LONDON (IT BOLTWISE) – Für israelische Start-ups und ihre Investoren ist der SAFE-Discount ein steuerlicher Knackpunkt. Die israelische Steuerbehörde hat dazu neue Leitlinien veröffentlicht, die für 2025 bis 2026 geschlossene SAFE-Vereinbarungen gelten. Unter klaren Bedingungen wird der 20%-Abschlag nicht als steuerpflichtiger Zinsertrag behandelt. Damit rückt die Vertragsgestaltung in den Fokus, weil bei Verstößen die Einordnung auch anders ausfallen kann.

Ein SAFE wirkt auf den ersten Blick wie ein einfaches Finanzierungswerkzeug: Die Start-up-Betreiber erhalten früh Kapital, ohne sich sofort auf eine konkrete Unternehmensbewertung festnageln zu müssen. Genau diese Idee – „Simple Agreement For Future Equity“ – ist in den letzten Jahren auch in Israel verbreitet, weil sie typische Hürden bei Seed- und Frühphasenrunden entschärft. Gleichzeitig hängt an der rechtlichen Ausgestaltung eine steuerliche Frage, die für Gründer, Investoren und ihre Steuerberater praktisch entscheidend ist: Wird ein später gewährter Rabatt auf künftige Anteile als bloßer Preisnachlass für Eigenkapital behandelt – oder als steuerlich relevante Zinskomponente wie bei einem Darlehen?
Die Antwort darauf liefert die israelische Steuerbehörde (ITA) in einer schriftlichen Anleitung vom 25. Januar 2025. Adressiert ist die Weisung an eine Organisation der Technologiebranche und bezieht sich auf „Tax Aspects Applicable to Investments in a Company Via a SAFE“. Sie baut auf einer früheren Anleitung vom 16. Mai 2023 auf und erweitert den Anwendungsbereich ausdrücklich für SAFE-Vereinbarungen, die in den Jahren 2025 bis 2026 abgeschlossen werden. Im Kern geht es darum, wann die ITA SAFE-Zahlungen als eine Art Vorauszahlung auf künftig auszugebende Aktien interpretiert – dann bleibt der „Discount“ steuerlich unberührt. Im beschriebenen Beispiel mit einem frühen Investment von 50.000 bis 100.000 USD und einem späteren VC-finanzierten Round von 500.000 USD inklusive eines angenommenen 20%-Rabattes wäre der Rabatt unter den Voraussetzungen daher nicht steuerpflichtig.
Damit ein SAFE nach den ITA-Regeln tatsächlich wie Eigenkapital behandelt wird, müssen mehrere Bedingungen zusammenpassen. Zunächst gelten die Leitlinien für eine in Israel ansässige private Gesellschaft, deren Geschäftsschwerpunkt auf F&E basiert: Most expenses müssen R&D sein oder zumindest Produktion und Vermarktung von Produkten, die aus dieser Forschung hervorgehen. Außerdem verlangt die ITA, dass die entsprechenden Voraussetzungen über drei Jahre in geprüften Abschlüssen dokumentiert sind – alternativ ab dem Zeitpunkt der Gründung, falls die Gesellschaft jünger ist. Entscheidend ist außerdem, dass die F&E zum Zeitpunkt des SAFE-Abschlusses noch läuft und die wichtigsten Vermögenswerte nicht in Immobilien oder natürlichen Ressourcen liegen. Parallel dazu darf kein Teil des Kapitals in den drei Monaten vor Abschluss des SAFE aus Kapitalbeschaffungen „kurz vor dem Stichtag“ stammen.
