LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Diageo peilt mittelfristig wieder steigende Umsätze an, nachdem der Konzern zuletzt unter schwacher Konsumlaune gelitten hat. Für das neue Geschäftsjahr 2026/27 erwartet der Spirituosenhersteller noch kein Umsatzwachstum, setzt aber auf Kostensenkungen, um das operative Ergebnis noch in diesem Jahr spürbar zu verbessern. Bis 2028/29 soll der organische Umsatz jährlich im niedrigen einstelligen Prozentbereich steigen, das operative Ergebnis soll im mittleren einstelligen Bereich wachsen. Die Aktie reagierte zunächst positiv, während der Konzern zugleich an einer neuen Strategie unter CEO Dave Lewis arbeitet.

Diageo versucht sich aus dem Gegenwind herauszumanövrieren: Der britische Spirituosenkonzern stellt für die kommenden Jahre einen Plan in Aussicht, der das finanzielle Profil wieder auf Wachstumskurs drehen soll. Im neuen Geschäftsjahr 2026/27 (Ende Juni) wird laut Konzernangaben zwar noch kein Umsatzplus erwartet, doch Kostensenkungen sollen das operative Ergebnis bereits in diesem Jahr aus eigener Kraft um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentsatz erhöhen.
Technisch betrachtet ist das weniger eine „Wende durch Volumen“, sondern eine Strategie über Ergebnishebel: Wenn Mix- und Preisfaktoren bei den Erlösen nachlassen, bleibt häufig nur der Weg über Effizienz in Beschaffung, Produktion und Vertrieb. Diageo verweist dabei auf einen Zeitraum bis einschließlich 2028/29, in dem der organische Umsatz dann im Durchschnitt jährlich im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen soll. Parallel soll auch das operative Ergebnis zulegen – im mittleren einstelligen Bereich – während der Gewinn je Aktie stärker steigen dürfte als das operative Ergebnis.
Der Zielpfad steht auf einer belasteten Ausgangslage. In den vorläufigen Zahlen für das zurückliegende Jahr sank der aus eigener Kraft erzielte Umsatz um 2 Prozent; erkennbar wirkten sich vor allem ungünstige Mix- und Preisentwicklungen auf den Erlös aus. Insgesamt ging der Umsatz um 3 Prozent auf 19,6 Milliarden US-Dollar (17,1 Mrd Euro) zurück, und beim Gewinn unter dem Strich blieben knapp 2 Milliarden US-Dollar übrig – fast ein Viertel weniger als im Vorjahr. Zusätzlich belastete in der Türkei ein Abschreibungsbedarf von 1,5 Milliarden US-Dollar.
Marktseitig liefert der Konzern ebenfalls eine Erklärung für die erlahmende Dynamik: Seit einiger Zeit kämpft Diageo mit einer schwachen Entwicklung, unter anderem wegen der zurückhaltenden Konsumneigung nach der Corona-Pandemie. Dazu kamen zuletzt Zölle in den USA, die die Geschäfte zusätzlich erschwerten. Die Börse reagierte zwar mit Bewegung: In London legte die Aktie in der Spitze um 11 Prozent zu, später fiel das Plus auf zuletzt noch 6 Prozent. Auf Sicht der vergangenen zwölf Monate verbuchte der Kurs dennoch einen Verlust von gut 16 Prozent, über fünf Jahre sogar mehr als die Hälfte.
Im Zentrum steht dabei der Umbau der Führung und der Prioritäten. Seit Januar amtierender CEO Dave Lewis will das Ruder herumreißen und setzt auf eine Strategie, die sich auf relevante Marken in wettbewerbsfähigen Bereichen konzentriert. Für die nächsten drei Jahre soll die neue Ausrichtung zusammengenommen eine Milliarde US-Dollar einsparen helfen – ein Betrag, der in der Praxis vor allem dann zählt, wenn er zu wiederkehrenden Effekten in der Kostenbasis führt und nicht nur zu kurzfristigen Buchungsverschiebungen. In einem Umfeld, in dem Investoren häufig sowohl Wachstum als auch Margenlogik erwarten, kann genau diese Kombination aus Kostendisziplin und klarer Markenfokussierung die Grundlage für die spätere Rückkehr zu steigenden Umsätzen sein.
Auch die Ausschüttung bleibt ein sichtbarer Prüfstein. Die Dividende soll 50 Cent je Aktie betragen, wie im Februar als Mindestausschüttung in Aussicht gestellt wurde. Damals hatte Lewis die Ausschüttung deutlich gekappt, um die Bilanz zu schonen – ein Signal dafür, dass Diageo derzeit priorisiert, finanzielle Spielräume zu sichern, bevor wieder mehr Luft in Richtung Wachstum investiert wird. Für Unternehmen und Branchenpartner ist die Botschaft damit zweigeteilt: Kurzfristig dominiert bei Konsumgüterkonzernen die Frage, wie stabil Margen in schwankenden Nachfragephasen bleiben, mittelfristig entscheidet jedoch, ob Kostenvorteile tatsächlich in eine nachhaltige Umsatzentwicklung übersetzen.
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