FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bundesbank meldet einen fortgesetzten Rückgang bei Falschgeld in Deutschland. Im ersten Halbjahr wurden rund 30.000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen, nach 36.610 im ersten Halbjahr 2025. Die Behörde verweist zugleich auf einen spürbaren Zuwachs bei gefälschten 100-Euro-Scheinen. Parallel läuft die EZB-Vorbereitung für eine neue Banknotenserie, die Fälschern das Kopieren erschweren soll.

Der Abwärtstrend bei Falschgeld in Deutschland setzt sich fort, aber er wirkt eher wie eine Bremse als wie eine komplette Entwarnung. Die Bundesbank berichtet, dass Polizei, Handel und Banken in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres rund 30.000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen haben. Damit liegt die Zahl unter dem Stand des ersten Halbjahrs 2025 (36.610), zeigt jedoch, dass Kriminelle weiterhin gezielt versuchen, einzelne Stückelungen in den Umlauf zu bringen. Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Jahresdynamik: Für 2025 insgesamt wird erstmals seit drei Jahren wieder ein Rückgang gemeldet, nachdem die Werte zuvor teils sprunghaft gestiegen waren.
Rechnet man die jüngsten Bundesbank-Zahlen auf die Bevölkerungsgröße herunter, wird die Wahrscheinlichkeit, im Alltag tatsächlich auf einen gefälschten Schein zu treffen, rechnerisch klein. Lutz Lienenkämper, Mitglied des Bundesbank-Vorstands, fasst die Lage sinngemäß mit der Aussage zusammen, dass es in Deutschland vergleichsweise wenig Falschgeld gebe. Rein rechnerisch entfielen auf Basis der aktuellen Daten sieben falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner. Diese Zahl sollte man jedoch nicht als Einladung zum „Abhaken“ verstehen, denn sie beschreibt eine statistische Durchschnittslage, während Betrug in der Praxis oft lokal und situationsbedingt funktioniert.
Inhaltlich zeigt sich die operative Schwachstelle weniger bei großen, flächendeckend kontrollierten Scheinen als bei jenen, die im Zahlungsalltag häufig in kurzen Zeitfenstern den Besitzer wechseln. Die Bundesbank beschreibt, dass im ersten Halbjahr vermehrt falsche 100-Euro-Banknoten aufgefallen seien: 5.043 Stück wurden entdeckt, 61 Prozent mehr als in den vorherigen sechs Monaten. Hinter dem Muster steckt eine alltägliche Ökonomie der Kontrolle: Viele Geschäfte nehmen 100- und 200-Euro-Scheine gar nicht an oder prüfen sie zumindest weniger konsequent, bevor sie in der Kasse landen. Fälscher setzen deshalb stärker auf 20- und 50-Euro-Scheine, weil diese Scheine häufiger den Besitzer wechseln und beim Bezahlen nicht immer mit der gleichen Aufmerksamkeit geprüft werden.
Auch die Zusammensetzung der Fälschungen liefert Hinweise darauf, wo Risikomanagement im Handel ansetzen kann. Der Fünfziger war im ersten Halbjahr erneut der am häufigsten gefälschte Schein, der mit rund 47 Prozent Anteil an allen Fälschungen im Einsatz war. Der Zwanziger macht ein Viertel aller „Blüten“ aus. Das bedeutet nicht, dass 100-Euro-Scheine weniger riskant sind, sondern dass sich das Aufkommen auf mehrere Stückelungen verteilt. Die Bundesbank grenzt zudem Varianten ein: Manche Fälscher vereinfachen es sich, indem sie Scheine mit Aufdrucken wie „MovieMoney“ oder „Prop copy“ in Umlauf bringen, die im Internet als Spielgeld oder Filmrequisite angeboten werden. Beobachtet werden zunehmend auch weitere Varianten mit Schriftzügen wie „Facsimile“ oder „Gec’ersiz“.
