WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Jana Micka, Business Development Retail bei der Deutsche Börse, berichtet über ihren Weg von einem Praktikum in der Pandemie bis zur heutigen Rolle für Privatanleger. Bereits während ihres Studiums sammelte sie in London erste Auslandserfahrung bei einem Büroausstatter, bevor sie Anfang 2020 in ein neu organisiertes Event-Umfeld der Deutsche Börse wechselte. Heute entwickelt sie Handelsangebote rund um Xetra und Frankfurt, darunter längere Handelszeiten und Maßnahmen für günstigeren Handel. Ergänzend moderiert sie seit Juli 2025 das Format „Börse at Home“, das Privatanlegern seit Corona Orientierung geben soll.

Wer den Karriereweg von Jana Micka verfolgt, erkennt schnell ein Muster: Es ging nicht nur um den Einstieg in den Kapitalmarkt, sondern um das Zusammenspiel aus Produktverständnis, Kommunikation und Umsetzung unter Druck. Im Interview beschreibt die Business-Development-Expertin, wie sie vom ersten Auslandspraktikum bis zur Mitmoderation eines Retail-Formates gewachsen ist. Gleichzeitig wird klar, warum sie heute als zentrale Ansprechpartnerin für Privatanleger Position bezieht: Micka hat früh gelernt, Anforderungen aus der Praxis aufzunehmen und daraus konkret nutzbare Angebote abzuleiten.
Den Anfang machte ein kurzer, bewusst eingeplanter Sprung nach London: Während ihres BWL-Studiums ging sie für einen Monat ins Ausland, ohne ein komplettes Semester im Ausland zu absolvieren. In ihrem Praktikum bei Regus arbeitete sie an der Rezeption und war den ganzen Tag in die Kommunikation mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern eingebunden. Dass ihr deutscher Akzent im Englischen weiterhin sichtbar blieb, hebt Micka als humorvolle Erinnerung hervor – und es zeigt zugleich, wie stark sie auf realen Austausch und Lernkurven setzt. Diese frühe Mischung aus Kundennähe und Organisation bereitete den Boden für den späteren Fokus auf Finanzmärkte.
Der eigentliche Einstieg bei der Deutsche Börse verlief dann anders als geplant. Das Praktikum, das ursprünglich im April 2020 starten sollte, musste pandemiebedingt auf Mai verschoben werden. Micka schildert jedoch, dass sich die Situation trotz Unsicherheit positiv ausgewirkt habe, weil sie auch virtuell Kolleginnen und Kollegen kennengelernt habe. Fachlich war die Richtung ebenfalls nicht zufällig gewählt: Im Studium setzte sie auf zwei Schwerpunkte – Finanzen und Human Resources – und merkte anschließend, dass sie Finanzmärkte deutlich stärker interessieren. Ein entscheidender Türöffner war dabei eine Kommilitonin, die bereits ein Praktikum bei der Börse absolviert hatte und Micka auf eine passende Stelle aufmerksam machte.
Besonders prägend war für sie die Organisation des Deutschen Eigenkapitalforums, das typischerweise über drei Tage hinweg börsennotierte Unternehmen, institutionelle Investoren und Family Offices zusammenbringt – unter anderem über Unternehmenspräsentationen und One-on-One-Gespräche zwischen Investoren und Emittenten. 2020 musste die Veranstaltung pandemiebedingt neu gedacht werden, und Micka war dabei nach eigenen Angaben intensiv eingebunden: von Techniktests über die Kundenkommunikation bis hin zur Koordination mit einer ausführenden Agentur. In dieser Phase lernte sie, dass Retail-nahe Themen nicht automatisch „einfach“ sind, sondern oft eher Koordinationsaufgaben mit hoher Außenwirkung bedeuten: Wer Inhalte, Timing und Kommunikation sauber zusammenbringt, senkt Unsicherheit – gerade in Krisenzeiten.
