LUDWIGSHAFEN / LONDON (IT BOLTWISE) – BASF meldet Fortschritte beim Konzernumbau: Das Unternehmen senkt Kosten, reduziert Investitionsausgaben und steigert die Auslastung. In Ludwigshafen läuft der Stellenabbau im ersten Halbjahr 2026 spürbar schneller; bis Ende 2026 sollen jährlich 2,3 Milliarden Euro Kosteneinsparungen erreicht werden. Gleichzeitig kündigt BASF ab August weitere Aktienrückkäufe bis zu einem Volumen von 1 Milliarde Euro an. Trotz eines angehobenen Gewinnziels bleibt die Planungsunsicherheit wegen der Verhandlungen zwischen USA und Iran sowie Transport- und Energieeffekten hoch.

BASF treibt Konzernumbau voran: Stellenabbau, Kostenziele und Aktienrückkauf
BASF treibt Konzernumbau voran: Stellenabbau, Kostenziele und Aktienrückkauf (Foto: IT BOLTWISE)
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BASF stellt den Konzernumbau auf eine messbare Ergebnislogik: Kosten runter, Investitionen fokussieren und die Auslastung an den Anlagen erhöhen. In Ludwigshafen ordnete Unternehmenschef Markus Kamieth die Lage ein, als die endgültigen Zahlen zum zweiten Quartal präsentiert wurden. Der Tenor ist klar operativ, aber auch finanzgetrieben: Das Management verweist auf gesenkte Kosten, geringere Investitionsausgaben und eine bessere Nutzung der vorhandenen Kapazitäten. Gleichzeitig kommt Bewegung in die Kapitalmarkt-Komponente, weil das Unternehmen ab August ein weiteres Aktienrückkaufprogramm ankündigt – ein Signal, das für viele Investoren unmittelbar an die Kapitalallokation und die künftige Ertragskraft gekoppelt ist.

Personal und Profitabilität hängen bei BASF eng zusammen, weil der Chemiekonzern den Umbau nicht nur über Portfolioentscheidungen, sondern auch über harte Kapazitäts- und Kostenkorrekturen steuert. Laut Angaben im Umfeld der Vorlage baute BASF im ersten Halbjahr mehr Stellen ab als in den beiden Vorjahren zusammen. Besonders konkret wurde es für Ludwigshafen: In einer Telefonkonferenz nannte Kamieth einen Abbau von 300 bis 350 Stellen pro Monat im ersten Halbjahr 2026 – und deutete an, dass dieser Rhythmus zunächst weitergehe. Parallel dazu beschreibt BASF auch strukturelle Effekte aus dem Konzernumbau: Von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 wurden weltweit rund 7.000 Stellen abgebaut, allerdings mit dem Hinweis, dass Verkäufe von Geschäftsteilen und Personalflüsse aus Zhanjiang nicht in dieser Zahl enthalten sind. Für die Beurteilung des Umbaustoffs ist das relevant, weil sich in solchen Zahlen oft Vermischungen aus organischem Abbau, Reorganisation und M&A-Effekten verbergen.

Finanziell unterstreichen die Quartalskennzahlen, warum der Umbau bei BASF aktuell Gewicht in der Investorenkommunikation hat. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz – wie bereits bekannt – um 16,4 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro, getragen von höheren Preisen und Mengen. Der bereinigte EBITDA-Wert (Ebitda) legte um gut die Hälfte auf 2,45 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich entfiel nach Unternehmensangaben auf die Aktionäre ein Gewinn von gut 4,1 Milliarden Euro, nachdem es im Vorjahr nur 79 Millionen Euro waren. Ein wesentlicher Hebel dafür war der milliardenschwere Verkauf von 60 Prozent des Fahrzeugserien- und Autoreparaturlack-Geschäfts an den US-Finanzinvestor Carlyle. Genau solche Sonder- und Portfolioeffekte machen bei Chemiekonzernen die Interpretation von Ergebnisqualität aus: Sie können das laufende Bild kurzfristig stark verschieben, während die operative Entwicklung dann daran gemessen werden muss, wie belastbar die Kosten- und Auslastungsprogramme wirken.

