LONDON (IT BOLTWISE) – Nach dem Epic-Urteil muss Google Drittanbieter-App-Stores in der Play-Umgebung bereitstellen. In den USA ist jetzt Aptoide über den Google Play Store installierbar, ohne dass Nutzer Side-Loading aktivieren müssen. Der Store erhält Zugriff auf den von der Richterentscheidung abgedeckten Katalog. Gleichzeitig bleiben Sicherheits- und Prüfauflagen sowie Kostenmodelle für Betreiber bestehen.

Google beginnt, etwas umzusetzen, das das Unternehmen offenbar lange vermeiden wollte: Drittanbieter-App-Stores sollen in Google Play auftauchen – als direkte Folge des langjährigen Antitrust-Streits mit Epic. In den USA können Nutzer bereits jetzt die Spiele- und Entertainment-orientierte Plattform Aptoide über Google Play herunterladen. Damit verschiebt sich für Android-Nutzer ein wichtiger Teil der App-Verteilung von der bisherigen Seitennutzung (Sideloading) hin zu einem Prozess, der sich wie eine normale Installation innerhalb des Play-Ökosystems anfühlt.
Technisch betrachtet ist der Unterschied vor allem organisatorisch und prozessual: Aptoide wird nicht nur als externe APK-Lösung verteilt, sondern als Store-Kategorie im Play Store zugänglich gemacht. Der unmittelbare Vorteil liegt in der Nutzerführung. Statt dass Nutzer unsichere Warnhinweise wegklicken oder App-Installationen manuell anstoßen müssen, lässt sich der Store wie jede andere App aus Play installieren. Auch das spätere Installieren von Spielen aus dem Aptoide-Store soll ähnlich unkompliziert funktionieren wie die Installation über den Google Play Store selbst.
Die rechtliche Grundlage kommt aus dem Jahr 2023, als Epic im Verfahren vor dem Gericht erfolgreich war. Laut den beschriebenen Abhilfemaßnahmen eines Richters gehören zu den Vorgaben nicht nur niedrigere Entwicklergebühren und das Abbilden der Google-Play-Apps in anderen Shops, sondern auch die Erlaubnis, alternative Zahlungssysteme zu nutzen. Der Punkt, der Google besonders verärgert haben dürfte, ist jedoch die Store-Vorgabe: Google soll Drittanbieter-App-Stores nicht nur zertifizieren, sondern sie in Google Play bereitstellen. Ein früherer Vergleichsversuch zwischen Google und Epic sah zunächst vor, dass Google die Stores zwar zertifiziert, aber nicht selbst in Play hostet; dieser Vergleich wurde zurückgezogen, nachdem abzusehen war, dass das Gericht ihn nicht akzeptiert.
Für Aptoide selbst ist die wichtigste technische und kommerzielle Frage: Wie viel Content darf der Store in dieser „Registered App Store“-Logik überhaupt zeigen? Der CEO Paulo Trezentos bestätigt, dass Aptoide Zugriff auf den vollständigen Katalog von 1,9 Millionen Apps und 295.000 Spielen erhält, wie es in der gerichtlichen Regelung vorgesehen ist. Das erklärt, warum der Store in der ersten Phase zwar noch eher überschaubar wirkt, aber perspektivisch zulegen soll: Der Zugriff zielt nicht auf eine winzige kuratierte Auswahl, sondern auf große Teile dessen, was Nutzer sonst über Play finden. Entwickler können laut Bericht allerdings aus der Sharing-Vereinbarung aussteigen – praktisch wird dadurch ein zusätzlicher Distributionskanal geschaffen, der in Versionierung und Abrechnung an die Play-Strukturen gekoppelt bleibt, sodass ein „Google-only“-Standpunkt für viele Anbieter weniger attraktiv wird.
Auch der Play-Store-Unterbau bleibt nicht unangetastet. Die neue Seite für Drittanbieter-App-Stores ist zum Start zunächst leer und zeigt aktuell nur Aptoide. Die Einordnung im Interface wirkt zudem wie eine Übergangslösung: Der Menüpfad führt über „Apps“ in der unteren Leiste, dann „Kategorien“ in der oberen Leiste und schließlich bis ganz unten zu „Drittanbieter-App-Stores“. Alternativ lässt sich die Liste über die Suche nach „Aptoide“ finden. Dass die Navigation damit noch nicht „front-and-center“ ist, kann aus Betreiber- und Sicherheits-Sicht sogar sinnvoll sein, verlagert aber die Sichtbarkeit genau in die Phase, in der ein neuer Store erst Nutzervertrauen aufbauen muss.
Für die Betreiber ist der Zugang dagegen kein reines „Marketing-Geschenk“, sondern an Prüf- und Sicherheitsanforderungen gekoppelt. Google verlangt demnach „angemessene“ Sicherheitspraktiken und Funktionen zum Schutz der Nutzer. Außerdem müssen Betreiber Kopien der APKs für eine Google-Review vorlegen, bevor die Stores Nutzern bereitgestellt werden. Inhaltlich bleibt das Programm damit eine Art kontrollierte Brücke zwischen offenen Android-Distributionen und dem geschlossenen Play-Flow. Für die Kosten wird im Bericht konkret: 15.000 US-Dollar upfront, davon 5.000 US-Dollar als Kredit für die Review-Kosten – und darüber hinaus kann Google weitere Gebühren erheben, falls die Kosten höher ausfallen. Interessant ist dabei auch die Formulierung auf der Landing Page, Google „prüfe nicht jede App“ aus diesen Stores; wie diese Abgrenzung operativ umgesetzt wird, bleibt für kleinere Store-Betreiber ein wirtschaftliches Risiko, weil die Prüfaufwände und die resultierende Kalkulation schwer vorhersehbar sein können.
Dass ausgerechnet Aptoide als Erster den Raum einnimmt, den die gerichtliche Vorgabe öffnet, wirkt auf den ersten Blick überraschend, wenn man die Ressourcen anderer Spieler betrachtet. Epic als Kläger hätte grundsätzlich Mittel, und auch Microsoft wird mit einem mobilen Xbox-Store als Option genannt. Dennoch steht vorerst Aptoide allein da. Das unterstreicht, dass es im Ergebnis nicht nur um „Zugang zu Nutzern“, sondern um einen schnell zu durchlaufenden Zulassungs- und Betriebsprozess geht. Für Unternehmen bedeutet das: Sobald Drittanbieter-Distribution über Play real anläuft, verschärft sich der Wettbewerb nicht nur zwischen einzelnen Stores, sondern auch zwischen den Distributions- und Abrechnungsmodellen, die auf Android ohnehin stark von Nutzerpfaden, Sicherheitssignalen und Installationshürden abhängen.
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