LONDON (IT BOLTWISE) – Aus Coldcard-Hardware-Wallets sollen laut vorliegenden Auswertungen rund 1.800 BTC im Wert von etwa 116 Mio. US-Dollar abgezogen worden sein. Der zentrale Auslöser wird auf einen Software-Update aus dem Jahr 2021 zurückgeführt, der die Qualität der Zufallszahlen für passwortbezogene Schutzmechanismen deutlich verschlechterte. Dadurch sank die effektive Sicherheit von anfangs als stark beschriebenen 128 Bit auf bis zu 40 Bit. Betroffen waren dem Vernehmen nach vor allem Wallets, bei denen die Nutzer die Zufälligkeit nicht selbst mitgeliefert hatten.

Coldcard-Hack: 2021-Update schwächte Zufallszahlen und führte zu 116 Mio. USD Verlusten
Coldcard-Hack: 2021-Update schwächte Zufallszahlen und führte zu 116 Mio. USD Verlusten (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Coldcard-Hack trifft ausgerechnet jene Zielgruppe besonders hart, die Krypto sonst gerade deshalb schätzt, weil sie das Risiko großer Online-Angriffe reduziert: Hardware-Wallets. Laut den genannten Daten sollen Angreifer in kurzer Zeit rund 1.800 BTC abgezogen haben, was auf etwa 116 Mio. US-Dollar beziffert wird. Solche Zahlen wirken zunächst wie eine reine Schlagzeile. Bei genauerem Blick geht es jedoch um ein grundlegendes Sicherheitsprinzip in der Bitcoin-Verwahrung: Nicht die Blockchain selbst ist angreifbar, sondern die Schlüsselmaterial- oder Schutzpfade, die vor der Kette liegen.

Technisch lässt sich der Kernfehler auf die Zufallszahlqualität zurückführen. In der Quelle wird beschrieben, dass ein Update aus dem Jahr 2021 die Zufallsbildung für passwortbezogene Schutzmechanismen der Wallet still und leise abgeschwächt haben soll. Während zuvor eine als sehr stark beschriebene Zufallsstärke von 128 Bit angestrebt worden sei, soll das System nach dem Update auf Werte bis etwa 40 Bit gefallen sein. Das ist nicht nur eine theoretische Differenz: 128 Bit entsprechen in der Quelle einer Größenordnung von „38-stelligen PINs“, 40 Bit eher einer „13-stelligen PIN“. Für Angreifer bedeutet das, dass Suchräume drastisch kleiner werden und damit ein praktisches Ausprobieren oder systematisches Ableiten realistischer wird.

Dass die Schwachstelle fünf Jahre lang unentdeckt blieb, erklärt die Besonderheit der Geschichte: Hardware-Wallets gelten im Markt häufig als „fertiges Sicherheitsgefühl“, ohne dass Anwender den internen Zufalls-Generator ständig hinterfragen. In der Quelle heißt es zudem, dass offenbar externe Forschende und ein Sicherheitsteam den Firmware-Aufbau gezielt zerlegt hätten, um die Schwachstelle auf den defekten Random-Number-Generator zuzuordnen. Danach seien die Erkenntnisse offenbar schnell offengelegt worden, inklusive einer technischen Aufarbeitung und einer zeitnahen Warnung an den Hersteller. Gerade das schnelle „Tracing“ nach dem Abfluss zeigt, wie wichtig forensische Analyse in der Krypto-Welt ist: Solange die Coins bewegen, bleibt Zeitdruck bestehen, bis die Root Cause klar ist und Gegenmaßnahmen wirken können.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Quelle das Ergebnis nicht nur als „Hardware betroffen“ beschreibt, sondern eine selektive Wirkung andeutet: Wallet-Nutzer, die ihre Zufälligkeit selbst erzeugten, etwa mit physischen Würfeln, scheinen demnach weniger exponiert gewesen zu sein. Das passt zu einem häufigen Muster in kryptografischen Systemen: Wenn ein Gerät zwar einen Teil des Prozesses übernimmt, aber an einer entscheidenden Stelle auf eine eigene „Entropiequelle“ angewiesen ist, kann eine schwache Entropie direkt die Sicherheit „nach unten ziehen“. Wer hingegen die Zufälligkeit vorab in kontrollierten Bahnen bereitstellt, kann in der Praxis weniger abhängig von der fehlerhaften internen Komponente sein. In der Quelle wird diese Logik mit dem Vergleich zu einem ungünstigen PIN illustriert: Nicht jedes „Passwort“ ist automatisch gleich stark, entscheidend ist, ob echte Unvorhersehbarkeit entsteht.

