LONDON (IT BOLTWISE) – WhatsApp arbeitet in aktuellen Android-Betas an einer gezielten Speicherbereinigung für Medien aus abonnierten Kanälen. Betroffene Nutzer sollen Inhalte nach Kategorien wie Fotos, Videos, Stickern und Sprachnachrichten filtern und bei Bedarf in größeren Mengen löschen können. Zusätzlich entsteht ein eigener Ordner für Unternehmensnachrichten, der nach spätestens 24 Stunden automatisch aus der Haupt-Chatliste verschwindet. Erste Hinweise deuten außerdem auf eine neue Medienansicht sowie auf einen Zwei-Konten-Modus für ein Gerät hin.

WhatsApp bringt in seinen Android-Beta-Versionen gleich mehrere Werkzeuge zusammen, die nicht nur die Nachrichtenorganisation verbessern, sondern auch das altbekannte Speicherproblem vieler Messenger adressieren: Zu viel Medieninhalt bleibt ungeordnet auf dem Gerät. In der Beta 2.26.30.4 taucht dafür ein neues Tool zur Speicherbereinigung auf. Nutzer sollen dabei die von abonnierten Kanälen belegten Datenmengen gezielt prüfen können, statt pauschal zu löschen oder manuell pro Chat nach Medien zu suchen. Besonders praktisch ist die Filterlogik, weil WhatsApp Medien offenbar nach Typen sortiert: Fotos, Videos, Sticker und Sprachnachrichten lassen sich damit getrennt betrachten.
Technisch wirkt das wie eine Kombination aus lokaler Kategorisierung und einer Bereinigungsroutine, die auf Medienmetadaten zurückgreift. Die Beta kündigt außerdem eine Massenlöschung an: Inhalte aus mehreren Kanälen sollen sich gleichzeitig entfernen lassen. Das ist ein entscheidender Unterschied zu klassischen „Einzelchat löschen“-Workflows, denn er reduziert den Aufwand erheblich, wenn Nutzer viele Kanäle verfolgen und Medien über die Zeit fragmentiert anfallen. Gleichzeitig setzt WhatsApp einen Schutzmechanismus ein, der als wichtig markierte Updates vor der automatischen Bereinigung absichern soll – damit werden typische Fehlentscheidungen im Aufräumprozess abgefedert.
Parallel wird die Nachrichtenorganisation für Unternehmenskommunikation überarbeitet. In der Beta taucht ein eigener Ordner namens „Angebote & Updates“ auf, der Nachrichten von größeren Unternehmen bündeln soll, beispielsweise Banken oder Fluggesellschaften. Das wichtigste Detail für die Usability ist die zeitbasierte Automatisierung: Spätestens nach 24 Stunden wandern Mitteilungen automatisch in den speziellen Ordner, während die Haupt-Chatliste übersichtlich bleibt. Nutzer sollen die Funktion bei Bedarf abschalten können, was aus Produktsicht eine wichtige Stellschraube ist, weil nicht jedes Unternehmen und nicht jede Kommunikationsstrategie von so strikten Zeitfenstern profitiert.
Dass WhatsApp dabei gezielt den Geschäftskundenbereich stärkt, spiegelt sich auch in der Breite der genannten Umfelddaten: Für die Sparte der sonstigen Erlöse, zu der auch WhatsApp Business zählt, werden im zweiten Quartal 2026 mehr als eine Milliarde Euro Einnahmen genannt. Gleichzeitig ist in der Quelle von weltweit über einer Million Unternehmen die Rede, die KI-Agenten auf der Plattform einsetzen, um Kundendialoge zu automatisieren. Für IT-Entscheider ist das relevant, weil sich Unternehmenskommunikation damit nicht nur in „mehr Nachrichten“, sondern auch in mehr Systemlogik ausdrückt: Routing, Timing und Zustellpräferenzen müssen für unterschiedliche Rollen in der App konsistent funktionieren.
Weiter geht es mit zwei Funktionssträngen, die im Alltag spürbar sein können. Einerseits testet WhatsApp eine neue Medienansicht in der Beta 2.26.30.3, die wie ein „Mini-Chat“ funktionieren soll: Im Vollbildmodus lassen sich Bilder oder Videos direkt kommentieren und beantworten, ohne die Ansicht zu verlassen. Andererseits verdichten sich Hinweise auf einen Zwei-Konten-Modus auf einem einzigen Gerät, wobei eine zweite SIM-Karte oder eSIM Voraussetzung sein soll. Dann lassen sich Datenschutz- und Benachrichtigungseinstellungen getrennt konfigurieren, was für getrennte private und geschäftliche Nutzung oder auch für Rollenverteilung in Teams interessant ist. Für große Dateien gilt dabei weiterhin das reguläre Limit von 100 MB für Videos; als Dokument verschickte Dateien sollen bis zu 2 GB groß sein.
Auch wenn die neuen Funktionen die Benutzeroberfläche betreffen, liegt der zweite Schwerpunkt klar auf der technischen Betriebsrealität mobiler Apps: Messenger verbrauchen mit der Zeit immer mehr Speicher und erzeugen damit automatisch mehr Angriffsfläche für unübersichtliche Datenbestände. Sobald Nutzer mehr aufräumen können, steigt zwar die Chance auf bessere Kontrolle, aber die Sicherheit hängt weiterhin an stabilem Backup-Verhalten, verlässlichen Berechtigungen und einer sauberen Medienverwaltung. Genau an diesen Stellen berichten einige Samsung-Nutzer derzeit von Problemen: Nach einem Sicherheitspatch im Juli soll es beim Samsung Galaxy S25 Ultra und S24 Ultra Schwierigkeiten mit WhatsApp-Backups gegeben haben. Dazu kommen Angaben über erhöhte Wärmeentwicklung und schneller sinkenden Akkustand. Ein offizieller Fix steht aus, was die praktische Konsequenz für Betroffene ist: Wer auf lokale oder regelmäßige Backups angewiesen ist, sollte die kommenden Beta- und Patch-Schritte sorgfältig abwägen.
Unterm Strich zielt WhatsApp mit der Beta-Entwicklung auf drei konkrete Engpässe: Speicherballast durch Kanalmedien, unübersichtliche Zwischenkommunikation von Unternehmen und Komfort beim Interagieren mit Medien. Gleichzeitig macht die Kombination aus Massenaktionen, Filterkategorien und zeitgesteuertem Ordner-Routing die App-Logik komplexer, was in der Testphase besonders sorgfältige Qualitätssicherung erfordert. Für Unternehmen, die WhatsApp Business produktiv nutzen, heißt das: Die nächsten Updates könnten die Customer-Journey verbessern, etwa weil Nachrichten weniger „im Weg“ stehen und Medieninteraktionen direkt im Kontext passieren. Wenn parallel Systeme wie Backups auf bestimmten Geräten empfindlich reagieren, bleibt jedoch eine realistische Betriebsplanung wichtig – vor allem dort, wo Compliance, Kontinuität und Datenwiederherstellung im Tagesgeschäft nicht verhandelbar sind.
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