LONDON (IT BOLTWISE) – Honor startet in China die Vorbestellung für sein Robot Phone, dessen „Robot“-Begriff vor allem auf einen automatisierten Pop-up-Kameragimbal zurückgeht. Der Gimbal besteht aus Titan, lässt sich um bis zu 360 Grad drehen und unterstützt filmische Bewegungsmodi wie FPV-Ansicht und Spinshots. Zusätzlich übernimmt eine KI-Funktion das automatische Panning und Tilting für das Tracking von Personen. Ab dem 18. August sollen die Geräte ausgeliefert werden.

Honor bringt mit dem „Robot Phone“ ein Smartphone auf den Markt, das die Kamerafunktionen deutlich stärker mechanisch als viele klassische Handys betont. Der zentrale Unterschied sitzt nicht in einem neuen Sensor-Claim, sondern im automatisierten Pop-up-Kamera-Gimbal, das aus Titan gefertigt ist und sich in verschiedene Richtungen bewegen kann – inklusive einer vollständigen 360-Grad-Rotation. Damit zielt das Gerät auf Aufnahmen, die sonst entweder mit Gimbal-Zubehör oder viel Handarbeit entstehen: Schwenks, Drehungen und Perspektivwechsel, die im Stillstand einer Smartphone-App schwer konsistent hinzubekommen sind.
Aus technischer Sicht ist vor allem die Kombination aus Bewegungsmechanik und Tracking-Logik entscheidend. Honor integriert ein KI-Verfahren für das sogenannte Subject Tracking: Die Kamera soll dabei automatisch pannen und tilten, um eine Person nachzuführen. Ergänzend kommt Hands-free Gesture Control ins Spiel, mit der sich der Kameraarm auslösen und die Aufnahme starten lässt – praktisch, wenn man nicht direkt zum Display greifen möchte. Für die kreative Kontrolle nennt Honor außerdem mehrere „cinematic movement modes“ wie Tilt Lock, FPV View und Spinshot. Diese Modi wirken wie eine Abstraktion dessen, was sonst ein manuelles Setup aus Stabilisierung, Drehachse und Kamerawinkel bräuchte.
Auch beim eigentlichen Kamerapaket setzt Honor mit Zahlen und Schnittstellen an. Auf der Rückseite verbaut das Robot Phone ein Dual-Setup mit zwei 200MP Kameras: einem 200MP Hauptmodul und einem 200MP Telemodul. Für Videografen ist die Partnerschaft mit ARRI relevant, einem Hersteller professioneller Filmkameras; sie soll zusätzliche Werkzeuge liefern, darunter KI-gestützte Noise-Reduction sowie ein größeres Dynamic-Range-Handling. Damit verbindet Honor die „Roboter“-Bewegung mit einer Bildpipeline, die verrauschungsärmere Ergebnisse und mehr Zeichnung in hellen und dunklen Bereichen liefern soll. Dazu kommt Echtzeit-Vorschau und die Möglichkeit, Aufnahmen als RAW auszugeben, was für Workflows abseits reiner Social-Media-Kompression wichtig ist.
Das Betriebssystem MagicOS bringt dafür eine eigene Logik mit: das YOYO Robot Mode-Konzept, das „multimodale Wahrnehmung“, „kontextuelles Verständnis“, „Gesture Recognition“ und „körperliche Bewegung“ zusammenführt. In der Konsequenz ist der Gimbal nicht nur ein bewegliches Objektivgehäuse, sondern wird über die Systemsteuerung stärker „verhaltenstechnisch“ adressiert – als müsste die Software Wahrnehmung, Kontext und mechanische Ausführung als ein zusammenhängendes System behandeln. Im März hatte Honor offenbar eine hands-off Demo gezeigt, bei der der Gimbal zu Songs „tanzte“, sich per Kommando drehte und mit Bewegungen reagierte. Selbst wenn solche Demos eher Unterhaltungscharakter haben, sie zeigen, dass die Bewegungssteuerung bereits mit klaren Timing- und Triggerpfaden umgesetzt ist.
Unter der Haube spielt dann die klassische Smartphone-Performance mit hinein: Das Robot Phone nutzt einen Snapdragon Elite Gen 5-Chip und kombiniert ihn mit einem kundenspezifischen Kühlsystem sowie einem 7.060mAh-Akku. Für den täglichen Betrieb ist außerdem das Display-Setup relevant: Ein 6,3-Zoll-OLED mit adaptiven Refresh-Raten, die laut Angaben eine maximale Helligkeit von 6.800 nits erreichen. Damit adressiert Honor zwei typische Engpässe moderner Kamera-Setups – thermische Stabilität bei längeren Aufnahmephasen sowie Helligkeit für die Bildkomposition im Freien. Die Smartphone-Mechanik ist also nicht isoliert zu betrachten, sondern muss KI-Tracking, Video-Rendering und Bildverarbeitung gleichzeitig stemmen.
Im Markt startet Honor zunächst eingeschränkt: Die Vorbestellung läuft aktuell nur in China, ausgeliefert und offiziell verkauft wird ab dem 18. August. Zwei Konfigurationen werden angeboten, einmal 12GB RAM mit 512GB Speicher und einmal 16GB RAM mit 1TB. Preislich liegen beide Modelle bei rund 1.480 US-Dollar beziehungsweise 2.075 US-Dollar – deutlich im Premiumbereich, was auch zu der Erwartung „robot gimbals aren’t cheap“ passt. Für Entwickler ist interessant, dass Honor den YoYo Robot Mode und die multimodalen Fähigkeiten öffnen will: Drittfirmen sollen laut Ankündigung neue Experiences schaffen, die sich auf Gimbal, Wahrnehmungsfunktionen und „embodied interaction“ stützen. Damit verschiebt sich die Rolle von App-Entwicklung weg von reinen UI-Experimenten hin zu Anwendungen, die Bewegung als Medium verstehen.
Für Unternehmen und fortgeschrittene Nutzer bedeutet das vor allem eine neue Art von Produktivität: Wenn Tracking, Gestensteuerung und definierte Bewegungsmodi zuverlässig funktionieren, wird ein Teil des „Pre-Production“-Aufwands von zusätzlichen Filmmitteln in die Hardware selbst verlagert. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie konsistent die Nachführung in unterschiedlichen Umgebungen ausfällt und wie stark der Workflow vom RAW-Export bis zur Bearbeitung in der Praxis verläuft. Trotzdem setzt Honor mit dem Robot Phone ein klares Signal: Mechanische Kamerabereicherung plus KI-gesteuerte Interaktion könnte künftig stärker in Richtung „mobil nutzbare Kamera-Tools“ wachsen – statt nur größere Sensorzahlen in den Vordergrund zu stellen.
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