SEOUL / LONDON (IT BOLTWISE) – Präsident Lee Jae Myung drängt das Militär, die Fusion von drei süd-koreanischen Militärakademien „swiftly and decisively“ voranzutreiben. Er verknüpft die Reform mit dem Ziel, das Risiko eines erneuten militärischen Eingreifens in die Politik zu senken. Im Kabinetts-Umfeld kritisiert er zudem die Verhandlungsdauer mit den USA zur Rückgabe früherer Stützpunkte und mahnt beschleunigte Umsetzung an. Schließlich warnt Lee vor möglichen politischen Nebenwirkungen, Nordkorea mit dem offiziellen Namen „Choson“ zu bezeichnen.

Präsident Lee Jae Myung setzt bei der Reform der Streitkräfte nicht auf die reine Fortschreibung bestehender Strukturen, sondern auf einen radikalen Eingriff in die Ausbildungspipeline. Im Zentrum steht eine geplante Zusammenlegung von drei Militärakademien in Südkorea – mit dem erklärten Ziel, künftige politische Einflussnahmen durch bestimmte Laufbahngruppen zu erschweren. Lee verknüpfte den Schritt dabei ausdrücklich mit historischen Ereignissen: Er verwies auf mehrere Staatsstreiche der Vergangenheit, bei denen die Armee und insbesondere Absolventen der Korea Military Academy eine zentrale Rolle gespielt hätten. Genau daraus leitete er die Notwendigkeit ab, die institutionellen Bedingungen zu verändern, die solche Eingriffe begünstigen.
Technisch betrachtet adressiert die geplante Fusion ein Ausbildungs- und Rekrutierungsmuster, das sich in Rangstrukturen abbildet. Lee argumentierte, die Korea Military Academy liefere einen überproportionalen Anteil an Führungskräften: Nach seinen Angaben stellen ihre Absolventen „mehr als die Hälfte“ der 375 Generäle in Südkorea. Gleichzeitig kritisierte er die Dominanz der Akademie in höheren Dienstgraden, weil Absolventen zwar einen vergleichsweise kleinen Anteil am Nachwuchs ausmachten, jedoch „Positionen“ entlang der Hierarchie zunehmend monopolisierten. Die Logik dahinter ist weniger eine Frage individueller Moral als eine Frage von Anreizen: Wenn ein System bestimmte Wege schneller belohnt oder den Zugang zu Schlüsselposten faktisch verengt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Institution mit genau jenen Mustern identifiziert, die später zum politischen Problem werden.
Der Verteidigungsminister Ahn Gyu-back verwies in diesem Zusammenhang auf bereits laufende, weitreichende Umbauten nach der martial law-Erklärung vom 3. Dezember unter der früheren Regierung. Dazu zählten „unprecedented structural changes“ und auch Eingriffe in Teile des militärischen Nachrichtendienstapparats. Lee akzeptierte damit nicht das Argument „warum nicht noch warten“, sondern setzte auf eine beschleunigte Umsetzung der Akademiefusion. Er verlangte, Ahn solle bei der Reform „with greater urgency“ vorgehen und nicht hinter Formulierungen wie „extremely difficult process“ zurückfallen. Gleichzeitig betonte er eine zweite Ebene: Die Fusion dürfe nicht bei einer bloßen technischen Zusammenlegung stehen, sondern müsse die Ausbildungslogik so rationalisieren, dass problematische Akte künftig schwerer realisierbar werden.
Parallel drückte Lee die Verhandlungen mit Washington zur Rückgabe ehemaliger US-Stützpunkte. In der Argumentation geht es nicht nur um den politischen Takt, sondern um die operative Folge: Lee kritisierte, dass Gespräche über die Rückgabe von Land, das für die Nutzung durch US-Streitkräfte vorgesehen war, „far too long“ dauerten. Er machte dabei konkret, dass zwar viel Infrastruktur bereits errichtet wurde – etwa die Basis in Pyeongtaek – und dass US-Kräfte eingezogen seien, während dennoch vereinbarte Areale noch nicht zurückgegeben worden seien. Besonders unterstrich er das Problem der Reihenfolge: Südkorea habe das neue Pyeongtaek-Standortprojekt abgeschlossen, obwohl frühere US-Standorte noch nicht vollständig zurückgeführt waren; Lee brachte das auf den Satz, man solle „never pay up front“, da Verzögerungen sonst wie Ausreden wirkten.
Aus Sicht der Umsetzung ist die Rückgabe zudem ein „Tracking“-Problem über viele Teilstandorte hinweg: Lee nannte, dass von 82 als rückgabefähig ausgewiesenen US-Installationen zwar „most“ bereits zurückgingen, aber zentrale Teile noch fehlen – darunter Bereiche des Yongsan Garrison in Seoul und Camp Casey in Dongducheon. Der Verteidigungsminister ließ dabei anklingen, dass die USA auf dem Verhandlungsweg zu passiv agierten; Lee forderte daher eine aktivere Einbindung, einschließlich einer Intensivierung der Beteiligung des Außenministeriums. Für Unternehmen und Behörden, die in solche Umzüge, Umwelt- und Infrastrukturfolgen involviert sind, bedeutet das: Selbst wenn politische Entscheidungen formal getroffen werden, entscheidet am Ende oft ein dichtes Netz aus Zeitplänen, Übergaben, Zuständigkeiten und Nacharbeiten, ob Flächen wirklich nutzbar oder nur „zurück“ im Papier sind.
Die zweite Linie der heutigen Intervention betrifft die Kommunikationsstrategie gegenüber Nordkorea. In einem Briefing des Ministeriums für Einheit warnte Lee vor einem Vorschlag des Unifikationsministers, Nordkorea nicht nur als „Nordkorea“, sondern mit dem offiziellen Namen der Demokratischen Volksrepublik Korea zu bezeichnen – im koreanischen Kontext auch als „Choson“. Lee stellte dabei eine Unterscheidung heraus: Gute Absichten bei Annäherungsinitiativen seien nicht automatisch in bessere Ergebnisse übersetzbar. Er verwies darauf, dass solche Begriffe zu politischem Munition werden können und Kontroversen auslösen, selbst wenn sie eigentlich auf Vertrauensaufbau zielen. In der Praxis nutzt Südkorea laut den Aussagen des Präsidenten aktuell den Begriff „North Korea“, weil die Verfassung die Beziehungen nicht als Staat-zu-Staat anerkennt.
Damit legt Lee den Fokus auf das Risiko, dass die Sprache als Stellvertreter für politische Konfliktlinien fungiert. Er räumte ein, dass es manchmal auch Kosten im politischen Prozess braucht, um Fortschritt zu ermöglichen, doch warnte er davor, dass gute Werte nicht zwingend zu guten Resultaten führen. Besonders häufig trete dieses Muster laut Lee in interkoreanischen Beziehungen auf: Wenn ein Ausdruck in eine parteipolitische Auseinandersetzung hineingezogen wird, könne das Ergebnis am Ende schlechter ausfallen als das Ziel selbst. Gerade für das Unifikationsministerium, das sowohl innenpolitische Debatten als auch diplomatische Feinabstimmung steuern muss, fordert Lee daher „careful thought“ – also eine Abwägung, wie sich symbolische Gesten, Zeitpunkte und Wortwahl in realen Wirkungsketten entfalten.
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