LONDON (IT BOLTWISE) – In Zoom wurde eine kritische Zero-Click-Sicherheitslücke entdeckt, die Schadcode aus einem laufenden Meeting heraus auf Geräten anderer Teilnehmer ausführen kann. Betroffen ist nach aktuellen Angaben der Sicherheitsforscher vor allem die Anmerkungsfunktion, ein Zusatzkanal innerhalb der Software. Eine Nutzerinteraktion gilt als nicht erforderlich, visuelle Hinweise fehlen. Administratoren sollten Zoom und zugehörige Clients wie Zoom Rooms sowie das Meeting SDK umgehend auf die genannten Fix-Versionen aktualisieren.

Zoom steht erneut im Fokus der IT-Sicherheit: Eine gemeldete Sicherheitslücke (CVE-2026-53413) erlaubt offenbar das Ausführen von Schadcode auf Geräten anderer Meeting-Teilnehmer, ohne dass das Opfer aktiv reagieren muss. Das Risiko wird mit einem hohen Schweregrad eingeordnet (CVSS: 8,3). Laut Beschreibung zielt die Lücke auf mögliche Schreibvorgänge außerhalb vorgegebener Puffergrenzen – ein typischer Fehlerklasse-Mechanismus, der bei ausreichend präparierten Daten zu Speicherfehlern und damit zu Codeausführung führen kann.
Der besondere Brisanzfaktor liegt dabei im Angriffsszenario: Die Kompromittierung soll sich aus einem laufenden Meeting heraus bewerkstelligen lassen. Aus Sicht der Praxis bedeutet das, dass ein Angreifer nicht „außerhalb“ der Konferenz agieren muss, sondern gezielt innerhalb des Meeting-Kontexts. Die Sicherheitsforscher ordnen die Schwachstelle als Zero-Click-Lücke ein und beschreiben, dass speziell gestaltete Nachrichten an den Zoom-Client des anvisierten Teilnehmers übermittelt werden können, sobald der jeweilige Client „mit im Raum“ ist.
Technisch wird die Schwachstelle mit der Anmerkungsfunktion von Zoom in Verbindung gebracht, die auf einem proprietären Protokoll basiert. Dieses Protokoll soll einen direkten Kanal zwischen einem Betrachter und einem Teilnehmer ermöglichen, der Inhalte teilt – und damit Angreifer in die Lage versetzen, Teilnehmer einzeln ins Visier zu nehmen. Entscheidender Punkt für die Incident-Response: Es gebe visuelle Anzeichen, die auf den Angriff hindeuten, dem Bericht zufolge nicht. Sobald bösartiger Code ausgeführt ist, werden als mögliche Folgen unter anderem das unbemerkte Ausspähen von persönlichen Daten, das Einschalten von Mikrofon oder Kamera sowie die Installation weiterer Schadsoftware genannt.
Dass es sich nicht nur um eine theoretische Gefahr handelt, zeigt die Einordnung des Meldungswegs: Die Sicherheitsforscher geben an, CVE-2026-53413 in weniger als 24 Stunden durch weniger als 20 Prompts mit öffentlich verfügbaren KI-Modellen identifiziert und am 10. Juni an den Anbieter gemeldet zu haben. Das unterstreicht einen Trend, der sich in den letzten Monaten stärker abzeichnet: KI wird nicht nur zur Auswertung von Logs eingesetzt, sondern zunehmend auch als Suchwerkzeug für Schwachstellen im Codeverständnis. Für Security-Teams verschiebt sich dadurch der Erwartungshorizont – Fix-Zyklen müssen schneller geplant werden, während gleichzeitig die Detektionswege bei künftigen Meldungen mehr Automatisierung annehmen.
Mit Blick auf die betriebliche Umsetzung nennt der Bericht konkrete Versionen, die als anfällig gelten. Betroffen sind demnach gängige Zoom-Clients für Windows, macOS, iOS, Android und Linux bis einschließlich Version 7.0.5. Für Zoom Workplace wurden Patches im Juli bereitgestellt: Version 7.1.5 und 7.0.6. Für den Zoom Workplace VDI Client für Windows nennen die Angaben Schutz ab Version 7.0.11 bzw. 6.6.16. Zusätzlich werden Zoom Rooms und das Zoom Meeting SDK als separat gefixt beschrieben; dort soll die Lücke jeweils mit Version 7.1.0 geschlossen worden sein.
Für zusätzliche Handlungspriorität sorgt, dass in denselben Zoom-Releases laut den Sicherheitsangaben noch zwei weitere Schwachstellen geschlossen wurden: CVE-2026-53414 und CVE-2026-53415. Eine davon beruht dem Bericht zufolge auf einem Use-after-free-Bug und erlaubt ebenfalls eine Codeausführung aus der Ferne. Die andere Schwachstelle soll Angreifern ermöglichen, die Software auf Geräten anderer Meeting-Teilnehmer zum Absturz zu bringen. Auch wenn ein Crash in vielen Umgebungen zunächst „nur“ als Verfügbarkeitsthema wirkt, kann er als Baustein für weitere Angriffsphasen dienen, etwa um Zustände zu beeinflussen oder Sicherheitskontrollen zu umgehen.
Operativ sollten Unternehmen das Thema deshalb wie eine echte Zero-Click-Risikoklasse behandeln: Nicht nur der Desktop-Client ist relevant, sondern auch spezialisierte Installationen wie Workplace-Varianten, VDI-Setups, Räume (Zoom Rooms) und das Meeting SDK. Wer Zoom-Umgebungen in Fachabteilungen oder an vielen Standorten betreibt, sollte außerdem sicherstellen, dass Patch-Rollouts in der gleichen Woche greifen, sobald Versionsfreigaben intern durch sind. Denn das Angriffsszenario spielt innerhalb eines Meetings – Zeitverzug erhöht unmittelbar die Wahrscheinlichkeit, dass ein anfälliger Client in der falschen Konferenz wieder auftaucht.
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