LONDON (IT BOLTWISE) – Nach dem Auslaufen zentraler Sperrfristen zieht die SpaceX-Aktie wieder an und liegt zu Wochenbeginn bei 118,20 Euro. Seit dem Rekordtief vom 3. August beträgt das Plus 29,83 Prozent, innerhalb weniger Handelstage spürbar beschleunigt. Quartalszahlen stützen die Story, doch die Bewertung bleibt zwischen Kaufempfehlungen und klaren Bremsern umstritten. Schon in Kürze könnten weitere Lockups den nächsten Verkaufsdruck auslösen.

Die Kursbewegung bei SpaceX wirkt derzeit wie ein Lackmustest dafür, wie stark der Markt kurzfristige Angebotsänderungen gegen fundamentale Performance aufrechnet. Nachdem die ersten Sperrfristen für Altaktien ausgelaufen sind, steigt der Titel weiter; aktuell notiert die Aktie bei 118,20 Euro, und am Montag kommt es zu einem Tagesplus von 2,66 Prozent. Bemerkenswert ist dabei weniger die Tagesrate als die Geschwindigkeit der Erholung: Seit dem Rekordtief vom 3. August liegt der Kurs inzwischen 29,83 Prozent höher, und die Bewegung setzt sich nach dem ersten „Lockup-Entschärfungsfenster“ fort.
Technisch betrachtet betrifft der Auslöser vor allem das Orderbuch- und Angebotsprofil rund um die frei handelbaren Aktien. Laut den Angaben im Artikel wurden am Donnerstag 911,5 Millionen Aktien im Gegenwert von rund 100 Milliarden Dollar handelbar – deutlich mehr als der zuvor verfügbare Streubesitz. Genau diese Relation war der Kern der Befürchtungen: Viele Investoren erwarteten eine massive Verkaufswelle, insbesondere weil die Aktie erst zwei Tage zuvor um mehr als 13 Prozent auf ein Rekordtief gefallen war. Stattdessen kam es zu einer auffällig ruhigen Marktreaktion, der Kurs stieg sogar am Tag der Freigabe an und legte am Freitag erneut deutlich zu – mit einem Tagesgewinn von knapp 16 Prozent.
Für die Fundamentalseite liefern die Quartalszahlen den entscheidenden Gegengewicht-Faktor. SpaceX steigerte im zweiten Quartal den Umsatz um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar; gleichzeitig verengte sich der Nettoverlust im Jahresvergleich deutlich auf 541 Millionen Dollar. Besonders strukturell relevant ist die Aufteilung: Das Starlink-Geschäft bleibt der Ertragsanker, weil sich die Abonnentenzahl nach Angaben im Artikel auf 12 Millionen verdoppelt hat und der Umsatz um 66 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar wächst. Der operative Gewinn stieg dabei um 79 Prozent auf 1,66 Milliarden Dollar – das ist eine Performance-Kurve, die Anleger in der Regel stärker bepreisen als reine Reichweiten- oder Nutzerkennzahlen.
Parallel dazu ist das KI-Kapitel zwar zahlenmäßig beeindruckend, aber wirtschaftlich noch nicht in eine stabile Profitabilitätslogik überführt. Das KI-Geschäft wuchs dem Artikel zufolge um 247 Prozent auf 2,56 Milliarden Dollar, operativ blieb jedoch ein Verlust von 1,3 Milliarden Dollar bestehen. Hinzu kommt ein hoher Investitionsdruck: Im Quartal entfielen laut Text 15,8 Milliarden Dollar allein auf KI-Infrastruktur, im Gesamtpaket lagen die Investitionen bei 18,4 Milliarden Dollar. Für die Bewertung bedeutet das: Wachstum ist sichtbar und wird in Umsätze übersetzt, doch Cash- bzw. Ergebnishebelleistung bleiben vorerst stärker „investitionsgetrieben“ als „gewinnhebelnd“. Genau diese Spannung erklärt, warum die Kursfantasie nach einem Lockup-Schub nicht automatisch in ein einheitliches Analystenbild übergeht.
Die Wall Street bewertet die Lage deshalb weiterhin uneinheitlich. Argus Research stuft SpaceX trotz hoher KI-Ausgaben mit „Kaufen“ ein und nennt ein Kursziel von 160 Dollar. Morgan Stanley bezeichnet den Kursrutsch der vergangenen Wochen als Kaufgelegenheit, bestätigt sein Overweight-Rating und setzt das Ziel bei 300 Dollar. Andere Häuser wie Bernstein, Oppenheimer und Bank of America sehen Kursziele zwischen 235 und 250 Dollar, während Piper Sandler mit neutraler Haltung und 140 Dollar deutlich vorsichtiger bleibt. Auch bei institutionellen Investoren zeigt sich Aktivität: Cathie Woods ARK Invest kaufte am Freitag rund 114.815 SpaceX-Aktien im Wert von etwa 13,2 Millionen Dollar – offenbar trotz der ohnehin im Raum stehenden Unsicherheit rund um die nächsten Lockup-Phasen.
Ganz entschärft ist die Lockup-Thematik allerdings nicht; sie wird nur zeitlich versetzt weitergetragen. Bereits am Mittwoch sollen weitere 319 Millionen Aktien handelbar werden, und in den Monaten September und Oktober folgen jeweils Tranchen von rund 700 Millionen Aktien. Morningstar warnt dabei im Artikel explizit, dass diese künftigen Freigaben erneut Verkaufsdruck erzeugen könnten – ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Erholung eher als „Wellenkamm“ und nicht als dauerhafte Eindeckung des Angebotsrisikos zu lesen ist. Demgegenüber schafft die Stimmrechts- und Haltestruktur kurzfristige Stabilität: Musk hält laut Text mehr als 80 Prozent der Stimmrechte, seine eigenen 6,4 Milliarden Aktien bleiben bis Juni 2027 gesperrt und fallen damit als akuter Belastungsfaktor weg.
Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Papier mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite stehen starke Wachstumsimpulse bei Umsatz und Ergebnisverbesserung, gestützt insbesondere durch Starlink und die steigende Abonnentenzahl. Auf der anderen Seite stehen die hohe Investitionslast – besonders im KI-Bereich – und die absehbare Serie weiterer Neu-Freed-Volumina, die das kurzfristige Angebotsprofil regelmäßig verändern. Analysten im Artikel, die skeptischer sind, verweisen zudem auf die Kombination aus hoher Bewertung und angekündigten Kapitalmaßnahmen als Grund, warum die Rally nach der ersten Lockup-Freigabe ihrer Ansicht nach nicht automatisch nachhaltig ist. In der Praxis heißt das: Wer die nächsten Wochen handeln oder im Portfolio steuern will, muss nicht nur auf Umsatz- und Margenpfade schauen, sondern auch auf den konkreten Timing-Takt der künftigen Freigaben.
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