WASHINGTON, D.C. / LONDON (IT BOLTWISE) – Trotz bröckelnden Waffenstillstands zeigt sich Donald Trump in der Darstellung des Iran-Kriegs selbstbewusst. Zugleich beziffern Angaben von Verteidigungsseite direkte Militärausgaben und belegen Verluste unter US-Soldaten. Mehrere Fachstimmen ordnen die Lage jedoch als unvollständigen Erfolg ein, weil zentrale Ziele wie Regimewechsel und nukleare Entwaffnung weiterhin unerreicht bleiben. Im Hintergrund verschärfen sich zudem ökonomische und geopolitische Effekte entlang kritischer Seewege wie Hormuz.

Trump-Wahrheitscheck: Warum der Iran-Krieg strategisch offenbar nicht aufgeht
Trump-Wahrheitscheck: Warum der Iran-Krieg strategisch offenbar nicht aufgeht (Foto: IT BOLTWISE)
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Donald Trump hat den Iran-Krieg in mehreren öffentlichen Auftritten als Erfolg verkauft. Bei einem Event am 23. Juli in Washington, D.C. sagte er: „We’re doing very well against the Islamic Republic of Iran“ und bekräftigte später erneut, die USA seien „doing very well, very, very well“ im Krieg. Am 29. Juli wiederholte er das Selbstbild im Rahmen einer Tele-Rally für einen Kandidaten aus Wisconsin: „We’ll finish off Iran pretty soon. It’s gonna happen.“ Genau hier setzt der Wahrheitscheck an: Nicht die Frage, ob militärische Wirkung erzielt wurde, sondern ob sie die strategischen Ziele in der Breite erreicht hat und welche Nebenwirkungen der Konflikt erzeugt.

Technisch betrachtet ist die Gemengelage im Kern eine Asymmetrie: Die US-Streitkräfte haben nach Angaben aus dem Bericht erhebliche Schäden an iranischen Fähigkeiten verursacht, darunter Luftabwehr und konventionelle Marineassets. Gleichzeitig bleibt Iran mit einem auf „asymmetric warfare“ ausgerichteten Konzept handlungsfähig, also mit kostengünstigeren Mitteln wie Drohnen, um Angriffe trotz überlegener konventioneller Kräfte fortzusetzen. Als Beispiel wird eine Raketenattacke im Juli gegen eine US-Basis in Jordanien genannt, kombiniert mit laufenden Drohnenschlägen gegen Staaten im Persischen Golf. Daraus leitet der Bericht ab, dass Iran weiterhin sowohl Munitionsbestände als auch operative Startfähigkeiten im eigenen Territorium vorhält.

Für US-Entscheider wird damit ein Teilproblem sichtbar: Um solche Angriffe zuverlässig zu unterbinden, müsste die US-Seite nach Einschätzung eines Forschers eine größere Bodenkraft in den iranischen Raum verlagern, um eine Art Pufferzone durchzusetzen. Das wird im Bericht ausdrücklich als starke Eskalation eingeordnet, weil eine Bodenkampagne gegen ein für diese Lage vorbereitetes System nicht „nebenbei“ zu lösen ist. Zudem nennt der Bericht eine harte Zeit- und Kostenrealität: Verteidigungsseitig wird beziffert, dass der Krieg seit seinem Start am 28. Februar bis Mitte Juli mindestens 37,5 Milliarden US-Dollar an direkten Militärausgaben gekostet habe. Dazu kommen Zahlen zu menschlichen Verlusten: 18 getötete US-Soldaten und 624 Verwundete (Stand Ende Juli). In so einem Umfeld wird jeder Fortschrittsnarrativ-Check schnell zur strategischen Kosten-Nutzen-Frage.

Der eigentliche Dreh- und Angelpunkt sind die politischen Ziele. Regimewechsel gilt als eines der früh kommunizierten Endspiele, doch der Bericht beschreibt keine Anzeichen, dass die iranische Regierungsstruktur ihre Machtbasis lockert oder die Ideologie spürbar wechselt. Richard Nephew, Senior Research Scholar an der Columbia University, wird mit seiner Einschätzung zitiert: „I was convinced we were in the last period of the Islamic Republic“ – und weiter: „I don’t think that’s true now. … The more we do, the more we seem to solidify the position of the real bad guys in that system.“ Auch für das zentrale Ziel, die Fähigkeit zum Bau einer Nuklearwaffe zu neutralisieren, sieht der Bericht laut nuklearpolitischen Fachstimmen keinen Abschluss. Daryl G. Kimball, Executive Director der Arms Control Association, wird mit der Formulierung angeführt, das iranische Nuklearprogramm sei „did not fundamentally alter“ und Luftangriffe könnten „cannot eliminate Tehran’s residual capability to build a bomb“.

