LONDON (IT BOLTWISE) – MSCI holt sich bis Ende September Feedback zu Änderungen der Indexregeln für Kryptotreasury-Unternehmen ein, die im November 2026 wirksam werden sollen. Wenn die Vorschläge umgesetzt werden, könnten Strategy und Metaplanet aus allen Global Investable Market Indexes gestrichen werden. Ein MSCI-Backtest im Mai identifizierte zudem die britische Uran-Investorin Yellow Cake als Kandidatin für die gleiche Entfernung. Unklar bleibt, wie stark der dadurch ausgelöste Verkaufsdruck bei passiven Fonds tatsächlich ausfällt.

Im November 2026 steht bei MSCI eine Entscheidung an, die für Krypto-Treasury-Aktien ebenso wie für andere nicht-operativ ausgerichtete Investmentvehikel potenziell spürbar ist. Der Indexanbieter hat dafür Konsultationen mit Marktteilnehmern gestartet und plant, die vorgeschlagenen Änderungen im Rahmen des Index Reviews im November umzusetzen. Konkret geht es um eine Streichung aus den Global Investable Market Indexes, falls die Kandidaten die neuen Filter nicht passieren. Besonders im Fokus stehen dabei Strategy und Metaplanet, zwei Gesellschaften, deren Geschäftsmodell stark auf Bitcoin-Positionen als Treasury-Strategie ausgerichtet ist.
Technisch betrachtet setzt MSCI nach den aktuellen Plänen auf ein zweistufiges Screening je Industrie. In der ersten Stufe sollen Emittenten automatisch „durchgewunken“ werden, wenn ihr Anteil an Operating Assets (operative Vermögenswerte) über 50% der Gesamtassets liegt. Wer darunter fällt, wird in eine zweite Bewertung geschickt, die die Intensität operativer Assets anhand mehrerer Kennzahlen prüft: Dazu zählen die Höhe und Struktur der Operating Expenses, der Operating Cash Flow, nicht-operative Fair-Value-Änderungen sowie wie stark das Unternehmen auf Finanzierung angewiesen ist, um das Asset-Volumen aufzubauen. Ein „non-operating“-Unternehmen wird in diesem Regelwerk definiert, wenn es mindestens vier von fünf genannten Kriterien auslöst.
Damit wird auch verständlich, warum die Konsultation nicht nur die Krypto-Spezialfälle adressiert, sondern zugleich breiter wirkt als eine frühere, stärker kryptospezifische MSCI-Regel. Zuvor hatte MSCI eine Schwelle vorgeschlagen, die als einfacher Asset-Test auf bestimmte Treasury-Bereiche digitaler Asset-Firmen fokussieren sollte; diese wurde im Februar wieder zurückgezogen, nachdem Investoren Zweifel äußerten, ob sich mit einem reinen Asset-Anteil klar zwischen operativen Unternehmen und Investmentvehikeln unterscheiden lässt. In der jetzigen Variante bleibt zwar die Idee eines „Operating“-Schwerpunktes erhalten, die Umsetzung soll jedoch über eine Industrie- und Kennzahlenlogik laufen. MSCI führt außerdem an, dass ein Mitgliedsstatus innerhalb des Regelwerks zu weniger strengen Kriterien führen kann; fällt ein Mitglied aber nicht durch, erfolgt eine mögliche Exklusion erst nach erneutem Nichtbestehen in zwei aufeinanderfolgenden jährlichen Reviews.
Für die Marktfolgen ist entscheidend, wie MSCIs eigene Simulationen die Kandidaten einordnen. In einem Backtest für Mai 2026, der die geplante Methodik verwendet, wurden Strategy und Metaplanet als zwei der Unternehmen identifiziert, die bei einer Umsetzung gelöscht würden. Hinzu kommt mit Yellow Cake eine weitere Gesellschaft, die in den Unterlagen ebenfalls als potenzieller Kandidat auftauchte; der Backtest nennt dabei Free-Float-adjusted Market Capitalizations von 23,93 Mrd. USD für Strategy, 1,81 Mrd. USD für Metaplanet und 654 Mio. USD für Yellow Cake. Gleichzeitig tauchten weitere Unternehmen wie SharpLink, Center Laboratories und Lydia Holding nur auf einer „Watchlist“ auf, weil sie im Simulationsergebnis nur eine einzige Qualifikationsperiode des Versagens gezeigt hätten.
Wenn MSCI die Streichungen im November realisiert, können passive Fonds, die diese MSCI-Indexfamilien abbilden, gezwungen sein, die betroffenen Titel zu verkaufen. MSCI liefert allerdings in der aktuellen Konsultation keine eigene Schätzung für das Ausmaß des Verkaufsdrucks. Als Orientierung wird dennoch auf eine frühere Kryptotreasury-bezogene Konsultation verwiesen: Dort hatte eine Bank die Annahme formuliert, dass ohne Strategy rund 2,8 Mrd. USD an passivem Verkaufsdruck entstehen könnten – allerdings explizit auf Basis der alten Methodik und damit nicht automatisch übertragbar auf die jetzt konsultierten Änderungen. Gerade weil die Logik von einem einfachen Krypto-Asset-Threshold auf ein breiteres, zweistufiges Operating-Screening umstellt, kann sich der Kreis der betroffenen Emittenten gegenüber früheren Szenarien verändern.
Parallel zur Indexregel für das Jahr 2026 zeichnet sich bereits eine weitere geplante Anpassung ab, die ebenfalls im November zur Umsetzung gelangen könnte. Während Strategy weiterhin stark mit Bitcoin verbunden bleibt und Metaplanet seine Bitcoin-Treasury-Strategie fortsetzt, stehen die Titel noch nicht unter endgültigem Index-Statusverlust. Wichtig ist zudem die Einordnung der verfügbaren Zahlen: Die genannten Streichkandidaten stammen aus einem hypothetischen MSCI-Simulationslauf, der mit den zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Daten arbeitet; ob die späteren tatsächlichen Einreichungen der Unternehmen und das in der Methodik geforderte Persistenzkriterium die Kandidaten am Ende wirklich „durchfallen“ lassen, ist offen. Für Unternehmen und Investoren heißt das vor allem eines: Selbst bei einer jetzt absehbaren Richtung der Indexprüfung bleibt der konkrete Portfolio-Effekt bis zum November-Outcome ein variabler Faktor.
Für die Praxis in Portfolios und Treasury-Strategien verschiebt sich damit der Schwerpunkt weg von einem einzelnen Kryptoschwellenwert hin zu einer strengeren, kennzahlenbasierten Klassifizierung nach operativer Substanz. Die Konsultationsphase endet voraussichtlich am 30. September, während MSCI den Ausgang der Rückmeldungen „um den 16. Oktober herum“ kommunizieren will; eine Umsetzung wäre dann in der darauffolgenden November-Iteration möglich. Gleichzeitig betont MSCI, dass die Konsultation keine Garantie dafür ist, dass alle vorgeschlagenen Änderungen tatsächlich übernommen werden. Wer Index-Exposure über passive Vehikel fährt, sollte daher die laufenden Firmen-Updates und die potenziellen Persistenztests aktiv im Blick behalten, statt sich allein auf einzelne Backtest-Ergebnisse zu verlassen.
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