LONDON (IT BOLTWISE) – Laut einer CAR-Studie haben Hersteller im Juli die Preisnachlässe für Elektroautos erneut gekappt. Käufer bekommen noch 17,6 Prozent Rabatt auf den Listenpreis, während Verbrennermodelle im Schnitt 19,4 Prozent Nachlass erhalten. Parallel wächst der Abstand beim Anschaffungspreis zwischen meistverkauften E-Autos und beliebten Verbrennern auf 2363 Euro. Die Marktstudie verknüpft das mit einem aktuell günstigeren Umfeld für Verbrennerverkäufe statt weiterer E-Auto-Verkaufsförderung.

Der Preiswettbewerb im Autohandel verschiebt sich spürbar – und zwar genau in dem Moment, in dem viele Marktteilnehmer weiterhin von einem wachsenden Anteil batteriegetriebener Fahrzeuge ausgehen. Laut der regelmäßigen Marktstudie des Center Automotive Research (CAR) wurden die Preisnachlässe für Elektroautos im Juli erneut gekappt. Neuwagenkäufer erhalten damit noch 17,6 Prozent Rabatt auf den Listenpreis. Für viele Kundinnen und Kunden ist das mehr als ein Rechenexempel: In der Kaufentscheidung entscheidet der Monatsendpreis häufig schneller als der Blick auf langfristige Betriebskosten oder Förderlogiken.
Während E-Autos laut CAR weiterhin Marktanteile gewinnen, zeigt der konkrete Rabattmechanismus gegenläufige Tendenzen. Für Verbrennermodelle nennt die Studie einen höheren durchschnittlichen Preisnachlass von 19,4 Prozent. Der Abstand wird dadurch nicht kleiner, sondern wächst deutlich: Die Differenz beim Anschaffungspreis zwischen den meistverkauften Elektroautos und den beliebtesten Verbrennermodellen steigt auf 2363 Euro. Noch im Dezember 2025 lag dieser Unterschied nach CAR-Angaben gut 1000 Euro niedriger, was die Dynamik der Preisgestaltung unterstreicht.
CAR-Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer ordnet die Entwicklung in das aktuelle Marktumfeld ein: E-Autos seien wegen der hohen Spritpreise sowie staatlicher Förderprämien attraktiv, gleichzeitig eroberten sie steigende Marktanteile. In dieser Logik ist eine zusätzliche, stark finanzierte Verkaufsförderung für batteriegetriebene Modelle aus Sicht der Hersteller weniger dringend. Das ist eine klassische Verschiebung von Marketingbudget hin zu effizienterem Preissignal: Wenn Nachfrage bereits ohne maximale Rabatte steigt, senken aggressive Preisnachlässe typischerweise den Margenhebel, ohne dass der Absatz spürbar stärker wächst.
Interessant wird die Gegensteuerung an der Stelle, an der Mittel nicht einfach verschwinden, sondern umgeschichtet werden. In der Studie heißt es sinngemäß, dass frei werdende Mittel eher in die Verkaufsförderung für Verbrennmodelle fließen. Genau dort beschreibt CAR eine kurzfristige Steigerung der Rabatte: Die Preisnachlässe für Verbrennermodelle seien innerhalb eines Monats um einen Prozentpunkt gestiegen. Für Händler und Hersteller bedeutet das eine fein abgestimmte Preisarchitektur, bei der der Handelsspielraum kurzfristig genutzt wird, um Absatzvolumen zu stabilisieren – besonders dann, wenn Lagerbestände, Lieferzeiten oder Modellwechsel als Druckpunkte auftreten.
Technisch betrachtet spielt bei solchen Preisverschiebungen auch die wirtschaftliche Struktur der Fahrzeugbeschaffung eine Rolle. Elektroautos verfügen zwar zunehmend über etablierte Lieferketten, aber sie sind beim Preis oft stärker an Komponenten wie Batteriezellen, Fertigungsauslastung und Skaleneffekten gebunden. Sobald sich der Markt im Neufahrzeuggeschäft abkühlt oder sich das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage verändert, reagieren Hersteller in der Regel zuerst über Rabattprogramme, weil sie schneller steuerbar sind als größere Produktions- oder Einkaufsentscheidungen. Verbrennermodelle profitieren dagegen kurzfristig häufiger von vorhandener Modellpalette und bereits abgeschlossenen Beschaffungszyklen, was die Preisspielräume für kurzfristige Rabatte erweitert.
Für die Branche ist das auch ein Signal in Richtung der Kundensegmente. Der Sprung von gut 1000 Euro auf 2363 Euro Kaufpreis-Differenz kann dazu führen, dass ein Teil der Käuferinnen und Käufer E-Autos zwar weiterhin im Blick behält, aber stärker in zeitliche oder preisbezogene Entscheidungssituationen rutscht. Unternehmen, die Flotten betreuen oder Fuhrparks modernisieren, wägen dabei nicht nur den Listenrabatt, sondern auch die Kalkulationsbasis aus: Kaufpreis, Restwerte, Wartungskosten und die Frage, wie zuverlässig sich Betriebs- und Energieannahmen im Alltag über Jahre halten lassen. Wenn der Anschaffungsvorteil bei Verbrennern wieder anzieht, verschiebt sich häufig auch der Timing-Faktor bei Leasing- oder Förderfenstern.
Gleichzeitig sollten Marktbeobachter die Botschaft nicht als Abkehr vom Elektrifizierungspfad interpretieren. CAR betont, dass E-Autos Marktanteile gewinnen – und genau dieses Zusammenspiel aus Absatzwachstum trotz gekappter Rabatte wirkt wie eine bewusste Konsolidierung. In der Praxis bedeutet das: Hersteller testen weniger „Hochpreisschutz“ über extrem günstige Angebote und setzen stattdessen stärker auf den Effekt aus Spritkosten und staatlichen Prämien. Für den Wettbewerb ist das ein Auslöser, weil Wettbewerber ihrerseits prüfen müssen, wie viel Preisnachlass sie brauchen, um Käuferströme zu halten oder zu beschleunigen.
Für Unternehmen, die im Umfeld von Handel, Finanzierung oder Beratung tätig sind, entsteht daraus ein konkreter Handlungsbedarf: Preis- und Fördermodelle sollten enger an der monatlichen Dynamik aus Rabattständen ausgerichtet werden. Statt einmaliger Kalkulationen in Quartalszyklen braucht es häufig aktualisierte Annahmen, etwa wenn sich der durchschnittliche Preisnachlass von 17,6 Prozent auf weiter veränderte Werte bewegt oder wenn die Differenz beim Anschaffungspreis – wie von CAR beschrieben – wieder deutlich steigt. In dieser Phase entscheidet sich, wie gut Anbieter ihre Vertriebs- und Kommunikationsstrategie an die tatsächliche Marktpreisrealität koppeln, und nicht nur an große Überzeugungsargumente rund um Technologie oder Umwelteffekte.
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