LONDON (IT BOLTWISE) – Arthur Hayes ordnet den KI-Boom als Kredit- statt Tech-Blase ein und verknüpft ihn mit einem möglichen Liquiditäts- und Bailout-Szenario. Er erwartet, dass die KI-Investitionszyklen bei sinkender Ausgabenrate abkippen und die schwächsten Kredite zuerst ausfallen könnten. Für Bitcoin nennt Hayes eine kurzfristige Seitwärtszone zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar, sieht aber auch Abwärtsrisiken bis 50.000 US-Dollar. Gleichzeitig argumentiert er, Bitcoin sei bereits nahe dem Tief positioniert, während Ethereum als nächster Trade um Tokenisierungsthemen profitiert.

Arthur Hayes sieht KI als Kreditblase: Bitcoin-Risiko und Kursfenster
Arthur Hayes sieht KI als Kreditblase: Bitcoin-Risiko und Kursfenster (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer sich zuletzt mit der schnellen KI-Entwicklung beschäftigt hat, stößt zwangsläufig auf eine zweite Frage: Wie solide ist die Finanzierungslogik hinter dem Infrastrukturhunger der Hyperscaler? Arthur Hayes, Mitgründer von Maelstrom, stellt diese Logik bewusst auf den Kopf. In seiner Argumentation wird der KI-Boom nicht primär als technologische Wette beschrieben, sondern als Kreditstory, in der reale Projekte wie Rechenzentren und deren Finanzierung die eigentliche “Grundlage” bilden. Genau hier setzt seine Analogie zur Zeit vor und nach 2008 an: Damals habe der Krisenverlauf vor allem mit Kreditketten zu tun gehabt, und nicht mit fehlenden Umsätzen wie beim Dotcom-Crash.

Technisch lässt sich sein Rahmen so lesen: KI-Workloads benötigen nicht nur Modelle, sondern laufend Kapazität in Form von Hardware, Strom, Kühlung und Netzwerk. Das bedeutet CAPEX-Wellen, die sich in Miet- und Finanzierungsstrukturen abbilden lassen – etwa über langfristige Verträge für Gebäude, Energielieferung und Ausrüstung. Hayes argumentiert, dass die Branche zwar “echte” Immobilien- und Infrastrukturvorhaben aufbaut, die Kreditgeber diese aber anders bewerten könnten, als würde es sich um ein einmaliges Investitionsrisiko in der Kapitalstruktur eines Technologieunternehmens handeln. In seiner Sicht werden Schulden teils so behandelt, als stünde ihnen eine stabile, unternehmensspezifische Ertragsmaschine gegenüber – statt einer stärker zyklischen Fähigkeit, Investitionen in jeder Phase zu refinanzieren oder zu skalieren.

Der Marktbezug folgt dann über einen zeitlichen Scharnierpunkt, den Hayes als Umkehr in der KI-Ausgabenkurve beschreibt. Er erwartet, dass die Wachstumsraten der KI-bedingten Ausgaben für Rechenzentrums- und Infrastrukturkapazitäten zunächst verlangsamen und in der Folge sogar schrumpfen. In solchen Phasen werden aus seiner Perspektive besonders schwache Kreditnehmer und Konstruktionen zuerst sichtbar: Wenn Umsätze oder Anschlussfinanzierungen nicht schnell genug nachziehen, reicht oft schon eine Verschiebung der Refinanzierungskonditionen, um Ausfälle zu beschleunigen. Entscheidend ist dabei nicht nur der einzelne Kredit, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass der politische und makroökonomische Hebel stärker greift, wenn es um systemrelevante Ketten geht – mit dem Hinweis, dass Regierungen dann möglicherweise auf Liquiditätspakete setzen, die größer ausfallen könnten als das, was nach 2008 am Markt wahrnehmbar war.

