LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Space Force hat mit NITE-STAR einen 10-jährigen Aufbauplan für Test- und Trainingsinfrastruktur gestartet. Dafür sieht der Space Systems Command ein Budget-Oberlimit von 981 Millionen US-Dollar vor, das für Boden-Komponenten und später eine Live-Range im Orbit genutzt werden soll. Im Zentrum stehen simulierte und instrumentierte Trainingsumgebungen, damit „Guardians“ auch unter zunehmend umkämpften Bedingungen zuverlässig üben können. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an realistischen Trainern hoch, weil rund 40% der Einheiten nach Angaben von Lt. Gen. Gregory Gagnon nicht über passende Simulatoren verfügen.

Die Nachricht, dass die US Space Force 15 Unternehmen für den NITE-STAR-Wettbewerb ausgewählt hat, zeigt vor allem eines: Die Organisation will die Lücke bei Test- und Trainingsmöglichkeiten systematisch schließen und nicht nur punktuell aussteuern. Für Dienststellen zählt dabei weniger die reine Verfügbarkeit von Technik, sondern die Frage, ob Trainingsszenarien wiederholbar, messbar und in hoher Detailtreue abgebildet werden können. Genau an dieser Stelle setzt der Ansatz an, denn die Space Force steht laut den eigenen Prioritäten vor der Herausforderung, dass Ausrüstung und Infrastruktur im Bereich Training über Jahre hinweg hinter anderen Teilstreitkräften zurückgeblieben sind.
Im Kern handelt es sich um eine 10-jährige Initiative, die der Space Systems Command am 31. Juli mit einem Budget-Oberlimit von 981 Millionen US-Dollar aufgesetzt hat. Der formale Rahmen trägt den Namen National Space Test and Training Complex Innovative Technology and Engineering – Space Test and Range, kurz NITE-STAR. Der Plan sieht vor, dass die Space Force mit dem Vertragskonstrukt so genannte Task Orders ausgibt: für Elemente der physischen Trainingsumgebung am Boden sowie für eine spätere Live-Range im Orbit. Dazu können laut Beschreibung unter anderem Simulatoren, Satelliten und Mess- beziehungsweise Instrumentationskomponenten gehören, also Bausteine, die Trainingsereignisse nicht nur darstellen, sondern auch erfassen und für Auswertungsschleifen nutzbar machen.
Dass die Space Force dafür nicht auf klassische Einzelverträge setzt, sondern ausdrücklich einen spezialisierten Auftragnehmer-Pool etablieren will, zielt auf Skalierung und Kontinuität. Space Systems Command formulierte den Zweck in einer offiziellen Stellungnahme: NITE-STAR soll die Entwicklung künftiger Technologien beschleunigen und der USSF ermöglichen, über Jahre hinweg die jeweils besten verfügbaren Lösungen aus dem innovativen Ökosystem kontinuierlich zu integrieren. In der praktischen Umsetzung bedeutet das: Statt viele kleine, voneinander getrennte Beschaffungsrunden zu koordinieren, entsteht eine wiederverwendbare Beschaffungsstruktur, an die sich die konkreten Erweiterungen der Trainingsumgebung andocken lassen. Für Unternehmen ist das vor allem dann relevant, wenn sie für wiederholbare Komponenten wie Messsensorik, Trainings-Software, Schnittstellen für Simulatoren oder modulare Satelliten-Subsysteme liefern können.
Technisch führt die Initiative zudem eine Debatte fort, die innerhalb der Space Force seit Jahren nachvollziehbar ist: Wie trainiert man Missionen so realistisch, dass das Ergebnis im Einsatz belastbar bleibt? In einer früheren Lageeinschätzung, die Lt. Gen. Gregory Gagnon im Dezember im Rahmen einer Medienbriefing-Situation abgab, ging er davon aus, dass etwa 40% der Einheiten keine realistischen Trainer besitzen. Bei einem Auftritt am 17. Juli im Mitchell Institute betonte er dabei, warum die Space Force derzeit oft auf die Nähe zur Realität setzen muss: „What we’re lacking is full up trainers all the time“, sagte Gagnon. „What we use is full up mission systems to do that kind of stuff. The positive of using real mission systems is it’s procedurally 100% accurate.“ Diese Aussage beschreibt einen bekannten Zielkonflikt: Originalsysteme liefern verlässliche Prozeduren, sind aber schwerer zu wiederholen, teurer im Betrieb und nicht immer flexibel genug für schnelle Übungsvarianten.
Auch deshalb ist der Schritt zu mehr Simulatoren und zu einer stärker instrumentierten Live-Umgebung so zentral. Gagnon machte zugleich deutlich, dass die Service-Planung bestimmte Missionen besonders priorisiert, darunter orbital warfare, intelligence, space domain awareness und electronic warfare. Für diese Bereiche ist die Trainingsqualität nicht nur eine „Komfort“-Frage, sondern beeinflusst direkt, wie Teams mit komplexen Sensor-/Signalketten, Lagebildern und Gegenmaßnahmen umgehen. Wo Simulatoren fehlen, wird Training nach Angaben aus dem Umfeld der Organisation entsprechend über aktive Systeme abgedeckt. Das ist im Alltag zwar operativ nützlich, setzt aber natürliche Grenzen durch Ressourcenverfügbarkeit und durch den Energie- bzw. Lebenszyklus realer Assets.
Die spätere Ausrichtung von NITE-STAR adressiert genau diese Ressourcenschranke. Laut Darstellung sieht die Space Force zwar perspektivisch mehr Live-Training Assets und Instrumentation in der Umlaufbahn vor – entweder als Service von kommerziellen Anbietern oder in Form speziell gebauter Plattformen. Gleichzeitig bezeichnet Gagnon diese Fähigkeit noch als „nascent“, also als bislang nicht voll ausgereiztes Feld. Bis dahin bleibt Live-Training im Orbit weitgehend an Restfähigkeiten gebunden, die von ehemals aktiven Satelliten übrig sind, nachdem sie ihre ursprüngliche Mission abgeschlossen haben. „We’re using those to train“, erklärte Gagnon. „That’s just a way to get the most out of it before it runs out of energy.“ Die 15 ausgewählten Unternehmen – darunter Amentum Technology, BAE Systems, Lockheed Martin, Firefly Aerospace, CACI, Pacific Crest Alliance, Northrop Grumman, Sierra Space Corporation, Viasat, York Space Systems, L3Harris Technologies, Parsons Government Services, Redwire Space Systems, Rocket Lab und Boeing – bilden in dieser Logik vor allem die Grundlage, damit die Space Force den Übergang von „Restkapazität“ zu planbaren, wiederholbaren Trainingsmechanismen schaffen kann.
Für den Markt ist das Paket vor allem deshalb relevant, weil es die technische Lieferkette in Richtung wiederholbarer Trainings- und Testinfrastruktur verschiebt. Wer heute über geeignete Simulatorik, Mess- und Dateninfrastruktur, Integrationserfahrung für Bodenanlagen oder Schnittstellen für satellitengestützte Live-Szenarien verfügt, bekommt mit einem Pool wie NITE-STAR eine strukturiertere Planungsgrundlage. Gerade bei Systemen, die im Trainingsbetrieb kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen, ist diese Art von Vertragsarchitektur ein Hebel, um Innovationszyklen schneller in den Übungsalltag zu bringen. Unabhängig davon bleibt aber die Kernaufgabe, die bereits in den Einschätzungen zur aktuellen Lage anklingt: Realistische Trainingsqualität in dem Umfang bereitzustellen, der für eine zunehmend umkämpfte Raumdomäne erforderlich ist.
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