Die Marktauswirkung wirkt parallel, aber nicht identisch zu den technischen Ursachen. Für den Zeitraum kurz nach dem ersten Wellenereignis wird ein Rückgang des Bitcoin-Preises um rund 2.000 US-Dollar innerhalb von drei Tagen erwähnt, anschließend jedoch eine Erholung. Außerdem wird ein Crypto-Fear-and-Greed-Index mit einem Wert von 39 von 100 zum 6. August als Zeichen von Furcht genannt. Das ist zwar keine direkte Kennzahl zur technischen Schwachstelle, aber es zeigt, wie sensibel Anleger auf konkrete Custody-Risiken reagieren. Dazu kommt in der Quelle die Einordnung, dass die Gemengelage aus restriktiverer Notenbankerwartung und einer schwachen Marktphase für Krypto die Stimmung zusätzlich belasten kann.

Für die Praxis bedeutet die Episode vor allem eines: „Self-Custody“ ist nicht automatisch gleich „Risiko-frei“, sondern verlagert die Verantwortung. Die Quelle stellt deshalb verschiedene Optionen gegenüber, angefangen bei börsengehandelten Bitcoin-ETFs, bei denen Key-Risiken in den Hintergrund treten, dafür aber Gegenparteirisiken und Handelszeiten eine Rolle spielen. Daneben werden klassische Exchange- oder Broker-Custodys genannt, bei denen Sicherheit durch den Anbieter erfolgt, aber ebenfalls nicht ohne Abhängigkeit. Am anderen Ende stehen papierbasierte Wallet-Setups mit eigenständig erzeugter Zufälligkeit sowie Hardware-Wallets, die ebenfalls funktionieren können, wenn Nutzer die Zufälligkeit korrekt bereitstellen und mehrere Keys über unterschiedliche Hersteller und Orte verteilen. Ein weiterer Teil der Argumentation knüpft an die Idee an, dass man das Risiko durch „Verteilung“ reduziert: Nicht jede einzelne Verwahrung muss maximal ausfall- oder kompromissresistent sein, wenn der Gesamtrisikomix besser gestaltet ist.

Wichtig ist außerdem die Einordnung, warum Bitcoin in diesem Fall „wie vorgesehen“ funktioniert. Die Quelle betont, dass das Protokoll nicht gebrochen wurde: Angreifer hätten gültige Transaktionen und Signaturen genutzt und das Netzwerk habe damit genau das getan, wofür es gebaut ist. Das zentrale Unbehagen liegt deshalb nicht in einem Konsens-Fehler, sondern im Vertrauen in Komponenten, die Anwender nicht vollständig prüfen können. In der Quelle wird das mit geschlossenen Systemen verglichen, etwa bei Banken, deren Sicherheitsdetails typischerweise nicht offen gelegt werden. Beim Coldcard-Code hingegen lag die Transparenz vor; dennoch soll eine Schwachstelle über Jahre unentdeckt geblieben sein. Für Unternehmen und technisch interessierte Anleger ist das eine klare Botschaft: In Sicherheitsarchitekturen sind Entropie- und Randomness-Pfade genauso kritisch wie die eigentliche Kryptografie.

Was viele jetzt tun werden, lässt sich aus der beschriebenen Dynamik ableiten. Laut den Berichten sollen Coins nach Bekanntwerden teilweise in Richtung Börsen bewegt worden sein, in einem Tempo, das länger nicht beobachtet worden sein soll. Wer sein Risiko reduzieren will, wird nicht einfach „aus Angst“ handeln, sondern gezielt prüfen, wie die Wallet Zufallszahlen erzeugt, wie die Entropiequelle genutzt wird und welche Firmware-Versionen betroffen sind. Wenn der finanzielle Schaden nicht nur theoretisch ist, sondern die persönliche Liquidität stark beeinflusst, wird die Empfehlung in der Quelle nachvollziehbar: lieber frühzeitig in eine saubere Sicherheitsumgebung investieren, statt erst dann zu reagieren, wenn Abflüsse bereits stattfinden.

Für die nächste Zeit bleibt damit vor allem die Frage, wie man in der Krypto-Praxis Entropie verlässlich auditiert. Geräte können weiterhin „sicher aussehen“, selbst wenn im Hintergrund ein Zufallsmechanismus an Qualität verliert. Die Coldcard-Vorfindung zeigt, dass selbst gut etablierte Hardware-Wallet-Ökosysteme nicht automatisch gegen solche Fehler immun sind. Entscheidend wird sein, ob Hersteller Randomness-Mechanismen transparenter testen, ob unabhängige Prüfpfade schneller greifen und ob Nutzer die Konsequenzen aus solchen Vorfällen konsequent in ihren Prozess übernehmen.


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