ESPANOLA, ONTARIO / LONDON (IT BOLTWISE) – In Kanada ist ein 1970 Plymouth GTX aufgetaucht, der gleich mehrere begehrte Mopar-Spezifikationen in sich vereint: 440 Six Barrel V8, Viergang-Handschaltung und ein werkslackiertes schwarzes Dach. Entscheidend ist die fender-tag codierte Lack-Variante: statt des üblichen Vinyltops weist die Zuordnung „TX9“ auf eine Zweifarbenlackierung mit „V02“ hin. Die Recherche über ein Register soll darauf hindeuten, dass diese Kombination als einzig bekannte V-code Zwei-Ton-Ausprägung gilt. Ob noch ein weiteres Exemplar existiert, bleibt nach Angaben aus der Szene jedoch offen.

Wer sich in den letzten Jahren intensiver mit der Mopar-Sammellandschaft beschäftigt hat, kennt das Muster: Erst wirkt ein Fahrzeug wie „ein weiterer“ Vertreter der Muscle-Car-Ära, dann rückt ein kleines Detail im Fahrgestell- bzw. Zulassungszusammenhang die Einordnung deutlich zurecht. Genau dieses Prinzip greift bei einem 1970 Plymouth GTX, der nach einem Besuch in Kanada bei Enthusiasten aufgespürt wurde. Die Kombination aus 440 Six Barrel V8 und Viergang-Handschaltung wäre schon für sich genommen ein starkes Ausrufezeichen, doch das eigentliche Gesprächsthema ist das Dach: Es wurde ab Werk in einer auffälligen, aber nicht sofort laut schreindenden Zweifarbenoptik ausgeführt.
Technisch betrachtet folgt die Besonderheit weniger einer „tuning“-Logik, sondern der Werkslogik der Produktionscodes. Auf dem fender tag wird für das Dach eine Zuordnung „TX9“ geführt, die in diesem Fall nicht zur typischen Erwartung für eine schwarze Vinylabdeckung („V1X“) passt. Stattdessen kennzeichnet die „V02“-Bezeichnung eine werksseitige Zweifarblackierung. Das Ergebnis: Deep Burnt Orange Metallic auf dem Karosseriekörper, kombiniert mit einem schwarz lackierten Dach, das sich optisch klar vom meist texturierten Vinyl-top absetzt. In der Praxis macht das einen Unterschied, weil die lackierte Fläche das Licht anders bricht und damit „Tiefe“ erzeugt, während Vinyl oft eine andere Haptik und Oberflächenstruktur mitbringt.
Damit rückt sofort die Frage nach der Seltenheit in den Vordergrund. Laut den Angaben, die der Käufer-Umfeldrecherche aus einem Register für „1970 GTX Registry“ entstammen, sind im Modelljahr nur 93 GTX-Fahrzeuge als „zwei-ton“ erfasst. Für dieses Exemplar soll sich zudem eine besondere Stellung ergeben: Es wird als einzige bekannte V-code-Variante mit der 440 Six Barrel-Konfiguration innerhalb dieses Zwei-Ton-Pools beschrieben. Wichtig ist allerdings die Einschränkung, dass solche Register nie absolute Wahrheiten liefern können. Das liegt nicht an fehlendem Enthusiasmus, sondern daran, dass seltene Fahrzeuge gelegentlich erst nach Jahren auftauchen, wenn Unterlagen gefunden, Quellen überprüft oder Fahrzeuge neu dokumentiert werden. Im konkreten Fall wird die Kombinationsannahme als derzeitiger Kenntnisstand formuliert – und eben nicht als endgültig ausgeschlossen.
Die Geschichte des Autos zeigt zudem, wie lange ein seltenes Merkmal verborgen bleiben kann. Der Besitzer habe den GTX rund um 2000 erworben, und anfangs habe das Fahrzeug noch als „einfarbig“ präsentiert: der komplette Aufbau, inklusive Dach, war in Deep Burnt Orange Metallic lackiert. Das Besondere blieb damit unsichtbar, bis man den Code auf dem fender tag genauer interpretierte. Erst nachdem TX9 für das Dach gefunden wurde und der Widerspruch zur erwarteten V1X-Logik erkannt war, wurde die Interpretation „V02 = factory two-tone“ greifbar. Rund drei Jahre ließ man das Auto in seiner damaligen Einfarbigkeit, bevor das kontrastierende schwarze Dach restauriert wurde. Der Unterschied wirkt dabei weniger wie ein lauter High-Impact-Farbclash, sondern wie ein bewusst gesetzter Kontrast, der die Linienführung des Coupés betont.
