FULDA / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim inklusiven Bogensportcamp des Deutschen Bogensportverbands (DBSV) haben 22 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland gemeinsam trainiert. Das Programm richtet sich gezielt an Sportlerinnen und Sportler mit und ohne Beeinträchtigungen und soll Selbstbewusstsein sowie soziale Kompetenz stärken. Der Abschluss bildete die Landesmeisterschaft im Bogenlauf des Landesverbands Hessen. Parallel werden in anderen Städten weitere Inklusionsformate ausgebaut – vom Fußball bis zu speziellen Lehrgängen für mentale Stabilität.

Beim inklusiven Bogensportcamp des Deutschen Bogensportverbands (DBSV) standen am Wochenende in Fulda weniger Leistungsgrenzen als die gemeinsame Trainingsroutine im Fokus. Insgesamt 22 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland trafen sich zu einem Programm, das Brücken zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen bauen soll. Im Kern geht es darum, Sport so zu organisieren, dass alle Teilnehmenden denselben Zugang zu Regeln, Abläufen und Erfolgserlebnissen bekommen – vom Aufwärmen bis zum Abschlusswettkampf.
Dass Inklusion im Sport nicht nur ein Motto bleibt, zeigt sich in der konkreten Haltung der Verantwortlichen. Brigitte Curtis, Bundesjugendleiterin des DBSV, formuliert es in der Meldung direkt: „Wir sind offen für alle – unabhängig von individuellen Einschränkungen“. Solche Aussagen bekommen im Trainingscamp erst ihre Relevanz, wenn sie sich in der Praxis widerspiegeln: bei der Art, wie Aufgaben erklärt werden, wie Hilfestellungen organisiert sind und wie die Gruppe Lernfortschritte gemeinsam erlebt. Der Abschluss des Camps war dann auch keine Nebensache, sondern die Landesmeisterschaft im Bogenlauf des Landesverbands Hessen – ein Format, das Zugehörigkeit und Leistung im gleichen Moment sichtbar macht.
Auch abseits des Bogensports wird das Thema mentale Widerstandsfähigkeit inzwischen deutlich stärker als trainierbarer Faktor verstanden. In der Meldung wird der Zusammenhang anhand eines anderen Angebots greifbar: Die Feuerwehr Osnabrück setzt für ihre Qualifizierung „PAFARI“ auf einen Lehrgang, in dem Teilnehmende unter Atemschutz in einer Holzbox mit dem Spitznamen „Biest“ etwa 20 bis 30 Minuten die Luftflaschen halten. Ausbilderin Britta Lückener kritisiert dabei explizit: „Mentale Aspekte kommen in der Grundausbildung viel zu kurz.“ Der Kurs verbindet deshalb Atemtechniken mit Strategien, um auch unter Druck ruhig zu bleiben – eine Logik, die sich in inklusiven Sportformaten übertragen lässt.
Damit Trainer und Übungsleiter nicht auf Bauchgefühl angewiesen sind, tauchen parallel zunehmend Qualifizierungen auf, die Inklusion organisatorisch und methodisch verankern. In der Meldung wird als Beispiel der DFB-Basis-Coach Inklusion genannt, der vermittelt, wie Menschen mit Behinderungen im Training optimal gefördert werden. Diese Entwicklung passt in einen größeren Trend: Inklusive Angebote wachsen messbar, wie etwa die „Bunte Liga“ in Bremen zeigt. Dort hat sich seit 2022 die Fußball-Turnierserie von 24 auf rund 50 Teams verdoppelt – mit bis zu 500 Teilnehmenden pro Spieltag. Wer solche Formate aufbaut, braucht neben passenden Regeln vor allem wiederholbare Trainingsmethoden, damit aus einem Einladungs-Event ein stabiler Betrieb wird.
Der Markt für Inklusion im Breitensport bekommt außerdem zusätzliche Impulse durch weitere Sportevents, die Teilhabe nicht als Ausnahme, sondern als Standard behandeln. Die MSV Moers Caritas Kickers werden in der Meldung als Beispiel angeführt: Bei den Nationalen Special Olympics in Saarbrücken holte das Team zum fünften Mal Gold. Solche Erfolge helfen, Erwartungshaltungen zu verändern – in Vereinen, bei Eltern und auch bei Kommunen. Gleichzeitig wird deutlich, dass „Zugang“ mehr bedeutet als nur eine Sportart anzubieten: In Berlin etwa lädt am 14. August ein inklusiver Strandtag am Plötzensee ein, mit Sport- und Spieleparcours, barrierefreien Wegen und Strandrollstühlen. Die Infrastruktur ist dabei eine Voraussetzung, damit das Training überhaupt als gemeinsame Aktivität funktioniert.
Auch auf dem Wasser wird die Zugänglichkeit gezielt erweitert. In Rüdersdorf bei Berlin fand eine geführte Tour für Rollstuhl-Stand-up-Paddling statt, bei der bis zu vier Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer teilnehmen konnten. Zeitgleich gab es ähnliche Angebote im italienischen Chioggia. Solche Beispiele verfolgen ein klares Ziel: Sportarten zugänglich zu machen, die lange als schwer erreichbar galten. Für Organisationen und Verbände heißt das praktisch, dass sie Inklusion zunehmend als Planungsaufgabe begreifen – mit angepassten Abläufen, geeigneten Bedingungen vor Ort und dem Training der eigenen Mannschaft, damit Hilfe nicht improvisiert werden muss.
Für Verantwortliche in Vereinen, Kommunen und Sportverbänden lässt sich aus der Kombination der Beispiele in Fulda, Bremen, Berlin und Saarbrücken ein konsistenter Ansatz ableiten: Erstens braucht es eine klare Offenheitskultur, zweitens methodische Unterstützung für Trainer, und drittens konkrete Veranstaltungsformate mit barrierefreien Rahmenbedingungen. Der DBSV zeigt mit dem Bogensportcamp, wie sich dieser Dreiklang im Kleinformat umsetzen lässt – mit 22 Teilnehmenden, einem strukturierten Trainingsablauf und einem verbindlichen Abschluss. Und während sich der Sport in immer mehr Städten öffnet, bleibt die Frage für die nächste Ausbaustufe, wie sich solche Angebote langfristig in Regelstrukturen übersetzen lassen, ohne dass die Qualität unter dem steigenden Volumen leidet.
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