In dieses Szenario ordnet Hayes anschließend Bitcoin ein. Er behauptet, Bitcoin sei bereits am Tiefpunkt oder sehr nah daran, und prognostiziert für die unmittelbare Zukunft eine Seitwärtsbewegung zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar. Als potenzielle Untergrenze nennt er zudem eine Möglichkeit bis 50.000 US-Dollar. Seine These lautet, dass Bitcoin “in diesem Zeitpunkt” bereits existiere und deshalb die kommende Liquiditätswelle eher direkt abfedern könne. Interessant ist dabei die historische Klammer: Hayes verweist darauf, dass Bitcoin als Reaktion auf die Art der massiven Hilfsprogramme nach 2008 entstanden sei. Damit macht er weniger ein technisches Leistungsargument als ein narratives Underwriting: Wenn wieder große Geldmengen in Umlauf kommen, soll sich das nicht nur in Aktien oder klassischen Rohstoffen spiegeln, sondern auch in einem Vermögenswert, der gerade deshalb geschaffen wurde.

Auch Ethereum bringt er in eine klare, wenn auch stark thematisch argumentierende Abfolge. Hayes sagt, Maelstrom sei zwar stark “long” auf Bitcoin, setze aber im nächsten Schritt auf Ethereum und visiert dabei 5.000 US-Dollar bis zum Jahresende an – also grob ein Faktor-Mehrfaches gegenüber dem von ihm beschriebenen Niveau. Der Kern seiner Logik ist dabei nicht die Layer-1-Performance allein, sondern die Rolle als Sicherheits- und Abwicklungsplattform für Tokenisierung. Er verweist darauf, dass Unternehmensketten und Anwendungen (er nennt als Beispiel Robinhood Markets) auf Arbitrum setzen und damit eine Infrastruktur entstehen, in der Ethereum als Settlement-Layer für tokenisierte reale Assets fungieren könnte. Das ist für Entscheider deshalb relevant, weil Tokenisierung weniger “ein einzelnes Produkt” ist als ein Ökosystem aus Governance, Datenintegrität, Abwicklungslogik und schließlich aus Schnittstellen in traditionelle Wertschöpfung.

Ein weiterer Treiber in Hayes’ Story ist die Zentralbank-Politik, die er als “Wildcard” beschreibt. Er verweist darauf, dass die Fed die Zinsen zuletzt gehalten habe, und interpretiert das als Indiz dafür, dass die Regierung bereits an einer steileren Zinsstruktur arbeite, um Bankkredite profitabler zu machen. Für die Unternehmens- und Entwicklerrealität heißt das übersetzt: Wenn Banken wieder stärker in Kreditvergabe investieren, wandert Kapital eher in die Segmente, die gerade Nachfrage haben – und damit möglicherweise auch in KI-nahe Finanzierungsformen, die kurzfristig attraktiv wirken. Sobald diese Kredite “sour” werden, erwartet Hayes, dass der Staat dann schneller eingreift und zwar in einem Ausmaß, auf das der Markt nicht vorbereitet sei. Für das Risikomanagement bedeutet die Argumentationskette weniger eine konkrete Preisprognose, sondern die Frage, wie stark Unternehmensfinanzierung, Latenz bei Refinanzierungen und makroökonomische Reaktionsmuster miteinander verknüpft sind.

Aus technischer und industriepolitischer Sicht lohnt der Perspektivwechsel über KI als Kreditblase besonders dort, wo Infrastrukturprojekte nicht nur gebaut, sondern dauerhaft betrieben werden müssen. Rechenzentren sind zwar “materiell”, doch ihr wirtschaftlicher Erfolg hängt an Auslastung, Energiepreisen, Vertragslaufzeiten und an der Frage, ob die Nachfrage nach Training und Inferenz in den kommenden Quartalen in derselben Geschwindigkeit wächst wie zuvor. Genau deshalb ist Hayes’ Rahmen für IT-Entscheider anschlussfähig: Er verweist auf eine Phase, in der das Engineering zwar schneller werden kann, die Finanzierungsseite aber nicht automatisch im selben Takt mitläuft. Die nächsten Monate dürften daher weniger durch Modell-Demos entschieden werden als durch die Ausdifferenzierung, welche KI-Projekte tatsächlich skalieren und welche nur durch Kreditexpansion überleben – mit potenziellen Konsequenzen für Kapitalmarkt, Tokenisierungs-Ökosysteme und letztlich auch die Investitionsbudgets in KI-Infrastruktur.


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