LONDON (IT BOLTWISE) – Die bisher als „Total Conviction“-Story bekannte MicroStrategy-Strategie verkauft eigenen Angaben zufolge einen Teil ihrer Bitcoin-Bestände, um Kapital für Rückkäufe und Dividenden zu schaffen. Konkret sollen bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar in US-Dollar-Reserven entstehen, davon fließen Mittel in Rückkäufe von Vorzugsaktien sowie weitere Programme. Schon in den ersten Wochen wurden laut Angaben 218 Millionen US-Dollar an Bitcoin verkauft, um Vorzugsdividenden zu bedienen. Für Anleger ist vor allem entscheidend, wie sich dadurch die Relation zwischen Bitcoin-Exposure und Unternehmensbewertung verändert.

Wenn eine Firma, die über Jahre konsequent auf „Buy-and-hold“ bei Bitcoin gesetzt hat, plötzlich einen mehrjährigen Sell-Plan in Richtung US-Dollar-Reserven freigibt, wirkt das auf den ersten Blick wie ein Strategiebruch. Genau diesen Eindruck erzeugt die jüngste Entscheidung von Strategy (vormals MicroStrategy): Das Unternehmen verfügt weiterhin über 842.138 Bitcoins, die sich in der Unternehmenskommunikation auf einen Marktwert von 54,5 Milliarden US-Dollar belaufen. Gleichzeitig autorisierte der Verwaltungsrahmen jedoch einen Bitcoin-Abbau im großen Stil, um im Konzern liquide Mittel aufzubauen und damit Aktienprogramme zu finanzieren. Für bestehende MSTR- bzw. Strategy-Aktionäre stellt sich damit nicht nur die Frage nach dem „Ob“, sondern nach dem „Warum jetzt“.
Operativ beschreibt die Mitteilung ein relativ klar strukturiertes Paket aus Liquiditätsbeschaffung und Kapitalrückführung. In der zweiten Juli-Hälfte kündigte Strategy an, Bitcoin zu verkaufen, um bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar in Form von US-Dollar-Reserven zu realisieren. Mit dem frischen Cash soll der Konzern einerseits bis zu 1 Milliarde US-Dollar in einen Repurchase seines Vorzugsaktien-Programms (preferred stock) lenken. Andererseits ist die Finanzierung der Vorzugsdividenden eingeplant; dabei wird in der Quelle eine Rendite bzw. eine Dividendenrendite von 11% genannt. Zusätzlich sieht das Vorhaben einen weiteren Rückkauf von bis zu 1 Milliarde US-Dollar bei der Stammaktie (common stock) vor. Bis Ende Juli seien dabei laut Angaben bereits 218 Millionen US-Dollar an Bitcoin verkauft worden, um die Vorzugsdividenden zu decken, sowie 25 Millionen US-Dollar für Rückkäufe der Vorzugsaktien aufgewendet worden.
Interessant ist dabei, wie stark das Programm zwischen Vorzugsaktien und Stammaktien unterscheidet. Strategy wolle laut Quelle weiterhin Vorzugsaktien zurückkaufen, solange diese unter 100 US-Dollar notieren, allerdings habe man bislang noch keine Rückkäufe der Stammaktien vorgenommen. Genau diese Asymmetrie liefert einen Hinweis auf die interne Bewertung: Wenn ein Unternehmen trotz hoher Bitcoin-Konzentration zunächst das Vorzugssegment aktiviert und die Stammaktie abwartet, bedeutet das oft, dass Management und Finanzierungslogik im jeweiligen Kursniveau unterschiedliche „Unterbewertungsgrade“ sehen. Die Quelle verbindet diesen Punkt explizit damit, dass die Strategy-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um 74% gefallen sei, während Bitcoin im selben Zeitraum um 43% zurückgegangen ist. Übersetzt in Unternehmenslogik heißt das: Kursverfall bei eigener Aktie wird als wahrscheinlicher Kaufanlass interpretiert, während Bitcoin-Risiko kurzfristig als planbarer Bestandteil des Portfolios behandelt wird.
Damit rückt auch die Kennzahl „Enterprise Value“ in den Blick, die im Text als scheinbarer Widerspruch auftaucht. Auf Basis eines Enterprise Values von 40,4 Milliarden US-Dollar wirkt die Bewertung zunächst hoch, weil dies mit 82-fachen Jahresumsätzen in Verbindung gebracht wird. Gleichzeitig argumentiert die Quelle, dass dieser Enterprise Value tatsächlich niedriger sei als der Marktwert der Bitcoin-Holdings selbst. In solchen Situationen ist ein Teil der Logik weniger „Bitcoin wird schlecht“ als vielmehr „Bitcoin bleibt wertvoll, aber eigenes Kapital ist zu teuer oder zu günstig“. Wenn Strategy davon ausgeht, dass Bitcoin langfristig weiter steigt, kann ein gezieltes Trimmen von Beständen aus Sicht der Eigenkapitalrendite sinnvoll sein: Man reduziert nicht die gesamte Wette, sondern ergänzt sie durch Rückkäufe, die den Anteilseignern mehr von der künftigen Kursphantasie über eine geringere Aktienanzahl zugutekommen lassen sollen.
Die zweite Ebene der Einordnung betrifft die Marktmikrostruktur rund um Zinsniveaus und Risikoappetit. Der Text stellt die Entscheidung zudem als „prudent“ dar, weil die Angst vor weiteren Zinsschritten das Aufwärtspotenzial von Bitcoin zumindest für einige Monate begrenzen könne. Das ist vor allem deshalb relevant, weil solche Makrotreiber in Bitcoin-getriebenen Unternehmensmodellen oft stärker durchschlagen als bei klassisch diversifizierten Cashflow-Profilen: Wenn die Bilanz fast vollständig von einem einzigen volatilen Asset abhängt, wirkt jede Verschiebung in den Erwartungshorizont der Liquiditätskosten unmittelbar auf die Bewertung. Aus Managementsicht kann es dann sinnvoll sein, nicht die Bitcoin-These aufzugeben, sondern Risiken über Timing zu managen: Bitcoin-Exposure bleibt erhalten, aber ein Teil wird in Cash umgewandelt, um Buybacks durchzuführen, sobald die eigene Aktie aus Sicht des Unternehmens „zu günstig zum Ignorieren“ wirkt.
Auch die persönliche Haltung von Michael Saylor wird in der Quelle als Gegenpunkt angeführt: Er habe laut Text keine eigenen persönlichen Bitcoin-Bestände verkauft und er erwarte, dass der Preis von Bitcoin bis 2046 auf 21 Millionen US-Dollar steigen könne. Für Anleger ist diese Passage vor allem ein psychologischer Marker, aber wirtschaftlich ergänzt sie die Gesamtlogik des Unternehmens: Sell-Programme in der Bilanz können durchgeführt werden, ohne dass damit zwingend eine Baisse-Erwartung auf Asset-Ebene verbunden sein muss. Für die nächste Quartals- und Kursphase dürfte entscheidend sein, ob der Konzern das angekündigte Zusammenspiel aus Reserven, Vorzugsdividenden und gestaffelten Rückkäufen konsequent in die Praxis überführt und wie stark der Markt die „Trading-gegen-Asset“-Komponente künftig einpreist.
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