LONDON (IT BOLTWISE) – Fitch Ratings bestätigt die langfristigen Ausfallratings der USA in Fremd- und Landeswährung mit „AA+“ bei stabilem Ausblick. Als Belastungsfaktoren nennt die Agentur hohe Haushaltsdefizite, eine erhebliche Zinslast sowie ein hohes und weiter steigendes Niveau der Staatsverschuldung. Im Vergleich zur Herabstufung von „AAA“ auf „AA+“ im August 2023 bleibt Fitch damit bei einer vorsichtigen Bewertung. Entscheidend ist zugleich die stützende Rolle des Dollar als globale Reservewährung und der Finanzierungsflexibilität.

Fitch Ratings hält die Kreditwürdigkeit der USA auf „AA+“ und setzt damit nach der Herabstufung im August 2023 den nächsten Akzent eher auf Stabilität als auf weitere Eskalation. Konkret geht es um die langfristigen Emittentenausfallratings (Issuer Default Ratings) der USA in Fremd- und Landeswährung. Fitch nennt einen stabilen Ausblick und ordnet die derzeitige Lage damit so ein, dass sich die ausfallrelevanten Risiken zwar nicht auflösen, aber auch nicht in eine unmittelbare Abwärtsspirale kippen. Für Investoren und Treasury-Teams ist das eine relevante Nachricht, weil „AA+“ typischerweise nahe an der oberen Bonitätsklasse liegt und sich daraus in vielen Mandaten ein enger Rahmen für Risikolimits und Portfolio-Constraints ergibt.
Technisch betrachtet spiegelt sich in solchen Ratings die Kombination aus makroökonomischer Tragfähigkeit, fiskalischer Dynamik und Liquiditäts-/Refinanzierungsbedingungen. Fitch führt als zentrale Belastungen hohe Haushaltsdefizite und eine erhebliche Zinslast an. Dazu kommt ein hohes und steigendes Niveau der Staatsverschuldung. Die Details sind wichtig, weil sie zeigen, wie die Ratinglogik funktioniert: Selbst wenn das absolute Wirtschaftsniveau solide bleibt, kann der Zinsanteil am Haushalt die fiskalische Spielräume verengen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Politik und Budgetplanung kurzfristig unter Druck geraten. Für die USA benennt Fitch darüber hinaus den Faktor „steigende“ Schuldenlast explizit als Treiber der Risikoentwicklung.
Der Blick zurück macht klar, warum Fitch bei „AA+“ bleibt: Im August 2023 hatte die Agentur die Bonität von „AAA“ auf „AA+“ gesenkt. Damals verwies Fitch auf die wachsende Schuldenlast und auf politische Handlungsunfähigkeit, weil sich Gesetzgeber im Streit um die Schuldenobergrenze der US-Regierung festgefahren hatten. In der aktuellen Bewertung verschiebt sich der Schwerpunkt weniger auf das Ereignis an sich, sondern mehr auf die strukturelle fiskalische Trajektorie. Fitch prognostiziert, dass die gesamte Staatsverschuldung der USA im Verhältnis zum BIP bis Ende 2028 voraussichtlich auf 123 Prozent steigt, gegenüber 117 Prozent Ende 2025. Unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen soll die Schuldenquote bis 2030 zudem auf 128 Prozent zunehmen.
Auf der Ausgabenseite liefert Fitch ebenfalls eine konkrete Budget-Interpretation: Das Staatsdefizit soll im laufenden Jahr auf 7,4 Prozent des BIP ansteigen, nach 6,8 Prozent im Jahr 2025. Zugleich betont die Agentur, dass Bemühungen zur Defizitverringerung über Ausgabenanpassungen voraussichtlich begrenzt bleiben, weil die ermessensabhängigen Ausgaben außerhalb des Verteidigungsbereichs weniger als 15 Prozent der Gesamtausgaben ausmachen. Diese Logik ist für Marktteilnehmer zentral, weil sie erklärt, warum reine „Feinjustierungen“ im Budget bei einer so breiten Ausgabenbasis nicht automatisch zu einer schnellen Defizitkonsolidierung führen. Dazu passt die Annahme, dass die Schuldenobergrenze von 41,1 Billionen US-Dollar Mitte 2027 erreicht wird.
Gleichzeitig bleibt Fitch nicht nur bei den Risiken, sondern nennt auch die stützenden Faktoren, die das Rating im „AA+“-Bereich halten. Dazu zählt die Größe der Volkswirtschaft, aber auch das hohe Pro-Kopf-Einkommen. Vor allem aber verweist Fitch auf die Finanzierungsflexibilität, die sich aus der Rolle des Dollar als globale Reservewährung ergibt. Diese Reservewährungsfunktion ist für die Währungs- und Liquiditätsseite entscheidend, weil sie Nachfrage nach US-Anlagen auch dann stützt, wenn in anderen Regionen Risikoaufschläge steigen. Daneben spielt für Fitch aber auch der Arbeitsmarkt eine Rolle: Die Nachfrage nach Arbeitskräften habe sich abgeschwächt, und die Schaffung von Arbeitsplätzen sei in diesem Jahr deutlich zurückgegangen. Damit verbindet Fitch fiskalische Belastungen indirekt mit wirtschaftlicher Dynamik: schwächere Beschäftigung kann die Einnahmenentwicklung dämpfen und die politischen Spielräume zusätzlich reduzieren.
Für Unternehmen und Finanzentscheider hat die Bestätigung „AA+“ vor allem eine praktische Dimension: Sie beeinflusst Erwartungen entlang der Zinskurve, Risikoprämien und die Bewertungsannahmen in Treasury-Strategien. Auch wenn ein Rating-Upgrade oder eine weitere Herabstufung nicht im Fokus steht, bleibt das Setup volatil, weil die genannten Parameter – Zinslast, Defizit und Schuldenquote – konsequent beobachtet werden. In der Praxis bedeutet das: Wer Laufzeiten strukturiert oder Hedging-Strategien plant, muss Rating-Kommunikationen wie diese als Signal für die wahrscheinlichste Bandbreite künftiger Kreditspreads und für die Sensitivität gegenüber fiskalpolitischen Themen behandeln. Und auch KI-gestützte Prognosemodelle, die häufig für Szenario- und Risikoanalysen eingesetzt werden, profitieren hier indirekt: Sie können die von Fitch beschriebenen Kennzahlenpfade (z. B. Defizitquote, Schuldenquote, Zinslastdruck) als Kalibrierungsanker nutzen, statt nur auf historische Korrelationen zu setzen.
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