LONDON (IT BOLTWISE) – Der Iran verknüpft die Wiedereröffnung der Straße von Hormus mit neuen Bedingungen an die USA. Teheran fordert unter anderem das Ende der Bedrohung, die Beendigung des Kriegs gegen den Iran und regionale Verbündete sowie Änderungen bei der Seeblockade iranischer Häfen. Zusätzlich verlangt der Nationale Sicherheitsrat die Aufhebung von Sanktionen und die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte. Im Hintergrund laufen Gespräche über Regeln für Schiffspassagen über den Persischen Golf, an denen der Oman beteiligt sein soll.

Iran und Oman: Streit um die Straße von Hormus rückt näher – mit neuen Bedingungen an die USA
Iran und Oman: Streit um die Straße von Hormus rückt näher – mit neuen Bedingungen an die USA (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Verhandlungen zwischen dem Iran und dem Oman über eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus stehen offenbar vor einer entscheidenden Phase. Während beide Seiten zuletzt eine baldige Einigung für den freien Schiffsverkehr in der Engstelle in Aussicht gestellt hatten, verschiebt Teheran nun den Rahmen: Aus den Gesprächen soll nicht nur eine technische Regelung für die Seepassage werden, sondern ein politisch verknüpftes Abkommen mit konkreten Forderungen an die USA. Damit steigt der Druck auf die nächste Verhandlungsrunde, denn die Voraussetzungen, die der iranische Nationale Sicherheitsrat nennt, zielen deutlich über das reine Transitmanagement hinaus.

Im Zentrum steht die iranische Konditionierung: In einer vom Nationalen Sicherheitsrat veröffentlichten Erklärung wird gefordert, die Vereinigten Staaten müssten die Islamische Republik künftig nicht mehr bedrohen. Außerdem verlangt Teheran, den Krieg gegen den Iran und dessen Verbündete in der Region endgültig zu beenden. Der Nationale Sicherheitsrat gilt im iranischen System als höchstes Entscheidungsgremium und wird von Präsident Massud Peseschkian geleitet; die Aufsicht liege beim obersten Führer. Genau diese institutionelle Einbettung macht die Forderungen für die Verhandlungsseite besonders verbindlich, weil sie als Staatslinie formuliert werden und nicht als kurzfristige Gesprächsposition.

Dazu kommt ein zweiter Block, der unmittelbar die maritime Lage berührt: Der Rat nennt die Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen sowie den Abzug von US-Streitkräften aus dem Gebiet. Im Klartext geht es damit um die Frage, wie der Zugang zu Häfen praktisch wiederhergestellt werden soll und wie stark die US-Präsenz in den angrenzenden Gewässern reduziert wird, um Passagen nicht weiter zu behindern. Parallel formuliert Teheran finanzielle und wirtschaftliche Gegenleistungen, die in internationalen Verhandlungen erfahrungsgemäß besonders schwer zu verifizieren und zu operationalisieren sind: Der Iran verlangt eine vollständige Entschädigung für Kriegsschäden, die Aufhebung von Sanktionen und die „bedingungslose“ Freigabe eingefrorener Vermögenswerte.

Aus Sicht der USA ist diese Konstruktion potenziell problematisch, weil sie die Erwartungen beider Seiten an die Form des Abkommens neu ausrichtet. Laut dem Stand der Berichterstattung gab es zunächst keine direkte Reaktion aus der US-Regierung auf die iranischen Forderungen. Entscheidend ist aber die Verhandlungsmethodik: Teheran hatte die genannten Punkte zuvor bereits im Kontext eines dauerhaft angelegten Abkommens mit den USA verknüpft, in dem auch das Atomprogramm eine Rolle gespielt hätte. Jetzt werden sie als Bedingungen für eine Vereinbarung präsentiert, die laut aktueller Zielsetzung nur auf die Wiedereröffnung der Straße von Hormus fokussieren soll. Diese Diskrepanz erhöht das Risiko, dass das Thema Schiffspassagen zwar konkret verhandelt wird, die politische Einigung aber an Grundsatzfragen scheitert.

