LONDON (IT BOLTWISE) – Zealand Pharma meldet für das erste Halbjahr 2026 rückläufige Umsätze und einen kleineren Gewinn, bleibt aber bei der Jahresprognose stabil. Der Abstand zum Vorjahr liegt vor allem an geringeren Meilensteinzahlungen aus Partnerschaften. Im Zentrum steht Petrelintide: Das Unternehmen plant den Wechsel in die Phase-3-Zulassungsstudie in der zweiten Jahreshälfte 2026 und startet parallel eine Kombinationsstudie mit Enicepatide. Am Aktienmarkt wird das Update entsprechend als konstruktiv eingeordnet, während die Kapitalrückführung über ein laufendes Rückkaufprogramm weiterläuft.

Zealand Pharma liefert zum ersten Halbjahr 2026 Zahlen, die sich beim schnellen Blick zunächst nach „Rückschritt“ anfühlen: Der Umsatz fällt deutlich, der Gewinn schrumpft entsprechend. Entscheidend ist jedoch die Erklärung, die das Management für den Verlauf anbietet. Statt nachlassender operativer Dynamik liegt der Rückgang vor allem an geringeren Meilensteinzahlungen aus Partnerschaften. Im Jahr 2025 hatten höhere Upfront-Zahlungen den Vergleichszeitraum stärker gemacht, was diese Entwicklung statistisch glättet, aber an der operativen Substanz im Kern wenig ändert.
Konkret beziffert Zealand den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 auf 4,525 Milliarden dänische Kronen nach 9,096 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn geht auf 3,524 Milliarden Kronen zurück, zuvor waren es 7,238 Milliarden. Diese Gegenbewegung lässt sich technisch so einordnen: In der Biotech-typischen Umsatzstruktur wirken Partnerschafts- und Entwicklungsmeilensteine oft als kurzfristige Hebel, die Jahresvergleiche verzerren können. Für die Planbarkeit ist deshalb die Guidance wichtiger als der Halbjahreswert. Für das Gesamtjahr 2026 nennt das Unternehmen Kollaborationserlöse von 4,5 Milliarden Kronen sowie operative Kosten im Korridor von 2,7 bis 3,3 Milliarden. Die Liquidität bleibt dabei komfortabel: Die Kassenposition liegt bei 14,457 Milliarden Kronen, ergänzt um positive Finanzerträge von 292 Millionen Kronen durch Zinseinnahmen und Wechselkurseffekte.
Während Finanzkennzahlen den Takt setzen, kommt der eigentliche Story-Kern aus dem Pipeline-Bereich: Petrelintide, Zealands Amylin-Kandidat gegen Adipositas. Die Phase-2-Studie ZUPREME-1 wird in der Mitteilung als entscheidender Beleg herausgestellt. Dort zeigte Petrelintide einen zweistelligen Gewichtsverlust bei einer Verträglichkeit, die laut Unternehmensangaben weitgehend mit Placebo vergleichbar war. Bis Woche 42 erreichten Teilnehmende bis zu 10,7 Prozent Gewichtsreduktion gegenüber 1,7 Prozent unter Placebo, ohne ein erkennbares Plateau. Zusätzlich fällt die relativ hohe Quote auf: Zwischen 88 und 98 Prozent der Teilnehmenden schafften die Eskalation zur Zieldosis. Das ist für die Entwicklung relevant, weil es auf eine praktikable Dosissteigerung hindeutet und damit indirekt auf Therapietreue im Alltag.
Auf dieser Basis zieht Zealand einen konkreten nächsten Schritt: Petrelintide soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 gemeinsam mit dem Partner Roche in die Phase-3-Zulassungsstudie überführt werden. Parallel startet die Phase-2-Studie ZYNERGY, in der Petrelintide mit Roches GLP-1/GIP-Wirkstoff Enicepatide kombiniert wird. Diese Kombinationsstrategie ist mehr als ein „Nebenversuch“, weil sie einen anderen klinischen Anspruch adressiert: Patienten mit höherem Bedarf reagieren häufig besser auf Wirkmechanismen, die sich ergänzen. Technisch betrachtet bedeutet das für das Studiendesign, dass Wirksamkeits- und Verträglichkeitsdaten über zwei Wirkansätze hinweg koordiniert werden müssen. Entsprechend sendet Zealand ein Signal, dass das Portfolio nicht auf Monotherapie begrenzt ist, sondern die Therapielandschaft mit Kombinationen mitdenkt.
Auch außerhalb von Petrelintide liefert der Markt Anschlussfähigkeit über Partnerdaten. Boehringer Ingelheim steuert starke Phase-3-Ergebnisse zu Survodutide bei: In der SYNCHRONIZE-1-Studie erreichten Patientinnen und Patienten bis zu 16,6 Prozent Gewichtsverlust nach 76 Wochen. Begleitet wird das Ergebnis von einer Reduktion des viszeralen Fettgewebes um bis zu 34 Prozent. Für Boehringer ist zudem eine Erweiterung geplant: Das Entwicklungsprogramm soll um vier weitere Phase-3b-Studien ergänzt werden, die 2026 starten sollen. Damit entsteht ein Wettbewerbsumfeld, in dem Fortschritte bei Wirksamkeit und Endpunkten (inklusive Körperfett-Metriken) sehr sichtbar gegeneinander abgewogen werden.
Neben der Pipeline arbeitet Zealand zugleich an der Bilanzsteuerung. Das im Mai gestartete Aktienrückkaufprogramm über bis zu 200 Millionen US-Dollar hat bis zum 7. August bereits 742 Millionen Kronen erreicht. Damit nutzt das Unternehmen vorhandene Liquidität nicht nur als „Winterreserve“, sondern als Instrument, um Aktionäre an der operativen und klinischen Fortschrittsgeschichte teilhaben zu lassen. Ergänzend kommt eine Transaktion mit Royalty Pharma hinzu: Zealand verkauft Lizenzrechte an Rusfertide, einem nicht zum Kerngeschäft zählenden Wirkstoff gegen Polycythaemia vera, für 100 Millionen Dollar und behält eine Restlizenz von 0,25 Prozent auf Umsätze oberhalb von 1,5 Milliarden Dollar. Solche Verkäufe sind in der Branche häufig ein Weg, Portfolio-Fokus zu schärfen und Kapital in die eigenen Kernprogramme zu lenken.
Am Kapitalmarkt reagiert die Aktie in der vorbörslichen US-Handelsphase mit einem moderaten Plus von 2,4 Prozent auf 336,90 Dollar. Der Kurs liegt zwar 44,4 Prozent über dem 52-Wochen-Tief, jedoch weiterhin rund 39 Prozent unter dem Hoch von 555,30 Dollar. Die Bewertung fällt damit offenbar differenziert aus: Das Update gilt als konstruktiv, aber nicht als Überraschung. Zeitlich werden die nächsten Prüfsteine zügig erwartet: Im Herbst soll die Phase-3-Studie zu Petrelintide starten, später im Jahresverlauf werden Ergebnisse der ZUPREME-2-Studie bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes erwartet. Am 12. November legt Zealand die Zahlen zum dritten Quartal vor. Für Anleger und Entscheider im Biotech-Umfeld ist dabei weniger der Halbjahresumsatz die Leitgröße, sondern die Abfolge von klinischen Meilensteinen und die Fähigkeit, Kapitaldisziplin mit Fortschritt in der Zulassungspipeline zu verbinden.
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