LONDON (IT BOLTWISE) – Mastercard lässt Kartenabrechnungen künftig auch über Stablecoins laufen und nennt dafür unter anderem das XRP-Ledger. MoneyGram setzt dagegen auf Stellar und hat dort eine eigene US-Dollar-Stablecoin nativ gestartet. Auch im Devisen-Umfeld spielt Hedera als Ledger für Tokenisierung und FX-Kollateral eine Rolle, während Swift das Rennen um alle drei Netze nicht mitmacht. Gleichzeitig bleibt die Kursperformance der Token ein Gegenpol zur versprochenen Infrastruktur-Nutzung.

Wenn Institutionen Krypto für den Zahlungsverkehr auswählen, geht es selten um „die eine“ Kette für alles. Der Markt ist inzwischen segmentiert nach Anwendungsfall: Ledger für Abwicklungs- und Settlement-Rails, Netzwerke für Stablecoins und Brücken zu Fiat-Transaktionen oder Enterprise-Ledger, die vor allem Kollateral und tokenisierte Assets verwalten. Genau an dieser Stelle lohnt der Blick auf XRP, XLM und HBAR, weil die drei Projekte jeweils unterschiedliche Rollen in der Wertschöpfungskette spielen – und dennoch oft in derselben Schublade „Payment-Crypto“ landen. Die kurze Antwort lautet: Institutionen nutzen alle drei, aber sie nutzen sie nicht als austauschbare Alternative, sondern als jeweils passende Komponente für ein konkretes Problem.
Technisch betrachtet arbeitet XRP als Brückenasset: Eine Instanz kauft XRP mit der einen Währung, transferiert es über das XRP Ledger und verkauft es anschließend wieder, um mit der anderen Währung weiterzurechnen. Dass XRP in diesem Vergleich bei der Marktrelevanz vorne liegt, hängt auch mit der reinen Größenskala zusammen: Laut den im Text genannten Angaben bringt XRP eine Marktkapitalisierung von 68,81 Milliarden US-Dollar auf. Der Mechanismus ist dabei weniger „Software für Zahlungen“ als vielmehr ein Handels- und Liquiditätsbaustein. Stellar (XLM) wird dagegen im Kern als Netzwerk für Stablecoins positioniert; XLM übernimmt dabei Gebühren und Mindestguthabenfunktionen, während das wirtschaftliche Zahlungsinstrument als Stablecoin durch das System läuft. Die im Text genannte Marktkapitalisierung von XLM liegt bei 6,1 Milliarden US-Dollar, also grob ein Zehntel von XRP. Hedera (HBAR) wiederum ist laut Beschreibung kein Zahlungsnetz im klassischen Sinn, sondern ein Enterprise-Ledger, das über einen Council großer Unternehmen orchestriert wird und vor allem tokenisierte Assets sowie Kollateralbewegungen unterstützt; HBAR zahlt die Gebühren für diese Aktivität.
Im Markt zeigt sich die Logik dieser Arbeitsteilung sehr konkret. Mastercard hat in den Angaben des Textes eine Liste von acht Blockchains veröffentlicht, in der das XRP-Ledger vorkommt, während Stellar nicht genannt wird. Zudem wird Ripple-Umfeld über den Stablecoin RLUSD erwähnt, der für den Dienst zu den von Mastercard genehmigten Stablecoins gehört. Gleichzeitig ist die Aufnahme in eine solche „Shortlist“ noch kein Beweis dafür, dass praktisch der gesamte Zahlungsverkehr dieses einen Netz nutzt; der Text betont zudem, dass die Rollout-Reihenfolge in den USA und in Lateinamerika startet und danach weiter ausgerollt werden soll. Vieles hängt außerdem daran, wie viel vom „eigenen“ Geschäftsvolumen eines Projekts tatsächlich auf dem Token-Layer landet: Zu Ripple heißt es, dass die Kerntransaktionen eher aus den übernahmenseitigen Payment- und Clearing-Aktivitäten stammen und digitale Assets „nahezu null Prozent“ der Volumenbestimmung ausmachen. Damit verschiebt sich die Frage von „Welcher Coin ist am größten?“ zu „Welches Ledger erfüllt genau diese Firmenanforderung?“
Auch MoneyGram liefert dafür ein Gegenbeispiel: Der Text ordnet die Auswahl eindeutig dem Bedarf an einem Dollar-Stablecoin zu. MoneyGram soll Stellar gewählt haben, um eine eigene US-Dollar-Stablecoin nativ auf dem Netzwerk zu emittieren; der Start wird für Juni verortet, und außerdem wird eine Partnerschaft beschrieben, die bis 2021 zurückreichen soll. Für die technische und regulatorische Praxis ist dabei weniger der Tokenname entscheidend als die Tatsache, dass die Stablecoin-Lieferung und -Nutzung im gleichen Ökosystem laufen. Besonders relevant ist außerdem, dass Stellar im Text als einziges der drei Projekte Zahlen zur eigenen Stablecoin-Transferaktivität veröffentlicht: Für das erste Quartal werden 5,5 Milliarden US-Dollar in Stablecoin-Zahlungen genannt, was einem Anstieg von 72% im Jahresvergleich entspricht. Weder Ripple noch Hedera liefern laut Text vergleichbare Kennzahlen zur Zahlungs- beziehungsweise Transferlast, weshalb ein „Ranking nach Payment-Traffic“ letztlich schwer sauber durchzuziehen ist. Gerade deshalb muss man bei der Institutionenfrage genauer hinschauen, welche Metrik wirklich gemessen wird.