Für die Praxis bleibt daher die klassische Prüflogik relevant: Gefälschte Banknoten sind nach Einschätzung von Experten in der Regel leicht zu erkennen, wenn man mehrere Sinne und Sicherheitsmerkmale zusammen nutzt. Entscheidend ist vor allem, dass sich der Schein sich ganz anders anfühlt als ein echter Euro-Schein und dass Sicherheitsmerkmale wie das durchsichtige Porträtfenster oder die schimmernde Smaragdzahl nicht annähernd reproduziert werden. Gerade bei Situationen mit Zeitdruck ist das „Kipp“-Denken wichtig: Sicherheitsdetails zeigen typischerweise Effekte nur bei bestimmten Blickwinkeln, während Kopien bei Farbe, Haptik und Funktion häufig abweichen. Parallel gilt aber auch ein organisatorischer Hebel: Wenn Händler Bargeld vor allem schnell abarbeiten, steigt die Bedeutung von Schulung und klaren Annahme-Regeln für bestimmte Scheine, statt sich auf „gefühlte Routinen“ zu verlassen.
Während Behörden und Marktteilnehmer Falschgeld im Umlauf abfangen, arbeitet die Europäische Zentralbank (EZB) parallel an einer technischen und gestalterischen Antwort. Die neue Banknotenserie soll so vorbereitet werden, dass sie sowohl von den Sicherheitskonzepten als auch vom Design her spürbar anders ausfällt. Ziel ist es, Nachahmungen schwerer zu machen und zugleich das Erkennen für die Bevölkerung zu erleichtern. Bis zum 21. September können Europäerinnen und Europäer an einer Online-Umfrage zur neuen Serie teilnehmen, der EZB-Rat will Ende 2026 einen Vorschlag auswählen. Bis die neuen Banknoten tatsächlich breite Verbreitung finden, dürfte jedoch noch Zeit vergehen, weil Ausgabeprozesse, Logistik und Schulung über mehrere Zyklen hinweg laufen.
Für Betroffene und Unternehmen ist die zweite wichtige Linie weniger technisch als rechtlich und prozessual: Falschgeld wird nicht ersetzt. Wer einen gefälschten Schein annimmt, bleibt in der Regel auf dem Schaden sitzen. Ebenso sollte man vermeiden, Falschgeld „weiterzuschieben“; das An-drehen an Dritte ist strafbar. Die Bundesbank nennt dafür einen Strafrahmen mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Gefälschte Banknoten gehören daher an Polizei oder Banken, das gilt ausdrücklich auch für gefälschte Münzen. Ergänzend weist die Bundesbank auf das Münzgeschehen hin: Im ersten Halbjahr 2026 wurden im Zahlungsverkehr in Deutschland fast 64.900 falsche Euro-Münzen festgestellt, überwiegend Zwei-Euro-Stücke. Nach dem Rückgang auf etwa 59.700 im zweiten Halbjahr 2025 stieg die Zahl nun wieder um 8,6 Prozent.
Aus wirtschaftlicher Sicht geht es bei solchen Daten weniger um Schlagzeilen als um eine sauber kalkulierte Resilienz im Bargeldfluss. Die Mischung aus rückläufigen Gesamtdaten und punktuellen Zuwächsen bei 100-Euro-Scheinen zeigt, dass Kontrollmechanismen gezielt dort nachjustiert werden müssen, wo Annahme und Prüfung im Alltag typischerweise nachlässig sind. Unternehmen, die Bargeld intensiver verarbeiten, profitieren dabei von klaren Handlungsanweisungen für Kassenabläufe, Trainings für Mitarbeiter und einer schnellen Eskalation bei Verdachtsmomenten. Gleichzeitig liefert die geplante neue Banknotenserie der gesamten Kette – von Banken über Handel bis zur Bevölkerung – einen strukturierten Zeitrahmen, um Prozesse auf geänderte Sicherheits- und Designmerkmale auszurichten. Im Ergebnis wird Bargeld nicht „sicherer durch Hoffnung“, sondern durch messbare Rückkopplung: Daten, Prüfpraktiken und neue Sicherheitsgenerationen greifen ineinander.
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