Damit verschiebt sich der Fokus von kurzfristiger Schadensbilanz hin zu operativer und diplomatischer Wirkung. Brendan Green, politikwissenschaftlicher Forscher an der University of Cincinnati, hebt laut Bericht zwar die theoretische Möglichkeit hervor, dass militärischer Druck zu Verhandlungen führen könnte, betont aber zugleich die Unklarheit, ob der Krieg dafür bisher „damaging enough“ gewesen sei. Kimball argumentiert außerdem, dass der Konflikt die Rückkehr internationaler Inspektoren weiter verzögert habe, um angereichertes Uran und Zentrifugen zu prüfen, und dass er „severely damaged“ habe, was Vertrauen in der Zukunftsoption eines Abkommens überhaupt noch bestanden haben könnte. Strategisch kann das doppelt schmerzen: Wer die Nuklearambition eines Gegners nicht nachhaltig neutralisiert, schwächt auch die eigene Verhandlungsposition gegenüber Drittstaaten, die nukleare Fähigkeiten als Sicherheitsasset betrachten. John Pike, Direktor von GlobalSecurity.org, wird mit der Warnung zitiert: „Once again we are reminded of why states want the bomb, “ und ergänzt: „And the list (of states) is growing longer.“

Der Krieg produziert zudem neue Problemfelder, die weniger im Schlagzeilenmodus laufen, aber wirtschaftlich hochgradig spürbar sind. Im Bericht steht dabei vor allem die Fähigkeit Irans im Vordergrund, den kommerziellen Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz zu beeinflussen, inklusive Kraftstoff- und Industriefraktionen wie Dünger und Aluminium. Arman Mahmoudian beschreibt das als strategische Neuorientierung: Zwar könne Iran möglicherweise keine Flotte dominieren, doch es gebe genug, um den Verkehr zu stören oder zeitweise zu lähmen. Besonders Tanker seien laut seiner Einschätzung verwundbar, weil Größe und vergleichsweise geringe Geschwindigkeit sie auf engen Wasserwegen treffen. Für die globale Logistik wird das noch über die Region hinaus relevant: Wenn die Houthis als iranischer Proxy den Verkehr im Bab el-Mandeb-Streit zwischen Saudi-Arabien und Afrika blockieren, drohten sich Verengungen auf Ausweichrouten zu verstärken. Gleichzeitig wird erwähnt, dass es am 29. Juli einen Angriff auf einen ägyptischen Hafen nahe des Suezkanals gegeben habe, dessen Urheberschaft (Iran oder ein Proxy) unklar bleibe.

Auch die Binnenwirkung in den USA wird konkret beschrieben. Als direktester Effekt aus dem Engpass bei der Seeschifffahrt nennt der Bericht höhere Benzinpreise: An der Zapfsäule lägen sie etwa 1,15 US-Dollar höher als vor dem Krieg Ende Februar; zeitweise seien sie sogar um bis zu 1,55 US-Dollar über dem Vorkriegsniveau gelegen. Weil Benzin in vielen Konsum- und Produktionsketten als Kostenfaktor einfließt, habe sich laut Bericht auch die Inflation insgesamt spürbar nach oben bewegt. Mark Zandi, Chief Economist bei Moody’s Analytics, wird mit einer frühen Schätzung zitiert: Er habe die Kosten des Iran-Kriegs inklusive Konsumeffekte auf 100 Milliarden US-Dollar in den ersten vier Monaten beziffert – das entspräche rund 685 US-Dollar pro US-Steuererklärung, und zwar „and that’s before counting the costs from June and July.“ Parallel wird als weiterer Engpass eine Verringerung der US-Waffenbestände genannt. Ein Bericht, der im Kontext des Konflikts steht, prognostiziert für bestimmte stark genutzte Munition wie das Tomahawk-System und Patriot- sowie THAAD-Abfangjäger eine Auffüllzeit von drei bis vier Jahren. Diplomatisch verschärft der Bericht ebenfalls die Gemengelage: Anhaltende iranische Raketenangriffe gegen US-nahestehende Partner im Persischen Golf erhöben die Spannungen zwischen diesen Staaten und den USA. Barbara Slavin sagt dazu, die Beziehungen zu Israel seien „increasingly strained“.

Am Ende fällt auch ein geopolitischer Nebeneffekt auf, der in strategischen Bewertungen häufig untergehen kann: Der Krieg stärkt laut Bericht Chinas Position. Daniel Markey, Senior Fellow in den Programmen für Südasien und China am Stimson Center, wird mit der Analyse zitiert: „China’s oil stockpiles, diversification of suppliers, and growing reliance on non-hydrocarbon energy sources have made it better able to weather the storm than most.“ Zusätzlich könne der Abfluss amerikanischer Bestände die Fähigkeit der USA beeinträchtigen, künftige Spannungen zu überbrücken, etwa im Kontext möglicher zusätzlicher Druckausübungen auf Taiwan. Miller wird mit der Aussage eingeflochten: „Every time we launch a missile, it’s one less that will be in our arsenal if China decides to increase its pressure on Taiwan.“ Genau diese Kettenwirkung macht den Wahrheitscheck am stärksten: Wenn die militärische Offensive zwar bis zu einem gewissen Punkt Wirkung zeigt, die zentralen politischen Ziele aber nicht erreicht und die Nebenwirkungen in Wirtschaft, Logistik, Beständen und Diplomatie zunehmen, dann wird aus „Erfolg“ schnell ein unvollendetes, teuer erkauftes Zwischenstadium.


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