UKRAINE / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Regierungsstudie aus der Ukraine zeigt eine Kanalisierungsrate von 86 %: Die Befragten bevorzugen lizenzierte Online-Casinos. Trotzdem nutzen rund 20 % auch illegale Plattformen, vor allem wegen fehlender Identitätsprüfungen und möglicher Anonymität. Zwischen 19. Mai und 26. Juni 2026 wurden dafür 2.676 Nutzer in einer CAWI-Befragung befragt. Die Aufsicht verschärft den Kampf gegen den Schwarzmarkt, indem sie auch Werbung und Streamer auf Social-Plattformen blockieren lässt.

In der Ukraine zeichnet sich im digitalen Glücksspielmarkt eine klare Verschiebung ab: Laut einer Untersuchung unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für digitale Transformation bevorzugen 86 % der Spieler lizenzierte Online-Casinos. Das ist zunächst eine gute Nachricht für den Regulierungsansatz, der auf Kanalisierung setzt. Gleichzeitig macht die Studie aber genauso deutlich, dass „legal“ nicht automatisch „unangreifbar“ bedeutet: Etwa 20 % der Befragten greifen laut den Angaben ebenfalls zu Angeboten außerhalb der Lizenzkette. Für die Praxis heißt das, dass staatliche Kontrolle zwar Reichweite zurückgewinnt, aber nicht alle Incentives aus dem Schwarzmarkt vollständig aushebelt.
Technisch und organisatorisch erklärt sich das Muster vor allem durch zwei Faktoren, die in der Erhebung prominent genannt werden: fehlende Identitätsprüfungen und der daraus resultierende Anonymitätsvorteil. Wenn eine Plattform ohne saubere Verifikation schneller registriert und dabei weniger Reibung erzeugt, wirkt das wie ein Produkt-Feature – nur eben eines, das regulierte Anbieter mit Blick auf Spielerschutz und Fraud-Prevention nicht „einfach nachbauen“ können. Genau diese Differenz führt dazu, dass ein Teil der Nutzer nicht aus Gewohnheit, sondern aus reiner Prozessgeschwindigkeit abwandert. In der Studie wird außerdem sichtbar, dass sich die Motive für das Spiel verändern: Während frühere Erhebungen noch häufig den finanziellen Gewinn als Hauptgrund nannten, rückt jetzt Unterhaltung stärker in den Vordergrund; 40 % nennen Neugier und Aufregung als zentrale Triebfeder.
Die Umfrage umfasst eine breite Sozio- und Einnahmesicht und liefert damit eine Ausgangsbasis, um Risiko und Akzeptanz getrennt zu betrachten. Durchgeführt vom soziologischen Zentrum SOCIOINFORM wurden zwischen dem 19. Mai und dem 26. Juni 2026 insgesamt 2.676 Nutzer von Online-Casinos befragt. Demnach verfügen 42 % über einen Hochschulabschluss, 38 % über eine spezialisierte Sekundarausbildung. Beim Einkommen liegen 31 % im Bereich zwischen 11.000 und 30.000 Hrywnja, weitere 25 % zwischen 31.000 und 50.000 Hrywnja monatlich. Interessant ist außerdem die Filterfrage bei Nutzern, die illegale Seiten mitverwenden: Für 33 % sei die schnelle Registrierung ohne Identitätsprüfung der Hauptgrund gewesen.
Weil Glücksspiel nicht nur eine Frage der Plattformlizenz ist, sondern auch der Nutzersteuerung, nimmt die Studie das Spielverhalten besonders ernst. Rund 35 % der Befragten räumen ein, dass ihr Spielverhalten zeitweise unkontrolliert sein kann; bei 6 % geschieht das sogar häufig. Zudem versuchen etwa 25 % gelegentlich, Verluste durch neue Einsätze zurückzugewinnen – ein typisches Eskalationsmuster, das in vielen Suchtschutzmodellen als Risikohebel gilt. Entsprechend wird die Notwendigkeit einer staatlichen Strategie zur Bekämpfung der Spielsucht bis zum Jahr 2035 betont, während das Vertrauen in die Institutionen geteilt ausfällt: 53 % halten den Sektor für ausreichend reguliert, gleichzeitig liegt das Vertrauen in das Digitalministerium und die Behörde PlayCity bei 44 %.
Für die Marktaufsicht ist vor allem die operative Hebelwirkung entscheidend. PlayCity hat laut den Angaben gerade das erste Jahr als offizielle Glücksspielaufsicht abgeschlossen und in dieser Zeit 250 Lizenzen an Betreiber, Lotterien und Zulieferer vergeben. Parallel geht die Behörde gegen nicht lizenzierte Angebote vor: Ein Beispiel ist die Sperrung der Prognoseplattform Polymarket durch die NCEC (Nationale Kommission für die staatliche Regulierung der elektronischen Kommunikation). Grundlage war die Resolution Nr. 695 vom 10. Dezember 2025; nach Darstellung der Studie fehlte die notwendige lokale Lizenz, zudem ging es um Wetten auf den Ausgang des Krieges mit Russland, die in einem Volumen von über 270 Millionen US-Dollar gelegen hätten. In diesem Kontext ordnet die Studie auch die Ausweitung der Durchsetzung ein: Behörden nutzen direkte Kommunikationskanäle zu Social-Plattformen wie Kick, um unerlaubte Werbung und Streamer zu blockieren, damit der Zugang zum Schwarzmarkt technisch möglichst unattraktiv wird.
Aus Sicht des deutschen Marktes sind diese Details deshalb relevant, weil sie zeigen, wie „Anreizdesign“ im Glücksspiel in digitale Umsetzung übersetzt wird. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 zielt ebenfalls auf hohe Kanalisierung in den legalen Markt; wer in Deutschland sicher spielen möchte, muss die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) prüfen. Dort greifen gesetzliche Schutzmechanismen wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System sowie das Einsatzlimit von maximal 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Die ukrainische Studie liefert dafür eine verständliche Übersetzung: Anonymität und fehlende Limits erscheinen im Schwarzmarkt als Lockmittel – und genau diesen Teil der Nutzerlogik sollten regulierte Systeme konsequent adressieren, statt nur „Legalisierung“ zu kommunizieren.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Informationsgrad über Schutzinstrumente. In der Studie wussten nur 10 % der Spieler vom nationalen Register für gesperrte Personen, obwohl mehr Nutzer allgemein von Schutztools gehört hätten. Daraus lässt sich für GGL-lizenzierte Casinos ableiten, dass Transparenz und Aufklärung keine Randaufgabe sind, sondern Vertrauensbildung im Produkt. Auch das Motivmuster „Curiosity and Excitement“ kann dabei helfen: Wenn Werbung weniger den puren Gewinnerwartungs-Frame nutzt, sondern Spiel als kontrolliertes Freizeitvergnügen positioniert, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer in problematisches Erleben kippen. Kathryn Evans, Fachredakteurin bei iGaming Business, fasst die Studienlage entsprechend so zusammen: „Die Studie zeigt, dass 86 % der Befragten lizenzierte Online-Casinos bevorzugen, wobei 78 % angaben, keine Absicht zu haben, zu nicht lizenzierten, illegalen Betreibern zu wechseln.“
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