Beim Ausblick setzt BASF auf eine Kombination aus Ergebnisziel und Liquiditätsperspektive. Für 2026 nennt der Vorstand eine Spanne beim EBITDA sowie vor Sondereinflüssen von 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro; zudem soll der Free Cashflow im laufenden Jahr weiter 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro erreichen, nach 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Bis Ende Juni hatte das Unternehmen von den angekündigten jährlichen Kosteneinsparungen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro bereits rund zwei Milliarden Euro erreicht. Gleichzeitig bleibt die Prognose nicht als „glatte Fortschreibung“ zu verstehen, weil BASF bei Eckzahlenwarnungen vor zwei Wochen die Unsicherheit aus der Weltkonjunktur und den regionalen Chemie-Märkten betont hatte. Als belastende Faktoren werden insbesondere die Verhandlungen zwischen den USA und Iran genannt, inklusive der Rolle der Straße von Hormus und der Frage, ob sie für den Handel mit Öl und anderen Rohstoffen nutzbar bleibt. In der Praxis bedeutet das: Selbst wenn einzelne Produktsegmente gute Preise erzielen, können Transportkosten, Energiepreise und Lieferkettenpfade die Nachfrageentwicklung und Margen in der zweiten Jahreshälfte spürbar beeinflussen.

Technisch und strategisch zeigt sich der Umbau bei BASF auch im Portfolio und in der Betriebslogistik. Ende Juni wurde der Teilverkauf des Fahrzeugserien- und Autoreparaturlack-Geschäfts abgeschlossen, die restlichen 40 Prozent liegen weiterhin beim DAX-Konzern. Beim weiteren Schritt, sein Geschäft mit der Landwirtschaft an die Frankfurter Börse zu bringen, sollen die Voraussetzungen bis Mitte 2027 geschaffen sein – das ist weniger eine kurzfristige Ergebnismaßnahme als ein struktureller Plan, um den Unternehmensfokus zu schärfen. Gleichzeitig verschiebt BASF den geplanten Verkauf von Werkswohnungen: Das Geschäft werde derzeit nicht den angestrebten Mehrwert erzielen, weil sich die Voraussetzungen am Immobilien- und Kapitalmarkt in den vergangenen Monaten „mäßgeblich verändert“ hätten. Solche Anpassungen sind in Umbruchphasen häufig, weil Verkaufspreise, Finanzierungskonditionen und Investorenrisikoprämien nicht konstant laufen. Für die industrielle Seite bleibt auch der niedrige Rheinpegel ein Thema; Finanzvorstand Dirk Elvermann sagt, BASF sei heute deutlich besser vorbereitet als 2018 und setze verstärkt auf Schiene, Lkw und Pipelines, um Transportengpässe abzufedern. Zwar steigen dabei Logistikkosten, größere wirtschaftliche Schäden gebe es derzeit aber nicht.

Der Aktienrückkauf passt schließlich in ein übergreifendes Kapitalrendite-Programm, das BASF seit 2024 kommuniziert. Im August soll ein neues Rückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro starten, abgeschlossen werden soll es bis Ende April 2027. Der Rückkauf ist Teil eines Gesamtprogramms über insgesamt vier Milliarden Euro bis Ende 2028, wobei die einbezogenen Aktien anschließend eingezogen werden sollen. Schon im September 2024 hatte BASF angekündigt, von 2025 bis 2028 insgesamt 12 Milliarden Euro an die Aktionäre auszuschütten – rund 8 Milliarden als Dividenden und mindestens 4 Milliarden über Rückkäufe. Von November bis Juni seien dabei bereits Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro zurückgekauft worden. Für Marktteilnehmer ist das vor allem deshalb relevant, weil Aktienrückkäufe bei zyklischen Branchen wie Chemie oft als Vertrauensmarker gelesen werden: Sie signalisieren, dass der Konzern selbst bei konjunkturellen Schwankungen auf ausreichende Mittelzuflüsse setzt. Zugleich können externe Preisbewegungen – etwa steigende Öl- und Gaspreise – den Rückenwind für Hersteller liefern; BASF wird hier indirekt als Profiteur steigender Energiepreise genannt, auch weil Produktionsstandorte in Europa durch Engpässe bei der asiatischen Konkurrenz zeitweise besser positioniert sein können.


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