LONDON (IT BOLTWISE) – Stem meldet für das zweite Quartal einen spürbaren Umsatzrückgang, zeigt aber gleichzeitig deutlich steigende Gewinn-Substanz. Der Kurs reagierte zunächst mit einem Minus, drehte nachbörslich jedoch wieder ins Plus. Der Hauptgrund liegt in der Verschiebung der Erlöse: Batteriehardware verliert an Gewicht, während Software, Services und Edge-Hardware stark zunehmen. Gleichzeitig wachsen PowerTrack-Erlöse, Auftragseingänge und Auftragsbestand, was die operative Ertragslage stützen soll.

Stem steht im zweiten Quartal exemplarisch für den oft kurzfristig nervösen Blick vieler Anleger auf die Umsatzspitze – und zugleich für die Bedeutung der dahinterliegenden Erlösstruktur. Nach Vorlage der Zahlen fiel die Aktie zunächst um 7,47 Prozent auf 5,45 Dollar, ehe sie nachbörslich wieder um 7,52 Prozent auf 5,86 Dollar zulegte. Entscheidend ist dabei weniger, dass der Umsatz um 12 Prozent auf 33,7 Millionen Dollar zurückging, sondern dass das Unternehmen den Rückgang auf einen strategischen Effekt zurückführt: Der Bereich Batteriehardware ist im Quartal stark geschrumpft – und damit auch das, was typischerweise margenarm und schwer planbar ist.
Genau hier trennt sich die operative Realität von der ersten Marktreaktion. Stem beziffert den Rückgang des Hardware-Weiterverkaufs von Batteriehardware von 5,4 Millionen Dollar auf nur noch 0,3 Millionen Dollar. Damit ist der Umsatzrückgang nicht als klassisches Zeichen für eine schwächelnde Nachfrage zu lesen, sondern als bewusste Portfolio-Neuausrichtung. Entsprechend verschieben sich die Umsatzanteile: Software, Services und Edge-Hardware machen inzwischen 99 Prozent des Umsatzes aus, gegenüber 62 Prozent vor einem Jahr. Für das Verständnis der Kennzahlen ist das zentral, denn solche Umsatzzusammensetzungen schlagen sich oft schneller in Margen und Cash-Generierung nieder als in der absoluten Topline.
Die Ergebnisrechnung liefert dazu passende Signale. Die Non-GAAP-Bruttomarge stieg auf 55 Prozent – ein Rekordniveau – nachdem sie im Vorjahresquartal bei 49 Prozent gelegen hatte. Auch auf Ebene der Ertragskennzahl wirkt die Verschiebung: Das bereinigte EBITDA legte um 63 Prozent auf 6,2 Millionen Dollar zu und ist damit das fünfte Quartal in Folge positiv. Parallel dazu verbesserte sich der operative Cashflow auf plus 0,3 Millionen Dollar; gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einer Verbesserung um 22 Millionen Dollar. Gerade dieser Cashflow-Aspekt ist für den Markt häufig ein Beruhigungsmoment, weil er zeigt, dass sich bessere Einzahlungs- und Abrechnungsdynamiken nicht nur in Buchhaltungseffekten verstecken.
Auf der Nachfrageseite wird die Story durch wachsende wiederkehrende Erlöse gestützt. Die PowerTrack-Softwareplattform verzeichnete demnach ein Wachstum der wiederkehrenden Erlöse um 11 Prozent auf Jahresbasis. Noch greifbarer wird das über die annualisierte wiederkehrende Umsatzbasis (ARR), die auf 62,4 Millionen Dollar anstieg. Dazu passten die operativen Leitindikatoren: Die Auftragseingänge stiegen im Quartalsvergleich um 39 Prozent auf 36,8 Millionen Dollar, und der Auftragsbestand wuchs um 18 Prozent auf 27,1 Millionen Dollar. In Summe deutet das auf eine stabilere Planbarkeit hin, weil Software- und Serviceumsätze typischerweise weniger stark von kurzfristigen Hardware-Volumina abhängen als Resale-Modelle.
Die internationalen Projekte liefern außerdem ein konkretes Beispiel dafür, wie sich diese Software-Orientierung in reale Energievorhaben übersetzt. In Chile soll PowerTrack EMS künftig eine 135-Megawatt-Solaranlage inklusive neuem 420-Megawattstunden-Speicher steuern. In Ungarn haben Solarmarkt Group gemeinsam mit dem EPC-Partner Pannonwatt einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet, um zwei bestehende Solarparks mit jeweils 40 Megawatt und 80 Megawattstunden Speicherkapazität zu hybridisieren; der kommerzielle Betrieb beider Standorte soll bis September 2026 starten. Zusätzlich wurde die Plattform mit dem „The smarter E AWARD 2026“ in der Kategorie Smart Integrated Energy ausgezeichnet. Solche Projektgrößen sind zwar keine unmittelbare Umsatzgarantie für das laufende Quartal, sie beeinflussen aber die Pipeline-Erwartung und damit die Relevanz von ARR- und Auftragskennzahlen.
Trotz des positiven Margen- und Ergebnisbildes hält das Management die Guidance konsistent fest. Für 2026 erwartet Stem einen Umsatz zwischen 140 und 190 Millionen Dollar sowie ein bereinigtes EBITDA zwischen 10 und 15 Millionen Dollar. Nach einem ersten Halbjahres-EBITDA von 8,2 Millionen Dollar sieht das Unternehmen sich auf Kurs für das obere Ende der Spanne. Auffällig ist dabei die Ursache der breiten Umsatzspanne: Die Batteriehardware-Komponente ist weiterhin schwer planbar und könnte im zweiten Halbjahr die Marge unter das aktuelle Rekordniveau drücken. Für die weitere Sichtbarkeit nennt Stem außerdem eine wiederkehrende Umsatzbasis zum Jahresende zwischen 65 und 70 Millionen Dollar – ein klares Signal, dass das Unternehmen den strategischen Fokus auf 2027 sowie auf Skalierung im Utility-Segment legt.
Für Entscheider in der Branche lässt sich daraus ein zweigleisiger Ausblick ableiten: Einerseits zeigt der Quartalsbericht, wie schnell eine Veränderung der Erlösanteile von Hardware-Resale hin zu Software, Services und Edge-Hardware in Margen, EBITDA und operativen Cashflow durchschlagen kann. Andererseits bleibt der Preis dieser Ausrichtung sichtbar: Solange Hardware-Volumina kurzfristig schwanken, wird der Umsatz in absoluten Zahlen weniger „smooth“ erscheinen, selbst wenn die wiederkehrende Basis wächst. Für Technik- und Produktteams bedeutet das, dass die operative Umsetzung – also die Fähigkeit, Software- und Plattformfunktionen in Energieprojekten zuverlässig zu integrieren – besonders wertvoll wird, weil sie die wiederkehrende Erlöslogik stützt. Und für Investor Relations und Unternehmenskommunikation wird die Leitfrage künftig sein, wie transparent die Entwicklung der ARR-Skalierung gegenüber temporären Hardware-Effekten nachvollziehbar gemacht wird, ohne die operative Leistung zu verwässern.
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