LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue ISG-Studie zeigt, dass deutsche Unternehmen KI nicht nur als Softwareeinführung verstehen. Vielmehr bauen sie Arbeitsabläufe, Governance-Strukturen und hybride Arbeitsmodelle so um, dass Daten- und Sicherheitsanforderungen mitgedacht werden. Im Fokus stehen außerdem Programme zur KI-Kompetenz der Belegschaft, damit KI-Anwendungen im Alltag wirklich genutzt werden. Bewertet wurden hierfür 54 Anbieter entlang mehrerer Kompetenzbereiche.

Die operative Realität in vielen deutschen Unternehmen verschiebt sich spürbar: KI-gestützte Funktionen sind längst nicht mehr nur „nice to have“, sondern werden in Prozesse eingebettet, die täglich laufen. Genau diese Entwicklung greift eine Studie der Information Services Group (ISG) mit dem Titel „German Firms Redesign Work for Effective Use of AI“ auf. Laut Bericht geht es dabei nicht darum, einfach neue Tools zu installieren, sondern Arbeitsabläufe so zu gestalten, dass KI die Effizienz messbar steigert. Entscheidend ist, dass Verantwortliche die organisatorische Steuerung neu aufsetzen und die Vorbereitung der Belegschaft auf digitale Werkzeuge vorantreiben.
Technisch und organisatorisch verläuft die Transformation häufig entlang derselben Kernfrage: Wo genau greift KI in den Workflow ein, und wie werden Entscheidungen, Datenflüsse sowie Zuständigkeiten abgesichert? Die ISG beschreibt diesen Schritt als Anpassung der Governance-Strukturen, weil Unternehmen KI tief in hybride Arbeitsmodelle integrieren. In der Praxis bedeutet das, dass Rollen für die fachliche Freigabe, für Datenschutz und für IT-Security klar definiert werden müssen, bevor KI-Modelle oder KI-gestützte Funktionen produktiv in Teams arbeiten. Ohne solche Leitplanken bleiben die Ergebnisse oft inkonsistent, während gleichzeitig das Risiko steigt, dass Daten nicht dort landen, wo sie laut interner und regulatorischer Erwartung landen sollten.
Ein weiterer Punkt wird in dem Bericht besonders deutlich: Die Integration von KI in den Arbeitsalltag ist nicht nur eine IT- oder Prozessaufgabe, sondern auch eine Compliance-Aufgabe. Die ISG verbindet die organisatorische Neuausrichtung mit dem Hinweis auf gesetzliche Rahmenbedingungen und erwähnt dabei ausdrücklich die EU-KI-Verordnung als Leitplanke für die Implementierung neuer Systeme. Der Kern für Unternehmen liegt weniger in einzelnen technischen Features, sondern in der „rechtssicheren“ Ausgestaltung der Nutzung: Dazu zählen nach Logik der Studie geeignete Prozesse, Dokumentation und die Einhaltung von Vorgaben, die je nach KI-System und Einsatzkontext variieren können. Gerade deshalb reicht ein typischer Projektstart mit einem Pilotversuch nicht aus, wenn später aus dem Pilot ein dauerhafter Bestandteil des Tagesgeschäfts werden soll.
Damit KI-Anwendungen im Unternehmen tatsächlich Wirkung entfalten, reicht außerdem das Vorhandensein einer Plattform nicht. Der Bericht stellt heraus, dass Firmen zunehmend in Programme investieren, die Mitarbeitende befähigen sollen, KI-Anwendungen im Arbeitsalltag souverän zu nutzen. Diese Betonung auf Kompetenz ist aus Sicht der Betriebspraxis nachvollziehbar: Selbst wenn die technische Integration gelingt, entscheidet die Qualität der Anwendung durch die Nutzer über Nutzen und Akzeptanz. Unternehmen müssen also Schulung, Change Management und konkrete Use-Cases zusammenbringen, damit KI nicht als „Black Box“ wahrgenommen wird, sondern als Werkzeug, das die eigene Arbeit unterstützt – inklusive klarer Grenzen, Verantwortlichkeiten und erwartbarer Qualitätsniveaus.
Im Marktvergleich macht die Studie die Nachfrage nach solchen End-to-End-Fähigkeiten sichtbar. Insgesamt wurden 54 Anbieter bewertet, die deutsche Unternehmen bei der Transformation unterstützen. Die Bewertung erfolgte entlang fünf Kompetenzbereichen, sogenannten Quadranten. Dabei kristallisierte sich laut ISG eine Gruppe von Dienstleistern heraus, die besonders breite Marktabdeckung und technologische Tiefe liefert. Diese Einordnung ist für Entscheider relevant, weil sie das Beschaffungsdenken von „Tool-Einkauf“ hin zu „Transformationspartnerschaft“ verschiebt: Wer KI in Arbeitsabläufe integrieren will, braucht nicht nur Implementierungskompetenz, sondern auch Unterstützung beim Aufbau der Betriebs- und Sicherheitsprozesse, bei der Datenhandhabung sowie bei der Begleitung kultureller Veränderungen im Unternehmen.
Als Marktfürher („Leader“) wurden in jeweils vier Quadranten unter anderem Bechtle, Capgemini, Computacenter sowie die Deutsche Telekom/T-Systems genannt. Ebenfalls in vier Kategorien erfolgreich waren die global agierenden IT-Dienstleister HCLTech, Infosys und Wipro. Der Bericht ordnet diese Anbieter vor allem deshalb als stark ein, weil sie laut den Studienautoren Portfolios für die Gestaltung moderner, KI-gestützter Arbeitsumgebungen bereithalten. Daneben greift die Studie auch die Customer Experience als Differenzierungsdimension auf: Infosys wurde dabei als globaler „CX Star Performer 2026“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnung zielt laut Text auf die Fähigkeit, KI-gesteuerte Lösungen zur Verbesserung von Kundenschnittstellen bereitzustellen – ein Hinweis darauf, dass KI-Integration nicht nur intern Kosten senken soll, sondern auch externe Interaktionen effizienter und konsistenter machen kann.
Für den Markt leitet die ISG daraus eine Konsolidierungsphase ab: Der Bedarf an KI-Implementierung wird demnach zum zentralen Differenzierungsmerkmal für IT-Dienstleister und Arbeitsplatzgestaltung. Diese Entwicklung ist aus Unternehmenssicht konsistent, weil viele Organisationen inzwischen von der ersten Automatisierungswelle in eine Phase wechseln, in der Skalierung, Governance und Betriebsfähigkeit stärker zählen als reine Machbarkeit. Wer den Übergang zu KI-gestützten Arbeitsabläufen erfolgreich gestalten will, sucht daher verstärkt Partner, die beides abdecken: technologische Infrastruktur und Beratung für den kulturellen Wandel. Für IT-Leitungen bedeutet das, dass Ausschreibungen und Architekturentscheidungen stärker auf Betrieb, Kontrolle, Schulung und Dokumentationsfähigkeit ausgerichtet werden müssen – und weniger auf einzelne Demonstratoren.
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