LONDON (IT BOLTWISE) – Morgan Stanley warnt, dass Anleger SpaceX’ KI-Sparte zu niedrig bewerten. Der Investment-Hinweis nennt vor allem die neocloud-Partnerschaften und die bevorstehende Cursor-Übernahme für die Entwicklung der Grok-Modelle. Zusätzlich verweist das Papier auf hohe Wachstumsraten bei KI-Ausgaben in Unternehmen. Offen bleibt, wie stark sich der Cursor-Effekt bereits im laufenden Quartal im Umsatz widerspiegelt.

Die Diskussion um SpaceX dreht sich zuletzt nicht nur um Raketenstarts, sondern zunehmend um den KI-Teil des Geschäfts. Laut Morgan Stanley sind die Erwartungen an die „AI unit“ aus Anlegersicht zu niedrig angesetzt. In der aktuellen Bewertung spielen dabei zwei Blöcke zusammen: Zum einen die monetarisierten Angebote rund um Rechenzentrums- und Hosting-Leistungen („neocloud“), zum anderen die Wachstumsstory rund um Cursor als KI-Coding-Agent-Plattform. Für Technologieführer und CIOs ist das spannend, weil KI-Infrastruktur und Entwickler-Produktivität inzwischen direkt messbar als Umsatzhebel werden.
Der Kern der Argumentation: Für Morgan Stanley wirkt die implizite Bewertung der KI-Sparte bei dem genannten Kursniveau „extrem konservativ“. In dem Hinweis wird dabei auch eine konkrete Einschätzung zur Diskrepanz genannt: Die Anleger preisten laut Berechnungen derzeit die gesamte KI-Beteiligung von SpaceX mit nur 12 US-Dollar je Aktie ein, „weit unter“ den Bewertungsniveaus von neocloud-Vergleichsgrößen. Gleichzeitig wird auf eine Position der Anleger eingegangen, die Morgan Stanley als zu einseitig beschreibt: Viele Investoren seien nur begrenzt bullisch über die Entwicklung der KI-Sparte hinaus „jenseits von neocloud“. Damit adressiert die Bank eine typische Marktmechanik, bei der einzelne Geschäftssegmente oft zu früh in ein enges Erwartungsraster gedrückt werden.
Technisch lässt sich die Cursor-Episode als eine Art Beschleuniger der Modell-Umsetzung lesen: Morgan Stanley verweist auf die geplante Übernahme von Cursor, die im Juni für 60 Milliarden US-Dollar vereinbart wurde. Wenn der Deal wie erwartet noch in diesem Quartal abgeschlossen wird, erwarten die Analysten, dass die Grok-Modelle neue Versionen ausrollen, die Cursor-Daten und -Updates integrieren. Für Unternehmen bedeutet das konkret: Sobald ein KI-System nicht nur Inhalte erzeugt, sondern auch den Arbeitsfluss entlang von Programmierung, Tests und Wartung tangiert, verschiebt sich der Nutzen von reiner „Chat“-Funktionalität hin zu Prozesskostenreduktion und Geschwindigkeit in Softwareprojekten. Genau in dieser Lücke setzen KI-Toolchains an, die Entwickler-Produktivität als Business Case ausweisen.
Dass die Bank den monetären Effekt über Cursor hinaus denkt, hängt außerdem an den neocloud-Partnerschaften. Genannt werden dabei Datenzentrums-Leasingdeals mit Anthropic und Alphabet. Der Punkt ist weniger „nur“ die Partnerschaft als solche, sondern die Kopplung an die Nachfrage nach KI-Workloads: Rechenleistung wird nicht im luftleeren Raum gekauft, sondern meist im Kontext laufender Modelle, Inferenzlasten und weiter ausrollender Produktlinien. Hinzu kommt: Die Erwartungskurve in solchen Geschäftsmodellen hängt stark davon ab, wie schnell neue Modellgenerationen in reale Kundenszenarien überführt werden. Wenn Grok-Updates mit Cursor-Integration sichtbarer werden, kann das die Wahrnehmung der KI-Sparte im Markt spürbar verändern.
Untermauert wird die Story zudem durch Zahlen zur KI-Nutzung in Unternehmen. Laut dem Ramp AI Index ist der mediane monatliche AI spend pro Mitarbeiter im Jahresvergleich um 167% auf 11 US-Dollar im Juni gestiegen. Die obersten 1% der Firmen investieren nahezu 5.000 US-Dollar pro Mitarbeiter und Monat in KI-Services. Gleichzeitig zeigt der Index auch den „Nachzügler“-Effekt: Fast die Hälfte der US-Unternehmen gibt nach diesem Maßstab gar kein Geld für KI-Produkte oder -Services aus; das US Census Bureau nennt sogar 80% als Anteil der Unternehmen ohne entsprechende Ausgaben. Diese Spanne ist für die Unternehmensseite ein Hinweis darauf, dass die Adoption noch nicht „ausgereizt“ ist – und damit auch Budgets für KI-Infrastruktur und KI-Entwicklerwerkzeuge nachziehen können.
Morgan Stanley quantifiziert den erwarteten Umsatzhebel über Cursor besonders deutlich: Die jährliche Umsatz-„run rate“ soll von 4 Milliarden US-Dollar im Juni auf 8 Milliarden bis zum Jahresende steigen, 17 Milliarden im nächsten Jahr erreichen und bis 2030 auf 33 Milliarden anwachsen. Damit verschiebt sich Cursor von einem reinen Tool-Asset hin zu einem zentralen Umsatzträger für die KI-Strategie. In dem Zusammenhang wird auch die mögliche Kurswirkung adressiert: Mit weiteren „breadcrumbs“ in der Cursor/Grok-Erzählung sieht Morgan Stanley das Potenzial, den Bewertungsabschlag auf die KI-Sparte teilweise abzubauen. Die Aussage zielt also auf eine erneuerte Erwartungshaltung, bevor sich die Zahlen in den Quartalsberichten vollständig materialisieren.
Auch die kurzfristige Marktreaktion passt zu dieser These: Die Aktie von SpaceX (SPCX) sei nach dem Bericht um nahezu 5% gefallen, nachdem sie Montag erstmals seit Mitte Juli über den 135 US-Dollar IPO-Preis geschlossen hatte; am Mittwoch lag sie im Premarket wieder etwa 1% im Plus. Für Entscheider in der Praxis heißt das: KI-Investments werden nicht linear bewertet, sondern oft in Erwartungsphasen gehandelt. Wer KI-Infrastruktur oder KI-Entwicklerplattformen verantwortet, sollte daher neben technischen Roadmaps auch die Relevanz der Integrationsschritte beobachten – etwa wie schnell Datenquellen, Agenten-Workflows und Modellversionen in messbare Kundennutzung übersetzt werden.
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