NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Im außerklnischen Jahresbericht 2025 des Deutschen Reanimationsregisters werden jährlich rund 65.000 Patientinnen und Patienten genannt, bei denen der Rettungsdienst außerhalb von Krankenhäusern Wiederbelebungsmaßnahmen einleitet. Die Überlebensrate bleibt laut Bericht seit Jahren bei elf Prozent. Gleichzeitig verfehlt der Rettungsdienst erneut das Ziel, 80 Prozent der Betroffenen binnen acht Minuten zu erreichen: Erreicht werden nur 70 Prozent. Der Bericht betont außerdem, dass Laien häufig früh starten und telefonische Anleitung dabei eine zentrale Rolle spielt.

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Außerhalb von Krankenhäusern entscheidet bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand oft nicht die letzte technische Stellschraube über Leben oder Tod, sondern die Zeit bis zur ersten wirksamen Maßnahme. Der außerklnische Jahresbericht 2025 des Deutschen Reanimationsregisters, der in NÜRNBERG vorgelegt wurde, liefert hierfür konkrete Ausgangsdaten: In Deutschland erleiden demnach jeden Tag etwa 350 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Bei rund 65.000 Patientinnen und Patienten leitete der Rettungsdienst im vergangenen Jahr Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Zwei Drittel waren Männer, mehr als die Hälfte war älter als 70 Jahre.

Besonders relevant für die Einsatzplanung ist die Kombination aus stabiler Erfolgskennzahl und gleichzeitigem Zeitdefizit. Laut Bericht liegt die Überlebensrate seit Jahren bei elf Prozent. Parallel dazu habe der Rettungsdienst jedoch erneut sein Ziel verfehlt, 80 Prozent der Betroffenen binnen acht Minuten nach Alarmierung zu erreichen; tatsächlich lag die Rate nur bei 70 Prozent. Für die Datengrundlage wurden Informationen aus 208 Notarzt- und Rettungsdiensten in ganz Deutschland ausgewertet. Um daraus belastbare bundesweite Hochrechnungen abzuleiten, nutzte das Register eine Referenzgruppe mit 56 Standorten, die besonders vollständig und qualitativ hochwertig dokumentieren.

Damit rückt ein anderer Hebel in den Fokus: die frühe Kette der Wiederbelebung vor dem Eintreffen professioneller Einsatzkräfte. In mehr als der Hälfte der Fälle hätten bereits Laien am Ort des Geschehens mit der Wiederbelebung begonnen, häufig unterstützt durch telefonische Anleitung aus den Rettungsleitstellen. Für die Umsetzung in der Fläche ist das mehr als eine Wohlfühlzahl, denn telefonbasierte Reanimationsanleitung wirkt direkt in der Zeitlücke, die entsteht, wenn Alarmierung und Eintreffen des Rettungsdienstes nicht nahtlos zusammenfallen. Zusätzlich waren in mehr als zwölf Prozent der Fälle Ersthelfer und sogenannte First Responder beteiligt. Dabei handelt es sich um ehrenamtlich Tätige mit speziellen Kenntnissen, die – je nach Region und Organisation – vergleichsweise schnell am Ereignisort sein können.

Der Bericht macht damit zugleich deutlich, wo Verbesserungspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Jan-Thorsten Gräser, Sprecher des Deutschen Reanimationsregisters, ordnet die Ergebnisse in den Kontext einer veränderten „Rettungskette“ ein: „Unsere Daten zeigen, dass die Rettungskette heute auf deutlich mehr Schultern ruht als noch vor wenigen Jahren“, sagte er. Gleichzeitig betont er einen zweiten Schwerpunkt: „Gerade in der telefonischen Reanimationsanleitung und im Ausbau alarmierter Ersthelfersysteme liegt weiter großes Potenzial, damit bis zum Eintreffen von Rettungsdienst und Notarzt möglichst früh mit der Wiederbelebung begonnen wird, denn jede Minute zählt“, führte er aus. Auch der Einsatz von Defibrillatoren wird laut Bericht als noch unterrepräsentiert beschrieben und könnte deutlich ausgebaut werden – ein Punkt, der die technische Seite der Rettungskette betrifft, ohne die menschliche Sofortaktion zu ersetzen.

Technisch lässt sich die Logik hinter diesen Kennzahlen gut nachvollziehen. Der Herz-Kreislauf-Stillstand ist zeitkritisch, weil Gehirn und andere Organe ohne Durchblutung schnell Schaden nehmen. Wiederbelebung bedeutet deshalb in erster Linie, dass man den Kreislauf durch Thoraxkompressionen künstlich aufrechterhält, bis gezielte Maßnahmen wie eine Defibrillation möglich sind. Ein Defibrillator ist dafür besonders wirksam, wenn ein defibrillierbarer Rhythmus vorliegt – und genau hier entscheidet die Verfügbarkeit am Einsatzort über die Chance, die Wirkung früh genug zu erreichen. Wenn der Bericht den Defibrillatoreinsatz als noch wenig ausgeprägt beschreibt, heißt das nicht, dass die Geräte „nicht funktionieren“, sondern dass in der Praxis häufig Wege zur frühzeitigen Anwendung noch zu selten entstehen oder zu langsam greifen.

Für Betreiber von Rettungsdiensten und für Entscheidungsträger im Gesundheitswesen ergibt sich daraus eine klare Priorisierung: Die ambulante Versorgung vor Ort muss stärker als gemeinschaftliches System gedacht werden – mit abgestimmten Schnittstellen zwischen Leitstelle, alarmierten Ersthelfern und der professionellen Versorgung. Der Hinweis auf 70 Prozent innerhalb von acht Minuten ist dabei gleichzeitig ein Planungsauftrag und eine Messlatte: Er zeigt, dass es zwar Fortschritte in der Breite geben kann, die Kernzeit jedoch weiterhin zu oft außerhalb der Zielspanne liegt. Gleichzeitig liefern die Zahlen zur Beteiligung von Laien (über die Hälfte der Fälle) und zu First Respondern (mehr als zwölf Prozent) Hinweise darauf, dass bereits ein Teil der „Vor-Ort-Fähigkeit“ aufgebaut wurde. Entscheidend wird nun, ob sich die Organisation weiter beschleunigt: durch bessere Alarmierungswege, standardisierte telefonische Anleitung, stärkere Schulungsangebote für potenzielle Ersthelfer und eine strategische Platzierung bzw. Erreichbarkeit von Defibrillatoren.

Aus industrie- und organisationspolitischer Perspektive berührt der Bericht auch das Umfeld, in dem digitale Unterstützung oft diskutiert wird. Zwar nennt der Jahresbericht keine KI-basierten Verfahren, aber die beschriebenen Prozesse – Alarmierung, Anleitung, Einbindung von Ersthelfern – sind typische Kandidaten für datengetriebene Optimierung, etwa durch bessere Leitstellen-Workflows, durch Qualitätssicherung in Trainingsprogrammen und durch Auswertung von Einsatzverläufen, um die Zeit bis zur ersten effektiven Maßnahme weiter zu verkürzen. Der wesentliche Punkt bleibt jedoch: Die Kennzahlen zeigen, dass schon jetzt mehr Menschen als früher aktiv in die Rettungskette eingebunden sind. Die nächste Qualitätsstufe entsteht aus der Kombination von schnellerer Erreichbarkeit des Rettungsdienstes, verlässlicher telefonischer Anleitung und dem Ausbau der frühen Defibrillation.


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