OSNABRÜCK / LONDON (IT BOLTWISE) – Sebastian Fitzek teilt kurz vor seinem 20-jährigen Autorenjubiläum Einblicke in seinen eigenen Schreibprozess. Er gesteht, er schreibe häufig „viel zu viele Sätze mit einem Komma und dass“. Dazu zählt auch, dass ihm Rechtschreibfehler „schon häufiger unterlaufen“ seien. Für die Live-Lesungen am 7. und 8. August nimmt er sich offenbar ein großes Ziel vor: einmal mit einem Buch auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste zu stehen.

Sebastian Fitzek feiert in diesem August sein 20-jähriges Autorenjubiläum – und nutzt die Vorbereitungsphase auf zwei Live-Lesungen am 7. und 8. August offenbar, um einen Blick hinter die Kulissen zu geben. Inhaltlich stehen dabei nicht neue Plotpoints im Vordergrund, sondern ganz handfeste Schreibgewohnheiten. Gerade bei Autorinnen und Autoren, deren Texte im Markt oft als „fertig“ wahrgenommen werden, wirkt es überraschend konkret, wenn der Autor selbst an den Rändern des Handwerks rührt: bei Satzlängen, Zeichensetzung und dem, was beim Durcharbeiten immer wieder hängen bleibt.
Besonders auffällig ist sein Geständnis zum Stil: Fitzek erklärte, er schreibe „viel zu viele Sätze mit einem Komma und `dass`“. Das ist mehr als ein kleines Sprachbonmot. Kommas und das Wort „dass“ strukturieren in der deutschen Prosa typischerweise Gedankenketten; wenn sie gehäuft auftreten, kann der Lesefluss träge wirken oder in indirekte Schachtelungen kippen. Dass Fitzek das selbst als „Tick“ benennt, zeigt, wie bewusst er mit der Rhythmik arbeitet – und zugleich, dass Schreiben bei ihm nicht als linearer Zaubertrick funktioniert, sondern als wiederholter Prozess aus Entwurf, Korrektur und Überschreibung.
Auch die Fehlerkultur kommt zur Sprache. Fitzek sagte, ihm sei ein Rechtschreibfehler „schon häufiger unterlaufen“, und er erinnerte sich sogar an einen Fall, der bereits gedruckt worden sein soll: „Schweinwerfer“. Die Stelle ist interessant, weil sie die typischen Mechanismen sichtbar macht, die beim Schreiben und Überarbeiten wirken: Tippfehler, automatisierte Wortersetzungen und der „Verleseffekt“ beim zweiten oder dritten Lesen. Wer professionelle Texte veröffentlicht, kennt solche Ausrutscher – aber selten wird die konkrete Form so offen adressiert. Für Leserinnen und Leser ist das ein Hinweis darauf, dass auch erfolgreiche Autorinnen und Autoren nicht von einem makellosen Text ausgehen, sondern dass Qualität am Ende im Lektorat, im Feedback und in der eigenen Revision entsteht.
In derselben Passage bettet Fitzek seine Routinen in eine klare Zielvorstellung ein. Kurz vor den Live-Lesungen verriet er, was er als erfolgreicher Schriftsteller „noch erreichen will“: Er würde gern „einmal mit einem Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times“ stehen. Solche Marktziele wirken auf den ersten Blick wie ein klassischer Karrierepunkt. Gleichzeitig macht der Wunsch deutlich, dass kommerzieller Erfolg für ihn nicht nur als Nebenprodukt der eigenen Themenwahl entsteht, sondern auch mit der erwartbaren Leseransprache zusammenhängt – mit Spannungstakt, Verständlichkeit und dem Gefühl, dass die Sprache genau richtig dosiert ist. Wenn der Autor selbst zu vielen Kommas neigt, wird verständlich, warum das finale Timing der Dramaturgie am Ende häufig in der Überarbeitung „eingefahren“ werden muss.
Technisch betrachtet ist die Aussage zu Stilmerkmalen wie „Komma“ und „dass“ eine Parallele zur Qualitätsarbeit in vielen anderen Schreib- und Produktionsprozessen: In der Softwareentwicklung würde man das als „Refactoring-Schleifen“ zwischen einer funktionierenden Version und einer lesbaren, wartbaren Version beschreiben. Man startet mit einer ersten Fassung, in der alles da ist, aber noch nicht optimal strukturiert. Dann kommen wiederholte Durchläufe: Ersetzen, Umstellen, Straffen. In der Literatur übernimmt das beim Autor und im Lektorat die Aufgabe der Lesbarkeit – in der Informatik übernehmen statische Prüfungen, Stilkonventionen und Tests ähnliche Funktionen. Der Unterschied liegt nur darin, dass beim Text das menschliche Ohr und das Lesetempo schwerer „automatisierbar“ sind als eine rein formale Regel.
Für die Branche rund um Unterhaltungsliteratur ist die Offenheit dazu ebenfalls ein Signal. Viele Autorinnen und Autoren sprechen über Inspiration, selten über konkrete sprachliche Stolperstellen. Fitzeks Aussagen helfen, das Bild vom Schreiben zu entmystifizieren: Nicht Perfektion, sondern Iteration führt zum Ergebnis. Das kann auch für Verlage und Teams relevant sein, weil die Abstimmung zwischen Autor, Lektorat und Produktion oft davon abhängt, welche Art von Korrekturen am Ende noch erwartet wird. Wenn der Autor bereits vorab beschreibt, welche Muster bei ihm auftreten, lassen sich diese in der redaktionellen Zusammenarbeit gezielt spiegeln – ohne dass der Text in eine „Zwangs-Norm“ gedrückt wird.
Was bleibt, ist eine Art Handwerksversprechen kurz vor der Bühne. Live-Lesungen sind für viele Autorinnen und Autoren der Moment, in dem Sprache nicht mehr nur auf der Seite existiert, sondern akustisch im Raum. Kommas und verschachtelte Konstruktionen verändern genau dann die Wirkung, wenn man den Text laut liest. Wer also weiß, dass er zu „viel zu viele“ solcher Strukturen schreibt, hat vermutlich einen zusätzlichen Anreiz, den Text für die Vortragsform zu schärfen. Am Ende entscheidet sich in der Praxis, wie gut die Rhythmik sitzt – und ob es Fitzek gelingt, nicht nur das Publikum zu überzeugen, sondern auch die Jury einer Bestsellerwelt, in der Platz eins ein sehr hartes Ziel bleibt.
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