LONDON (IT BOLTWISE) – Die Mind-A-Mend Group, die unter der Marke BPX agiert, koppelt die CSRD-Berichterstattung eng an ihre operativen Workflows. Dafür setzt das Unternehmen auf SAP Signavio und modelliert ESG-relevante Daten direkt in bestehenden Prozessketten. BPX nennt dabei umfangreiche Analysearbeit mit über 1.500 modellierten Geschäftsprozessen und mehr als 90.000 ausgewerteten Fällen. Ziel ist, manuelle Datenerhebung zu reduzieren und Abweichungen in der Prozessumsetzung früher zu erkennen.

Mit CSRD naht ab 2027 eine Berichtspflicht, die Unternehmen weniger als reines Reporting-Projekt verstehen sollten, sondern als Aufgabe für die Prozess- und Datenarchitektur. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Mind-A-Mend Group an, die unter der Marke BPX auftritt: Das Unternehmen stellt ein prozessorientiertes ESG-Tracking vor, bei dem die regulatorischen Anforderungen nicht als nachgelagerte Pflichtschicht behandelt werden. Stattdessen fließen die CSRD-relevanten Kriterien direkt in das Prozessmanagement ein, sodass Nachhaltigkeitsdaten aus den operativen Abläufen ableitbar sein sollen. Im Kern geht es damit um die Frage, wie aus vielen Einzelinformationen wiederholt belastbare Kennzahlen werden, die sich zur Wirtschaftsprüfung konsistent nachverfolgen lassen.
Technisch betrachtet basiert der Ansatz auf einer umfassenden Prozessanalyse als Datengrundlage. BPX nennt im Zuge der Entwicklung mehr als 1.500 Geschäftsprozesse, die modelliert wurden, und über 90.000 einzelne Fälle, die dabei analysiert worden seien. Diese Detailtiefe soll verhindern, dass ESG-Daten nur punktuell erfasst werden, wenn gerade ein Bericht fällig ist. Stattdessen werden ESG-relevante Informationen laut Beschreibung aus den vorhandenen Prozessketten abgeleitet, was in der Praxis vor allem dann zählt, wenn sich Kennzahlen aus mehreren Fachbereichen zusammensetzen. Wer Prozessdaten zentral verwaltet, kann außerdem genauer unterscheiden, welche Abweichung aus einer Regeländerung stammt und welche auf fehlende oder falsch interpretierte Prozessschritte zurückgeht.
Als Plattform-Komponente kommt SAP Signavio zum Einsatz, und zwar nicht nur als Dokumentationswerkzeug, sondern als Integrationsebene zwischen Nachhaltigkeitsmanagement und operativer Ausführung. BPX beschreibt den konkreten Nutzen vor allem als Automatisierung: Die händische, fehleranfällige Datenerhebung für Nachhaltigkeitsberichte soll durch den prozessbasierten Transfer ersetzt werden. In diesem Modell werden CSRD-Anforderungen in die Architektur von SAP Signavio integriert, sodass Fortschritte in Echtzeit überwacht und Abweichungen frühzeitig identifiziert werden können. Gerade hier entscheidet sich häufig, ob Nachhaltigkeitsberichte im Jahresendmodus entstehen oder ob Teams die Daten kontinuierlich im Tagesgeschäft aktualisieren.
BPX untermauert die Wirksamkeit mit Kennzahlen zur operativen Prozessqualität. Laut Unternehmensangaben konnte die Varianz bei Abfällen um 40 % gesenkt werden, gleichzeitig erreichte das Vorgehen eine Prozessadhärenz von 62 %, was als stabilere Einhaltung der definierten Geschäftsregeln interpretiert wird. Darüber hinaus nennt das Unternehmen eine Reduktion redundanter Prozesse um 33 %, also weniger doppelte Arbeit und weniger widersprüchliche Prozessversionen, die später zu Dateninkonsistenzen führen können. Für CIOs und Verantwortliche für Governance, Risk und Compliance ist das relevant, weil redundant gepflegte Prozesslogik in der Realität häufig zu unterschiedlichen Dateninterpretationen führt – und damit später Aufwand in der Abstimmung zwischen Fachbereichen und Prüfung verursacht.
Der Zeitdruck kommt dabei nicht überraschend, denn die CSRD-Timeline wirkt wie ein Beschleuniger für Digitalisierungsvorhaben. Im Kontext der regulatorischen Entwicklung verweist BPX darauf, dass seit März 2026 Omnibus I in Kraft sei und den Rahmen weiter festige. Ab dem Geschäftsjahr 2027 gilt demnach die CSRD-Berichtspflicht für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von über 450 Millionen Euro. Der prozessbasierte Ansatz wird dabei als Instrument beschrieben, um die erforderliche Datenqualität für die Wirtschaftsprüfung sicherzustellen, ohne die operative Leistungsfähigkeit aus dem Blick zu verlieren. Zusätzlich deutet die Argumentation darauf hin, dass Prozessmanagement und Nachhaltigkeitsmanagement zusammengeführt werden sollen, damit Unternehmen regulatorische Hürden als organisatorische Verbesserungen statt als reinen Bürokratieaufwand nutzen.
Auch wenn die Meldung stark auf ESG-Datenflüsse und Prozessautomatisierung fokussiert, lässt sich daraus ein breiterer Trend ableiten: Nachhaltigkeits- und Compliance-Themen wandern zunehmend in die gleiche technische Schicht wie andere Kontroll- und Steuerungsprozesse. Das betrifft Datenherkunft (Provenance), Verantwortlichkeiten in Workflows und die Frage, wie Änderungen in Regeln oder Definitionen reproduzierbar in Reports landen. Für die KI-gestützte Weiterverarbeitung bietet ein prozessnahes Modell zudem eine bessere Grundlage, etwa um Abweichungen verständlich zu markieren oder Plausibilitätschecks systematisch anzustoßen – ohne dass der Prüfpfad bei jeder Aktualisierung neu zusammengesetzt werden muss. Wer solche Ansätze aufbauen will, sollte früh klären, welche Prozessobjekte als „ESG-relevante Quellen“ gelten, wie sie versioniert werden und wie Ergebnisse bis zur Berichtsebene nachvollziehbar bleiben.
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