Hedera wird im Text wiederum mit einem speziellen Use Case verbunden: das Hinterlegen von FX-Kollateral und die Tokenisierung von Geldmarktinstrumenten. Das UK Treasury wird mit einer „Wholesale Digital Markets Champion“-Einordnung verknüpft, die einen FX-Trade nennt, bei dem Lloyds, Aberdeen und Archax in Juli 2025 tokenisierte Geldmarkt-Funds und UK-Gilts als Kollateral genutzt haben. Das unterstreicht den Enterprise-Fokus: Kollateral- und Asset-Workflows sind häufig komplexer als reine Zahlungsflüsse, weil sie technische Zuständigkeiten, Zustandsprüfungen und vertragliche Sicherheiten zusammenbringen müssen. Gleichzeitig bleibt der größte Name im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in diesem Vergleich die Auslassung: Swift setzt laut Text keine der drei Netzwerke für sein eigenes Blockchain-Ledger ein. Stattdessen baut Swift eine eigene Ledger-Infrastruktur auf Consensys’ Linea auf und plant mit 17 Banken Live-Piloten. Damit ist Swift im Grunde das Musterbeispiel dafür, dass Skalierung und Kontrollanforderungen in der Praxis manchmal „Infrastruktur unter eigener Regie“ statt „Public-Network-Settlement“ begünstigen.
Am Ende landet man bei der Frage, welche Institutionen „am meisten kaufen“ oder „am meisten nutzen“. Im Text wird das über die ETF-Landschaft und die von Regulierungsseite gegebene Einordnung aufgedröselt: Es wird auf gemeinsame interpretative Guidance von SEC und CFTC im März verwiesen, die XRP, XLM und HBAR als digitale Commodities statt als Wertpapiere einordnet. Für Krypto-Anwender ist das vor allem deshalb relevant, weil es institutionelle Holdings erleichtern kann. Bei XRP werden dem Text zufolge Spot-ETFs mit insgesamt knapp 1 Milliarden US-Dollar (nahezu 997 Millionen US-Dollar) genannt, während für XLM keine dedizierten ETFs existieren; Exposure zu XLM finde sich in breiteren Produkten, etwa in einem aktiven Crypto-ETF und in einem Indexfonds. Hedera hat laut Text einen HBAR-Fonds auf Nasdaq, mit 104,85 Millionen US-Dollar Einnahmen und 49,68 Millionen US-Dollar Bestand. Dennoch bleibt die Kursseite ein Warnsignal: Der Text nennt Rückgänge von rund 65% bei XRP und 59% bei XLM sowie 75% bei HBAR im Jahresverlauf. Das ist weniger ein Urteil über die Technologie als über den Zeitpunkt, wann sich Netzwerknutzen endlich in nachhaltiger Token-Nachfrage übersetzt. Wenn die Utility-Last in die Coins „durchschlägt“, kann sich diese Diskrepanz schließen – wenn nicht, bleibt es bei einem Infrastrukturversprechen ohne unmittelbare Kursreaktion.
Für Entscheider in Unternehmen ist die zentrale Lehre weniger, welcher Coin „gewinnt“, sondern welche Architektur für welchen Prozess passt. Mastercard sucht offenbar Settlement-Rails und genehmigt dafür mehrere Ketten; MoneyGram braucht Stablecoin-Funktionalität auf einem Netzwerk, das Emission und Transfer eng integriert; Lloyds und Partner wiederum benötigen Kollateral-Mechaniken, die in einen Enterprise-Workflow eingebettet sind. Genau deshalb ist Swift der scharfe Kontrast: Das Unternehmen kontrolliert sein Ledger-Design selbst, anstatt auf ein öffentliches Netzwerk zu setzen, das es nicht betreibt. Wer diese Logik in seine Roadmap übernimmt, kann Projekte besser priorisieren – etwa indem man zuerst die Workflows erfasst (Settlement, Stablecoin-Emission, Kollateralbewegung), danach das passende Ledger- oder Token-Modell auswählt und erst dann über Token-Exposure nachdenkt. In einem Markt, in dem die Token-Performance kurzfristig schwanken kann, ist diese Reihenfolge besonders wichtig, damit technische Adoption nicht zur reinen Spekulationsgeschichte wird.
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