore im Vergleich zu kleineren Zusatzlösungen deutlich mehr Zusatzenergie liefert und sich damit auch vom Charakter her in eine andere Liga einordnet.
Ein Detail zeigt allerdings auch, warum die Reichweitenoffensive ihren Preis hat: Wenn der PowerMore ausschließlich die Energie für den Motor bereitstellt, stehen nur rund 80 % der maximalen Motorleistung zur Verfügung. Als praktische Konsequenz empfiehlt sich, den Range Extender bereits vor Tourbeginn anzuschließen, damit das System von Anfang an die parallele Nutzung aufnimmt. Inhaltlich passt das zur Produktidee: Der PowerMore soll nicht als „Notfall-Akku“ dienen, sondern als stabiler Reichweitenbooster mit konsistenter Leistungsabgabe im Zusammenspiel.
Auf der Marktebene wirkt der Bosch-Ansatz damit auch strategisch: Er richtet sich an Fahrer, die ihre Ausfahrten seltener abbrechen wollen und lieber eine definierte Zusatzkapazität einplanen. Wettbewerbsvergleiche fallen im Test klar aus, zumindest bei einem Punkt: Beim Specialized Levo SL wird die parallele Ladung von Hauptakku und Range Extender über einen Y-Anschluss ermöglicht, ohne dass der Zusatzakku vom Bike muss. Diese Art Komfort ist für Vielfahrer schnell mehr wert als die reine Wh-Zahl, weil sie den Alltag nach der Tour (Kabelmanagement, Demontage, Zeitaufwand) reduziert.
Genau dort setzt die größte Kritik am PowerMore 250 an: weniger bei der Elektronik, mehr bei der Peripherie. Zum einen lässt sich Haupt- und Zusatzakku nicht gleichzeitig laden, sondern beide werden laut Test nacheinander mit demselben Ladegerät versorgt, wobei nach jeder Tour das Ladekabel umgesteckt werden muss. Zum anderen wird der PowerMore zum Laden meist demontiert, und diese Prozedur wird durch die Montage selbst ausgebremst. Bosch verwendet eine Kunststoff-Halteplatte, die an den Flaschenhalter-Gewinden sitzt, und der Range Extender wird über zwei Kunststoff-Rails aufgeschoben und verriegelt.
Im Langzeittest zeigt sich die Schwachstelle besonders im „schmutzigen“ Mountainbike-Alltag. Sobald Staub, Sand oder Schlamm ins Spiel kommen, verkantet der Akku in den Führungsschienen und rastet nicht immer sofort ein. Laut Beschreibung helfen dann teils kräftiges Drücken, Rütteln oder leichtes Klopfen. Herausnehmen und erneutes Einrasten werden damit zur Geduldsprobe, und weil der Zusatzakku für das Laden häufig demontiert werden muss, verstärkt sich dieser Effekt in der Praxis. Mit den Monaten kommt laut Test zusätzlich Spiel in der Halterung dazu: Nach etwa einem halben Jahr klappert der PowerMore auf ruppigeren Trails hörbar vor sich hin, ohne dass die Funktion leidet – aber der Gesamteindruck und die Premium-Anmutung nehmen spürbar Schaden.
Unterm Strich überzeugt der Bosch PowerMore 250 dort, wo er für viele Fahrprofile den Unterschied macht: Er liefert spürbar mehr Reichweite, integriert sich in das Bosch Smart System und kann ein 400-Wh-Light-E-MTB realistisch zu einem „650-Wh“-Langstreckenbike erweitern. Dazu kommt ein Zusatznutzen, der im Test genannt wird: Bei entnehmbarem Hauptakku kann der Motor auch ausschließlich vom PowerMore versorgt werden, was etwa im Bikepark mit Liftunterstützung das Bike spürbar leichter macht, weil der schwere Hauptakku am Rahmen entfällt. Gleichzeitig verschenkt Bosch nach Meinung des Testberichts wertvolles Potenzial, weil Halterung und Ladehandling unnötig kompliziert ausfallen. Wer den Range Extender regelmäßig nutzt, wird die Friktion im Alltag schneller bemerken als die Mehrreichweite im Fahrgefühl.
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