TOKYO / LONDON (IT BOLTWISE) – Öl- und Goldpreise steigen vor den US-CPI-Daten, während sich geopolitische Spannungen weiter zuspitzen. Der Yen schwächt sich gegenüber dem Dollar ab, nachdem frühere Kursgewinne nach einer seltenen Intervention verpufften. Gleichzeitig richten Anleger den Blick auf Hinweise zum Zeitpunkt einer möglichen Federal-Reserve-Zinsanhebung. Am Markt werden zudem verstärkt frühere Schritte in Japan eingepreist.

Öl und Gold steigen vor US-CPI: Yen schwächer, Fed-Entscheidung rückt näher
Öl und Gold steigen vor US-CPI: Yen schwächer, Fed-Entscheidung rückt näher (Foto: IT BOLTWISE)
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Vor den am Mittwoch anstehenden US-Verbraucherpreisen haben sich Öl und Gold deutlich fester gezeigt. In Tokio war die Bewegung Teil eines größeren Risiko- und Erwartungsmix: Geopolitische Spannungen schoben in den Rohstoffkomplexen die Nachfrage nach Absicherung an, während die Märkte gleichzeitig die nächste geldpolitische Weichenstellung in den USA abwarten. US-Rohöl legte um 0,61% auf 83,71 $ je Barrel zu, Brent stieg um 0,62% auf 89,46 $ je Barrel und steuerte damit auf den sechsten Handelstag in Folge mit Gewinnen zu. Damit erweiterten beide Benchmarks ihre Aufwärtssequenz, nachdem sie bereits am Montag rund 5% zugelegt hatten und am Dienstag zu den höchsten Abschlüssen seit dem 31. Juli gefunden wurden.

Die Preiswirkung geopolitischer Ereignisse zeigte sich dabei nicht nur in den Notierungen, sondern auch in den Nachrichtenflüssen, die für Transport- und Energie-Risiken stehen. Laut den Angaben im Marktbericht meldeten die USA einen Schlag gegen ein Frachtschiff, das offenbar in Richtung eines iranischen Hafens auslaufen wollte, während aus der Region zudem Angriffe auf die Schifffahrt berichtet wurden. Gleichzeitig wurde Asien früh am Morgen durch eine ballistische Aktion aus Nordkorea belastet. Diese Gemengelage wirkt oft zweistufig: Erst steigen die Risikoaufschläge für Energie, dann bleiben selbst dann Unsicherheiten bestehen, wenn konkrete Verhandlungen nicht erkennbar vorankommen. Genau diese Mechanik beschrieb Kyle Rodda, Senior Financial Market Analyst bei Capital.com, sinngemäß als weiterhin „nach oben“ verzerrtes Risiko für Rohöl und US-Aktienindizes, solange es aus dem Geopolitik-Umfeld keine nennenswerten Entspannungen gibt.

Auch bei Edelmetallen ging der Auftrieb weiter. Spot-Gold verteuerte sich um 0,77% auf 4.400,44 $ je Unze, während Spot-Silber um 1% auf 65,30 $ je Unze stieg. Parallel dazu verbesserten sich die Aktienmärkte im asiatisch-pazifischen Raum: Der breiteste MSCI-Index für die Region außerhalb Japans gewann 0,8%, und der japanische Leitindex zog um 0,8% an, nachdem der Handel nach einem Feiertag wieder aufgenommen worden war. Besonders stark fiel die Bewegung in Südkorea aus: Der Kospi sprang um 4%, getragen von Kursgewinnen bei Technologieaktien. Auffällig ist dabei, wie stark die regionale Entwicklung mit dem Makro-Katalysator verknüpft bleibt: Sobald der Markt die CPI-Zahlen als Hinweis auf den künftigen Zinskurs einordnet, können sich Korrelationen zwischen Währungen, Rohstoffen und Aktien binnen weniger Sitzungen umdrehen.

Während die Anleger in den USA auf das CPI-Print warten, verschiebt sich gleichzeitig die Zins- und Währungserwartung in Japan. Der Yen gab um 0,08% auf 159,38 pro Dollar nach und lag damit weiter unter dem Hoch der Vorwoche von 155,20, nachdem es mehrere mögliche Interventionen gegeben hatte. Am Rentenmarkt zeigten sich die Erwartungen besonders deutlich: Die Rendite der 5-jährigen japanischen Staatsanleihe stieg auf 2,12%, einen neuen Rekord, und die Rendite der 2-jährigen Anleihe erreichte mit 1,645% ein 31-Jahres-Hoch. Solche Bewegungen sind für Händler relevant, weil sie die Terminkurven der Geldpolitik in kurzer Laufzeit „hart“ schlagen: Schon kleine Verschiebungen in der Erwartung über Timing und Tempo einer potenziellen Straffung können kurzfristige Bond-Preise und damit auch den Carry-Handel mit dem Yen beeinflussen.

Der US-Dollar zeigte indes eine eher moderate Bewegung. Der Dollar-Index stieg um 0,07% auf 99,88, der Euro gab um 0,05% auf 1,1534 $ nach, und das Pfund blieb mit 1,3504 $ nahezu unverändert. In den frühen europäischen Handelsphasen lagen zudem die Futures für Euro Stoxx 50 flach, während sich der DAX-Future minimal schwächer zeigte und auch die FTSE-Futures nachgaben. Für den weiteren Tagesverlauf dürfte jedoch die US-Datenlage dominieren: Laut einer Reuters-Umfrage werden die Verbraucherpreise im Juli um 0,1% erwartet, nach einem Rückgang um 0,4% im Juni. Die jährliche Inflationsrate soll von 3,5% auf 3,4% sinken. Wichtig ist dabei vor allem die Richtung und nicht nur die Zahl: Selbst wenn die Teuerung leicht langsamer ausfällt, kann der Markt in den Details erkennen, ob die Fed eher zügig oder vorsichtiger agiert.

Schon jetzt wird die Zinsdebatte konkreter. US-Money-Markets preisen einer Meldung zufolge eine noch immer realistische Chance für eine Anhebung ein, und Susan Collins, Präsidentin der Fed Bank of Boston, hatte laut Berichten ihre Bereitschaft signalisiert, einen Zinsschritt im September zu unterstützen, falls die Inflationszahlen hoch bleiben. In der Marktlogik heißt das: CPI wird nicht nur als Konjunkturindikator gehandelt, sondern als Timing-Signal für die nächste Fed-Sitzung. Für Unternehmen und Investoren ergeben sich daraus unmittelbar praktische Konsequenzen. Wer Strategien mit hoher Zins- oder Währungs-Sensitivität fährt, muss kurzfristige CPI-getriebene Ausschläge einplanen – insbesondere, wenn gleichzeitig geopolitische Risiken die Rohstoffseite unruhig halten und damit die Inflationsdynamik indirekt weiter speisen können.

Auch für die nächsten Tage bleibt die Gemengelage gespannt: Der CPI-Report bildet zwar nicht die allerneueste Energiepreisbewegung ab, könnte aber dennoch Erwartungen setzen, wie stark die Fed-Voraussetzungen für eine Rate Hike im nächsten Monat ausfallen. Gleichzeitig zeigt die Gemengelage in Asien – von Schifffahrtsrisiken bis zu militärischen Signalen rund um die Region – wie schnell sich Risikoprämien verändern können. Unterm Strich liefert der Markt damit ein klassisches Bild vor großen Makro-Events: Rohstoffe und Devisen reagieren zuerst auf geopolitische Informationen, während die Zinskurve in den Stunden bis zum CPI-Print die wichtigste Erzählung für den weiteren Kurs liefert.


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