LONDON (IT BOLTWISE) – XRP rutscht auf den niedrigsten Börsenbestand seit sieben Jahren: Die auf Handelsplätzen gehaltene Menge fällt auf rund 1,6 Milliarden Token. Gleichzeitig bleibt der Kurs unter Druck und schafft den Sprung über die Widerstandszone zwischen 1,18 und 1,20 Dollar nicht. Für zusätzliche Nervosität sorgen Liquidationen von etwa 9,6 Millionen Dollar, vor allem aus Long-Positionen. Im Hintergrund verschiebt sich die Entscheidung zum CLARITY Act im Senat nach hinten und nimmt damit kurzfristige Impulse aus dem Markt.

XRP unter Druck: Börsenbestand auf Sieben-Jahres-Tief, Senats-Delay bremst CLARITY Act
XRP unter Druck: Börsenbestand auf Sieben-Jahres-Tief, Senats-Delay bremst CLARITY Act (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Widerspruch ist auffällig: Während der XRP-Kurs charttechnisch schwach bleibt, signalisiert der On-Chain-Blick auf die Börsenbestände eine eher defensive Angebotsseite. Laut CryptoQuant liegt die auf Handelsplätzen gehaltene XRP-Menge bei rund 1,6 Milliarden Token und damit auf dem tiefsten Stand seit sieben Jahren. Im Oktober 2025 waren es noch 3,76 Milliarden Token, der Bestand hat sich seither etwa halbiert. Für Marktteilnehmer heißt das meist: Wenn große Halter weniger auf die Börse schicken, steigt zwar nicht automatisch die Nachfrage, aber der potenzielle Verkaufsdruck bei steigender Aktivität kann abnehmen.

Genau diese Differenz prägt die aktuelle Lage. Die Exchange-Supply-Ratio wird mit 0,03 angegeben, parallel verschiebt sich die Verteilung bei großen Wallets: Adressen, die eine Million XRP oder mehr bewegen, decken inzwischen 55,3 Prozent der Auszahlungen von Binance ab. Das passt zur Beobachtung, dass große Transaktionen abnehmen: Für den Juli wird ein Rückgang bei Groẞtransfers über einer Million Dollar beschrieben, von 70 Transfers pro Tag auf nur noch zwei. Interessant ist, dass damit weniger „großes Geld“ handelt, aber es weiterhin Abflüsse aus dem Börsenumfeld gibt. Daraus ergibt sich ein klassisches Spannungsfeld zwischen Fundamentaldaten (Angebotsknappheit an Exchanges) und kurzfristiger Preisbildung (Liquidität, Hebel, Risikoappetit).

Am Kursbild zeigt sich diese Spannung derzeit in mehreren Schichten. XRP notiert bei 1,03 Dollar und damit 4,88 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,09 Dollar. Seit Ende Juni scheiterten Erholungsversuche an der Widerstandszone zwischen 1,18 und 1,20 Dollar. Der RSI liegt bei 39,4: schwach, aber noch nicht im überverkauften Bereich. Chartlogik allein reicht jedoch nicht, um die Bewegung zu erklären, denn der Markt reagiert in solchen Phasen besonders empfindlich auf jede Verschiebung in der Liquidität und auf das Verhalten gehebelt agierender Trader.

Diesen Hebel-Effekt liefern auch die Liquidationsdaten: Gehebelte Trader verloren rund 9,6 Millionen Dollar, der Großteil davon entfielen auf Long-Positionen. Solche Ereignisse wirken häufig wie ein kurzfristiger „Bremsklotz“, weil sie Stopps auslösen, Margin-Anforderungen erhöhen und danach die Risikoneigung für neue Long-Setups senken. Gleichzeitig wird ein starker US-Dollar-Index sowie die Beobachtung steigender Zuflüsse zu Börsen als Zeichen für institutionelles De-Risking gewertet. Damit verschiebt sich das Entscheidungszentrum: Nicht nur technische Marken zählen, sondern auch Makro-Signale, die bestimmen, ob Kapital eher in Risikoanlagen mit Hebel oder in defensivere Positionen wandert.

Parallel kommt ein weiterer Bremsfaktor aus dem politischen Zeitplan: Die Abstimmung im Senat über den CLARITY Act wurde auf September verschoben. Damit rückt ein möglicher kurzfristiger Kurstreiber erst einmal in eine spätere Phase. Für das Gesetz werden 60 Stimmen als Schwelle genannt; aktuell stehen 51 Unterstützer fest. Der Mehrheitsführer John Thune will trotz der Verzögerung in der August-Pause noch das Verfahren für eine Cloture-Abstimmung einleiten, wodurch das Thema später als Verfahrensabstimmung positioniert werden könnte, sobald der Senat zurückkehrt. Zwei Streitpunkte blockieren weiterhin eine Einigung: Banken lobbyieren intensiv gegen Stablecoin-Rewards, während demokratische Abgeordnete strengere Ethikregeln für Amtsträger mit Krypto-Investments fordern.

Während der Chart also vorsichtig bleibt, zeichnet Ripple selbst ein anderes Bild. Ripple-Präsidentin Monica Long beschreibt eine Verschiebung im institutionellen Bereich: weg von Bank-Pilotprojekten und hin zu einem echten Produktionseinsatz tokenisierter Vermögenswerte. Auch wenn solche Aussagen nicht automatisch in den Tageskurs übersetzt werden, stützen sie das Narrativ, dass reale Integrationen eher bei länger laufenden Rollouts entstehen als bei kurzfristigen Schlagzeilen. Technisch läuft zudem das XRPL-Software-Update 3.3.0 vom 3. bis 9. August 2026; dabei werden fünf Protokoll-Änderungen zur Validator-Abstimmung angekündigt. Dazu zählen Batch-Transaktionen mit bis zu acht Aktionen in einem Schritt, gesponserte Gebühren für Nutzer sowie eine eingeschränkte Berechtigungsdelegation ohne vollständige Kontoübertragung. Für Unternehmen und Entwickler ist vor allem relevant, wie solche Änderungen die Effizienz im Betrieb und die Gestaltung von Benutzer-Workflows beeinflussen können.

Am Markt bleibt das Momentum laut Prognosen fragil. Polymarket sieht für August mit 68 Prozent Wahrscheinlichkeit einen XRP-Kurs bei 1 Dollar oder darunter; nur rund 13 Prozent der Wetten setzen auf 1,20 Dollar oder höher. Die Marke um 1 Dollar hat sich diese Woche zwar zweimal als stabil erwiesen, die Erholung fiel jedoch jeweils schwächer aus. Entscheidend dürfte damit weniger sein, ob Trader kurzfristig „Stärke“ sehen, sondern ob der Support um 1,06 Dollar hält: Hält diese Zone, eröffnen sich charttechnisch Wege Richtung 1,35 und 1,64 Dollar; fällt sie, werden 0,80 und im schlechtesten Fall 0,62 Dollar als nächste mögliche Bereiche genannt. Für die nächsten Wochen kommen außerdem Faktoren hinzu, die nicht im Einfluss eines einzelnen Akteurs liegen: die Richtung von Bitcoin, makroökonomische Daten und das Senatsverfahren, das sich jederzeit voran- oder zurückbewegen kann. Unterm Strich liefern sinkende Börsenbestände zwar traditionell ein eher bullisches Signal, solange die kurzfristige Preisdynamik das Gegenteil zeigt, bleibt die Richtung von XRP jedoch offen.


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