LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Studie verknüpft antagonistische Persönlichkeitsmuster mit problematischer Social-Media-Nutzung. Im Fokus stehen dabei Eifersuchtsszenarien: Vor allem kognitive und verhaltensbezogene Formen treiben laut den Ergebnissen Überwachungshandlungen in romantischen Beziehungen an. Diese wiederum gehen mit höherer Tendenz zu Cyberstalking einher und fördern das Gefühl, Social Media nicht mehr gut steuern zu können. Die Arbeit basiert auf einer Querschnittsbefragung von 300 Erwachsenen.

Studie zu Dark Tetrad: Eifersucht und Cyberstalking fördern problematische Social-Media-Nutzung
Studie zu Dark Tetrad: Eifersucht und Cyberstalking fördern problematische Social-Media-Nutzung (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer Social Media vor allem als Raum für Unterhaltung nutzt, wird bei der neuen Untersuchung in eine andere Erklärungsschiene hineingezogen. Die Studie aus dem Umfeld von Current Psychology ordnet problematische Social-Media-Nutzung nicht primär als Gewohnheitsproblem ein, sondern als möglichen Endpunkt einer psychologischen Kette: Bestimmte „Dark-Tetrad“-Merkmale, darunter Machiavellianismus, Psychopathie, Narzissmus und Sadismus, sollen über Eifersucht und Cyberstalking mit stärkerer, weniger kontrollierbarer Nutzung zusammenhängen. Damit verschiebt sich der Blick weg von reiner Bildschirmzeit hin zu den Motiven, die hinter dem wiederholten Checken von Profilen, Nachrichten oder Interaktionen stehen.

Zum theoretischen Kern gehört das Konzept des „Dark Tetrad“. Machiavellianismus beschreibt dabei manipulativen und strategischen Umgang mit anderen; Psychopathie wird in der Studie mit Impulsivität und mangelnder Empathie sowie dem Wunsch nach ständiger Stimulation in Verbindung gebracht. Narzissmus bündelt Größenphantasien, Anspruchsdenken und Dominanzstreben. Sadismus schließlich meint die Tendenz, aus dem Zufügen von Leid an andere eine Art Befriedigung zu ziehen. Auf dieser Basis postulieren die Autoren, dass bestimmte Persönlichkeitsmuster nicht beliebig zu „mehr Social Media“ führen, sondern spezifischere Beziehungssicherheitsprobleme aktivieren können – etwa wenn Partnerschaften als Bedrohung für das eigene Selbstbild oder die Kontrolle wahrgenommen werden.

Die zentrale vermittelnde Variable ist Eifersucht, die in drei Kategorien zerlegt wird: emotional, kognitiv und verhaltensbezogen. Emotional beschreibt reaktive Gefühlszustände wie Angst oder Traurigkeit als Antwort auf eine wahrgenommene Bedrohung der Beziehung. Kognitive Eifersucht äußert sich in aufdringlichen Gedanken, Verdachtsmomenten und anhaltender Anspannung, die sich auf mögliche Untreue beziehen. Verhaltensbezogene Eifersucht schließlich umfasst konkrete Handlungen, mit denen man den Partner überwacht oder Vermutungen „prüft“. Genau an dieser Stelle wird es für Unternehmen und Präventionsakteure interessant: Laut den Ergebnissen fungieren nicht primär die emotionalen Reaktionen als Brücke, sondern die kognitiven und verhaltensbezogenen Komponenten – also das, was Menschen denken und tun, um Unsicherheit zu reduzieren oder Kontrolle herzustellen.

Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine Online-Befragung von 300 Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren; das durchschnittliche Alter lag bei etwa 36 Jahren, und rund 80 % der Teilnehmenden waren weiblich. Alle Personen waren in einer romantischen Beziehung und nutzten mindestens eine Social-Media-Plattform täglich. Für die Messung kamen etablierte Skalen zum Einsatz: Machiavellianismus, Psychopathie und Narzissmus wurden über einen 12-Item-Fragebogen erfasst, Sadismus über eine 10-Item-Skala. Intimes-Partner-Cyberstalking wurde mit einer 21-Item-Erhebung operationalisiert, in der die Befragten bestimmte Online-Überwachungspraktiken angaben. Zusätzlich erfasste eine weitere 15-Item-Skala die drei Eifersuchtsdimensionen bezogen auf den aktuellen Partner, während problematische Social-Media-Nutzung über eine 6-Item-Messung gemessen wurde, die u. a. Drang zum Verwenden, die Nutzung als Flucht vor persönlichen Problemen sowie erfolglose Reduktionsversuche abfragt. In den statistischen Analysen wurden Alter, Geschlecht und Bildungsjahre kontrolliert.