Nach dem Praktikum führte ihr Weg zunächst in den B2B-Bereich. Bei Union Tank Eckstein (UTA) arbeitete Micka als Werkstudentin im Strategic Partner Management und verhandelte Konditionen mit Tankstellen- und Waschanlagenbetreibern, die in ein Kartennetzwerk aufgenommen werden wollten. Später schrieb sie dort auch ihre Masterarbeit zum Thema Digitalisierung und Prozessoptimierung. Anschließend wechselte sie in eine Unternehmensberatung mit starkem Automobil-Fokus und arbeitete als Junior Consultant an Projekten zum digitalen Reifegrad von Fahrzeugherstellern – also daran, wie Produktion und Prozesse verbessert werden können. Diese Kombination aus operativer Partnerarbeit, Prozessdenken und Beratungserfahrung erklärt, warum sie heute Business-Entscheidungen nicht nur aus dem Finanzwinkel betrachtet, sondern auch aus Blickwinkeln für Implementierung und Nutzerinteraktion.
Im Januar 2025 kehrte Micka zur Deutsche Börse zurück – diesmal in eine offene Position im Business Development Retail. Dass sie den Unternehmens- und Kassamarkt bereits aus früheren Stationen kannte, erleichterte den Wiedereinstieg; Kolleginnen und Kollegen konnten ihr zudem Einblicke in Arbeitsweisen geben, was gerade in Organisationen mit etablierten Schnittstellen Zeit spart. In ihrer aktuellen Rolle positioniert sie Handelsfunktionalitäten für die beiden Handelsplätze der Deutsche Börse, Xetra und Frankfurt, mit Fokus auf Privatanleger. Genannt werden dabei etwa längere Handelszeiten sowie Maßnahmen, die den Handel für Privatanleger günstiger machen sollen. Die Abteilung arbeitet sowohl im B2B-Umfeld – etwa im Austausch mit Banken und Brokern, die Privatanleger betreuen – als auch im direkten Kontakt mit Endkunden, unter anderem auf Börsentagen. Dort versucht Micka zu verstehen, was Privatanleger tatsächlich bewegt, und ob die entwickelten Angebote bei der Zielgruppe ankommen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Episode liegt auf dem Format „Börse at Home“. Es wurde im März 2020 von Edda Vogt und Fabienne Lindner als Reaktion auf die Unsicherheit während der Corona-Pandemie ins Leben gerufen, um Privatanlegern Angst vor Investitionsentscheidungen zu nehmen und Orientierung in einer Phase eingebrochener Kurse zu bieten. Als Lindner das Unternehmen im vergangenen Jahr verließ, fragte Vogt Micka, ob sie die Moderation mitübernehmen möchte. Micka beschreibt, dass sie zunächst zögerte und erst nach einer Nacht darüber entschied, ob sie sich das zutrauen könne. Seit Juli 2025 moderiert sie die Sendung montags um 12 Uhr für rund 30 Minuten, inklusive Raum für Zuschauerfragen. Ergänzend gibt es seit rund zwei Monaten eine monatliche Einsteigerserie am Mittwochabend, in der Grundlagenthemen wie Depot-Eröffnung, Aktien oder ETF-Auswahl behandelt werden. Die Inhalte werden live gestreamt und anschließend auf YouTube sowie als Podcast auf Plattformen wie Spotify, Apple Music und Amazon veröffentlicht. Dass am 24. August Christian Drastil bei „Börse at Home“ zu Gast ist, knüpft an eine gemeinsame Podcast-Aufnahme an und zeigt, wie das Format auch Themen in Richtung österreichischer Aktienmarkt ausweiten kann.
Was ihr an der täglichen Arbeit am meisten Spaß macht, fasst Micka relativ handfest zusammen: Sie könne aktiv mitgestalten und konkrete Wirkung sehen – etwa bei Produktverbesserungen wie längeren Handelszeiten oder bei Aufklärungsarbeit im Rahmen von „Börse at Home“. In ihrem Freundeskreis beobachtet sie dabei Unterschiede im Zugang: Einige Menschen investieren bereits aktiv, andere trauen sich nicht an das Thema heran. Für sie zählt daher nicht nur die technische oder organisatorische Umsetzung, sondern auch der Moment, in dem eine Person durch ein Format zum Investieren oder zum Umgang mit Altersvorsorge motiviert wird. Abseits der Börse nennt sie Pilates als Ausgleich, das sie seit rund zwei Jahren als Gegengewicht zum Büroalltag betreibt, sowie das Klavierspielen, mit dem sie kürzlich begonnen hat. Diese Mischung aus strukturiertem Training und neuem Lernstoff passt zur beschriebenen Karriere: immer wieder hin zu Aufgaben, in denen Kommunikation, Prozessverständnis und praktische Umsetzung zusammenkommen – vom Praktikum bis zur Retail-Verantwortung.
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