Der eigentliche Unterschied zwischen SAFE und klassischem Kredit liegt in der Vertragsmechanik. Die ITA betont, dass das SAFE nicht als Darlehen oder als Schuldinstrument „labelled“ sein darf und nur auf die Zuteilung von Anteilen beziehungsweise Anteilrechten ausgelegt sein kann. Dafür werden zeitlich genau definierte Trigger aufgeführt, ab denen Anteile gewährt werden müssen: unter anderem eine „qualified financing“-Runde, ein Börsengang, ein Exit im Sinne eines Anteilsverkaufs durch eine Mehrheit der Gesellschafter, der Verkauf wesentlicher Teile der Gesellschaft oder ein vereinbarter Stichtag. Zusätzlich knüpft die ITA die Pflicht zur Zuteilung an Schwellenwerte: Überschreitet eine Finanzierungsrunde 40% des vollständig verwässerten Eigenkapitals oder ist sie typischerweise etwa zehnmal so hoch wie die kumulierte SAFE-Summe, muss die Gesellschaft aktiv werden.
Auch beim „No loan interest“-Teil wird die steuerliche Logik sichtbar: Investoren dürfen vor der Anteilsausgabe nicht so gestellt werden, als erhielten sie eine laufende Rendite. Die Leitlinie schließt aus, dass Investoren Anspruch auf Rückzahlung oder eine Erstattung „wie bei Zinsen“ haben, und sie dürfen keine Rechte auf Zinsen, Tantiemen oder andere Einkünfte vor der Anteilszuteilung besitzen. Der Abschlag muss zudem im Vorhinein als fixierbar beschrieben sein; ein schwankender Discount „bis zur tatsächlichen Ausgabe“ ist nicht im Sinne der Regeln. Bis zu drei Discount-Stufen sind zwar möglich, sie dürfen sich jedoch nur an Meilensteine knüpfen – und der höchste Abschlag soll innerhalb von drei Jahren nach Vertragsunterzeichnung gewährt werden. Dazu kommen Restriktionen wie das Verbot, Gesellschaftsvermögen zugunsten des Investors zu verpfänden und das Verbot, Finanzierungsausgaben im Zusammenhang mit dem SAFE steuerlich abzuziehen oder zu aktivieren.
Wenn diese Anforderungen erfüllt sind, folgt die ITA-Aussage konsequent: Dann greift für den Discount keine israelische Steuer und auch kein Quellensteuerabzug. Gleichzeitig macht die Anleitung deutlich, was passiert, wenn ein SAFE die Kriterien nicht sauber erfüllt: Dann kommt es auf die Gesamtumstände an, statt automatisch von einem „Equity“-Charakter auszugehen. Für Start-ups bedeutet das in der Praxis vor allem eins: Die SAFE-Texte müssen nicht nur formal „ähnlich“ wirken, sondern die relevanten Punkte müssen vertraglich so umgesetzt sein, dass aus Sicht der ITA keine schuldähnliche Komponente entsteht. Für Investoren wiederum ist das ein Hinweis, dass Due Diligence bei Vertragsdetails genauso wichtig ist wie die Bewertung der Geschäftsentwicklung.
Interessant ist zudem, wie stark diese steuerliche Einordnung an typische Hi-Tech-Modelle gekoppelt ist, in denen das Unternehmen aus F&E getrieben wird und nicht aus Immobilien- oder Rohstoffwerten. Das ordnet SAFE-Investments im Ergebnis näher an die Eigenkapitallogik an: Der Investor geht ein wirtschaftliches Risiko ein und erhält den Vorteil in Form von Anteilspreisen im späteren Bewertungsmoment. Genau deswegen können solche Leitlinien auch dann relevant werden, wenn ein Unternehmen bereits durch andere Finanzierungsinstrumente Erfahrung gesammelt hat, denn ein einzelner Formulierungs- oder Mechanismusfehler kann die gewünschte steuerliche Behandlung unterlaufen. Für die nächsten Finanzierungsrunden in Israel lohnt sich deshalb, SAFE-Templates anhand der ITA-Parameter zu überprüfen – inklusive Schwellenwerten, Discount-Regeln, Anwendungszeitraum 2025–2026 sowie den Bedingungen für spätere Exit- oder Liquidationsszenarien.
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