Die Auswertung deutet auf eine sequenzielle psychologische Kette hin: Personen mit höheren Ausprägungen in Machiavellianismus, Psychopathie, Narzissmus oder Sadismus berichteten zugleich höhere Werte in kognitiver und verhaltensbezogener Eifersucht. Diese Gedanken- und Handlungsformen steigerten wiederum die Tendenz zum Cyberstalking gegenüber dem intimen Partner. Cyberstalking war dann mit höheren Gesamtwerten problematischer Social-Media-Nutzung assoziiert. Die Autoren berichten, dass die Gesamtmodelle etwa 33 % bis 35 % der Varianz problematischer Nutzung erklären, was darauf hindeutet, dass die Kombination aus Persönlichkeitsmerkmalen, Eiferschaft, Cyberstalking und den demografischen Kontrollvariablen statistisch „sinnvoll“ mit dem Ergebnis zusammenhängt. Wichtig ist aber die Einordnung: In einer Querschnittsstudie lassen sich Ursache-Wirkungs-Beziehungen nicht sicher belegen, auch wenn das Modell theoretisch auf eine zeitlich gedachte Vermittlung zielt.

Für die Diskussion rund um digitale Sicherheit und Nutzerverhalten bedeutet das vor allem: Social Media kann je nach Beziehungskontext von einem Kommunikations- oder Unterhaltungsmedium zu einem Werkzeug zur Beruhigung eigener Unsicherheiten werden. Cyberstalking erfordert laut dem Beitrag einen erheblichen Aufwand an Zeit und Aufmerksamkeit, etwa wenn stundenlang Beiträge analysiert, Online-Präsenzen geprüft oder Interaktionen verfolgt werden. Aus einem zielgerichteten Überwachungsantrieb kann so leicht eine breitere, kompulsive Nutzung entstehen, weil das wiederholte „Nachsehen“ kurzfristig entlasten kann, langfristig aber die Insecurity und den Kontrollimpuls verstärkt. Die Autoren heben außerdem hervor, dass die emotionale Eifersucht allein offenbar nicht den entscheidenden Durchgang zu Cyberstalking darstellt; vielmehr wirken anhaltende Verdachtsmomente und aufdringliche Gedanken sowie offene Versuche, das Verhalten des Partners zu verifizieren.

Als Konsequenz skizzieren die Wissenschaftler Präventionsansätze, die über allgemeine Regeln zur Bildschirmzeit hinausgehen. Psycheducation zu gesunden Beziehungsgrenzen, Unsicherheitstoleranz, emotionaler Regulation und respektvollem digitalen Verhalten soll insbesondere intrusive Überwachungstendenzen und zwanghafte Social-Media-Engagements reduzieren. Gleichzeitig sehen sie klare Grenzen der Studie: Der Querschnittscharakter erfasst nur einen Zeitpunkt, und die Stichprobe ist mit etwa 80 % weiblichen Teilnehmenden nicht optimal repräsentativ. Für den nächsten Forschungsschritt empfehlen die Autoren deshalb längsschnittliche Designs, bei denen Persönlichkeit, Eifersucht, Cyberstalking und problematische Nutzung in unterschiedlichen Zeitabschnitten gemessen werden. Zusätzlich könnten vielfältigere und kulturell stärker gestreute Samples helfen, um zu prüfen, wie konkrete Plattformfunktionen die digitale Überwachung in romantischen Beziehungen erleichtern – etwa durch sichtbare Aktivitätsindikatoren, Standortfreigaben oder leicht zugängliche Interaktions- und Follower-Informationen.


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