Auch die technische Basis ist für Sammler ein eigenes Kapitel. Plymouth produzierte den GTX 1970 insgesamt mit 7.748 Einheiten – damit war das Modell bereits außerhalb der „Mainstream“-Sphäre. Von diesen sollen 678 Fahrzeuge die optionale 440 Six Barrel-Maschine erhalten haben, und davon wiederum 350 mit Viergang-Handschaltung. Der 440 Six Barrel gilt in der Szene als Straßenmotor mit Charakter, weil er auf drei Zweivergaser-Setups basiert. In der angegebenen Werksleistung liegt er bei 390 PS und 490 lb-ft Drehmoment; damit ordnet er sich zwischen dem Standard-440 (375 PS) und dem teureren 426 Hemi ein. Interessant: Zwar soll das Getriebe-Setup „numbers-matching“ gewesen sein, der Motor selbst ist aber nicht mehr der ursprüngliche. Der Käuferkreis beschreibt, dass beim Erwerb ein falscher 1966er Block verbaut war, der auffällig viel Öl verbrauchte. Später wurde ein periodengerechter Austauschmotor mit passendem Produktionsdatum beschafft – für viele Sammler ist genau diese zeitliche Passung wichtiger als die reine „mechanische Funktion“, weil sie die Historie des Fahrzeugs stützt.
Die Historie in Westkanada wiederum liefert den menschlichen Teil, der für das Verständnis von Werterhalt entscheidend ist. Ein Teil der früheren Eigentümerkette soll sich über Ken Hill aus Carlyle, Saskatchewan, zurückverfolgen lassen, bevor das Fahrzeug später weiterwanderte und schließlich etwa 25 Jahre vor der aktuellen Entdeckung beim heutigen Umfeld landete. Beim Zustand beim Ankommen wurden zugleich Lücken sichtbar: Buddy seat, Schaltkulisse sowie die vorne am Motorhaubenrand montierten Blinker fehlten. Dazu kamen Hinweise auf ältere Reparaturen – etwa, dass Teile der Karosserie-Quarter-Panels nicht als komplette Ersetzung, sondern teilweise als Beilage/Überarbeitung ausgeführt wurden. Genau solche Details entscheiden häufig darüber, wie nachvollziehbar eine Restaurierung später wird. Laut den Schilderungen wurde nichts „schön geredet“; stattdessen galt die lange, etwa 10-stündige Prüfung als Gelegenheit, Stempel, Nachweise, Belege und ältere Fotos durchzugehen, bevor die Entscheidung zum Kauf fiel.
Bemerkenswert ist auch die Logik hinter dem Ablauf: Der Besuch in der Gegend um Espanola, Ontario, war zunächst als relativ kurzer Check geplant, zog sich aber in die Länge – inklusive intensiver Gespräche über Mopar-Geschichte. Selbst die Frage, ob man den 56-jährigen Wagen sofort auf einen Transporter lädt oder noch rund vier Stunden Richtung Toronto fährt, wurde diskutiert. Ausschlaggebend war dabei, dass der GTX zuvor gewartet wurde und sich als fahrbereit erwiesen hatte; damit bleibt er eben nicht nur „Ausstellungsobjekt“, sondern trägt die Substanz eines nutzbaren Muscle Cars. Ob er künftig im privaten Umfeld bleibt oder zu einem anderen Enthusiasten weiterwandert, ist offen. Für die Sammlerwelt ist jedoch schon jetzt klar: Sechs-Barrel-Power, Viergang-Handschaltung und ein werkslackiertes schwarzes Dach – plus das Register-Indiz auf eine einzigartige V-code Zwei-Ton-Kombination – machen den Fund zu einer besonders reizvollen Episode in der lokalen Mopar-Historie.
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