Technisch und prozedural ist der Ablauf dennoch klarer geworden: Der Iran verhandelt eigenen Angaben zufolge direkt mit dem Oman, also mit einem Anrainerstaat auf der gegenüberliegenden Seite des Persischen Golfs. Im Kern geht es darum, wie Schiffspassagen in der blockierten Meerenge geregelt werden sollen, etwa durch verlässliche Fahrpläne, abgestimmte Kontrollen oder Sicherheitsmechanismen, die das Risiko von Zwischenfällen reduzieren. Dass beide Staaten zuvor erklärt hatten, eine Einigung sei nahe, deutet darauf hin, dass zumindest ein operatives Design für den Seeverkehr existiert oder zumindest in Reichweite ist. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob und wie sich das mit zusätzlichen Bedingungen an die USA kombinieren lässt, ohne die Verhandlungen für jede Partei unhandhabbar zu machen.

Für den Markt und die internationale Lieferkette ist die Straße von Hormus strategisch, weil sie eine der zentralen Routen für den Transport von Energie und Rohstoffen ist. Jede Verschiebung hin zu politischen Vorbedingungen kann sich daher unmittelbar in Planungsunsicherheit übersetzen: Reedereien kalkulieren Latenz, Umwege und Risiken stärker ein, Versicherer und Chartermärkte reagieren häufig schneller als die Politik. Das aktuelle Muster – ein ursprünglich auf Schifffahrt ausgerichteter Durchbruch wird mit wirtschaftlichen und militärischen Hebeln an eine andere Macht gekoppelt – passt zudem zu einem über Jahre beobachtbaren Verhandlungsstil, bei dem konkrete Transitfragen als Druckmittel für umfassendere Sicherheits- und Sanktionsfragen genutzt werden. Für Unternehmen bedeutet das: Selbst wenn technische Absprachen mit dem Oman Fortschritte machen, bleibt die Rechts- und Sicherheitslage in den angrenzenden Gewässern davon abhängig, ob die USA die von Teheran genannten Bedingungen als verhandelbar anerkennen.

Für die nächsten Schritte kommt es damit weniger auf die Frage an, ob Verhandlungen „auf der Zielgeraden“ sind, sondern darauf, wie stark die Parteien die Zielsetzung abstecken. Ein Abkommen, das die Wiedereröffnung der Straße von Hormus wirklich dauerhaft stabilisieren soll, müsste die Sicherheitslage für Schiffe ebenso berücksichtigen wie den Umgang mit Sanktionen und eingefrorenen Vermögenswerten. Wenn der iranische Nationale Sicherheitsrat betont, er werde von den Forderungen nicht abweichen, wird die Verhandlungsbasis eng: Die US-Seite müsste dann entweder alternative Formulierungen finden, die die Kernpunkte umgehen, oder aber sehr konkrete Zugeständnisse vorbereiten. So oder so dürfte die Region in den kommenden Wochen besonders im Fokus internationaler Aufmerksamkeit bleiben, weil jede Verzögerung auf der einen Seite neue Erwartungen und auf der anderen Seite zusätzliche Kalkulationsrisiken auslöst.

In diesem Kontext ist auch wichtig, wie der Verhandlungsmodus mit Blick auf den Oman weiter gestaltet wird. Der Oman ist als regionaler Vermittler und als direkt betroffener Anrainerstaat besonders relevant, weil er die operative Seite der Schiffspassagen ausarbeiten kann, ohne die politische Sanktionsdimension vollständig zu steuern. Je besser die technischen Regeln für den Schiffsverkehr stehen, desto eher könnten sich wirtschaftliche Akteure kurzfristig darauf einstellen. Bleiben dagegen die Bedingungen an die USA strikt und nicht schrittweise überbrückbar, wird die operative Planung zur Nebensache. Genau diese Spannung zwischen Seeverkehrs-Mechanik und strategischer Grundsatzposition entscheidet darüber, ob aus dem nahen Einigungsversprechen tatsächlich eine stabile Wiederaufnahme des freien Schiffsverkehrs wird – oder ob die Straße von Hormus erneut zum Symbol politischer Blockaden gerät.


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