KOPENHAGEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die dänische Glücksspielbehörde Spillemyndigheden eröffnet das Bewerbungsverfahren für landbasierte Casinos. Die neuen Konzessionen laufen bis zu zehn Jahre und sollen den schrumpfenden Retail-Sektor stabilisieren. Während der Online-Markt deutlich wächst, sinkt der Marktanteil der Spielbanken vor Ort zuletzt auf nur noch 3 %. Bewerbungen müssen bis November 2026 eingereicht werden und verlangen eine besonders solide finanzielle Basis.

Die Entscheidung wirkt auf den ersten Blick gegen den Trend: Während sich der dänische Glücksspielmarkt seit der Marktöffnung 2012 zunehmend in Richtung Online verlagert, schreibt Dänemark jetzt zusätzliche landbasierte Casino-Lizenzen aus. Die staatliche Glücksspielbehörde Spillemyndigheden hat dafür das Bewerbungsverfahren gestartet, das Konzessionen für physische Spielbanken mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren ermöglicht. Hintergrund ist ein Retail-Sektor, der spürbar unter Druck steht – und gleichzeitig ein politisches Ziel, stationäre Angebote als kontrollierte Alternative im Markt zu halten.
Konkret umfasst die aktuelle Lizenzierungsrunde sieben bestehende Casino-Standorte: Kopenhagen S, Kopenhagen V, Helsingør, Odense, Vejle, Aarhus und Aalborg. Neue Spieler im Markt können sich damit ebenso um eine Konzession bemühen wie Bestandsbetreiber, die ihre 10-Jahres-Lizenz erneuern möchten. Für Bewerber zählt dabei weniger die reine Absicht als die Nachweisführung: Bis zum 3. November 2026 müssen umfassende Unterlagen eingereicht werden, die vor allem Liquidität und Belastbarkeit im laufenden Betrieb belegen. Dazu kommen Anforderungen an die Offenlegung von Eigentumsstrukturen sowie der Führungsebene, denn die Behörde will einen Betreiberwechsel nicht nur verwalten, sondern inhaltlich und finanziell absichern.
Finanziell lässt sich die Spannung zwischen stationär und digital in den Kennzahlen ablesen. Im Jahresbericht „Spilmarkedet i tal 2025“ weist Spillemyndigheden für landbasierte Casinos einen Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR) von 378 Millionen DKK aus – das entspricht in der Quelle rund 58,26 Millionen Dollar. Gleichzeitig bedeutet das einen Rückgang von 5,6 % gegenüber dem Vorjahr. In der Marktanteilslogik bleibt der stationäre Bereich damit bei mageren 3 %, während Online-Casinos mit 4,31 Milliarden DKK etwa 38 % des Marktes erreichen. Seit 2012 ist dieser Online-Sektor um 139 % gewachsen, was zeigt, dass die geänderte Lizenzpolitik nicht aus Perspektivlosigkeit heraus kommt, sondern als Gegenmaßnahme zu einer realen Verschiebung der Nachfrage.
Besonders interessant ist, wie Spillemyndigheden dabei auch Nischen im Blick behält. So taucht erstmals liberalisiertes, landbasiertes Bingo in der Statistik auf. Mit 30 Millionen DKK macht dieses Segment zwar weniger als 1 % am Gesamtmarkt aus, dennoch signalisiert die Erfassung, dass der Regulator nicht nur auf den „großen“ Casino-Betrieb schaut, sondern auch auf Mischformen der Angebotslandschaft. Insgesamt führt die Behörde bis Ende 2025 über 1.970 Lizenzen in verschiedenen Glücksspielkategorien. Das passt zur Grundidee, ein kontrolliertes Angebot zu schaffen, das Spieler vor illegalen oder nicht beaufsichtigten Angeboten schützen soll – ein Motiv, das in westlichen Regulierungssystemen regelmäßig als Gegenpol zu Schattenmärkten herangezogen wird.
Für die technische und organisatorische Umsetzung des Lizenzprozesses ist zudem entscheidend, wie detailliert der Regulator die Anträge prüft. Als Grundlage dient das konsolidierte Gesetz Nr. 1182 vom 22. September 2025 zum Glücksspiel. Laut Beschreibung wird jeder Antrag in einem aufwendigen Verfahren bewertet, in das auch die lokale Gemeinde, der Polizeichef sowie Ministerien für Steuern, Wirtschaft und Industrie eingebunden sind. Das wirkt wie ein bewusst breites Prüfprofil: Nicht nur die Finanzkraft, sondern auch lokale Rahmenbedingungen und Sicherheitsaspekte sollen in die Entscheidung einfließen. Damit bleibt die Lizenzlogik eng an den Standort gebunden – ein Unterschied zu rein digitalen Modellen, bei denen Unternehmen oft schneller skalieren, aber lokale Effekte weniger direkt steuerbar sind.
In den Auswirkungen für den deutschen Markt steckt vor allem ein Monitoring- und Regulierungslernen: Deutschland setzt seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) auf strenge bundesweit geltende Regeln und organisiert die Lizenzierung über die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Während dänische Spielbanken vor Ort in den Marktanteilen schrumpfen, laufen in Deutschland parallele Diskussionen, wie sich Spielerschutz und Marktregulierung aufrechterhalten lassen, ohne Betreiber in den Schwarzmarkt zu treiben. Dort greifen etwa Einsatzlimits für Online-Slots (1 € pro Spin) und ein monatliches Gesamtlimit über alle Anbieter hinweg (1.000 €), überwacht über das LUGAS-System. Zudem gilt für legale Angebote die GGL-Whitelist; im stationären Bereich müssen Spieler sich ebenfalls auf strenge Ausweis- und Sperrlistenprozesse verlassen, darunter der Abgleich mit der Sperrdatei OASIS.
Für Unternehmen, die im Umfeld der dänischen oder deutschen Regulierung aktiv sind, liefert Dänemarks Schritt vor allem eine klare Botschaft: Der Trend geht Richtung Online, aber die Politik versucht zugleich, stationäre Strukturen als kontrollierte Einnahmequelle und als Beschäftigungs- und Wirtschaftsfaktor zu sichern. Wenn der stationäre Sektor weiter schrumpft, steigt langfristig der Druck, dass Online-Anbieter Spielerschutz-Standards genauso konsequent umsetzen – und dass Durchsetzung sowie Werberegeln auch über Ländergrenzen hinweg glaubwürdig funktionieren. Spillemyndigheden setzt hierfür nicht auf bloße Symbolpolitik, sondern auf die harte Prüfung von Finanzierung, Governance und Transparenz in einem festen Zeitfenster. Die Frage für den Markt lautet daher weniger „stationär oder online“, sondern wie sich der kontrollierte Betrieb über beide Kanäle so skalieren lässt, dass Vielfalt nicht zum Risiko wird.
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