TAMBOPATA NATIONAL PARK, MADRE DE DIOS / LONDON (IT BOLTWISE) – Peru geht mit einer groß angelegten Militäraktion gegen illegale Goldminen im Tambopata National Park vor. Einheiten stürmten Camps im Dschungel, setzten Ausrüstung und Lagerstellen in Brand oder sprengten sie, und führten Frauen sowie ein Kind zur Befragung ab. Die Maßnahme knüpft an „Operation Mercury“ von 2019 an, als es nach Angaben des MAAP kurzfristig zu einem Rückgang der Förderung kam. Jetzt soll eine langfristige, koordinierte Präsenz verhindern, dass die illegalen Abbauaktivitäten zurückkehren.

Über dem südöstlichen Amazonas in der Region Madre de Dios stiegen diese Woche Rauch und Trümmer auf, nachdem Sicherheitskräfte illegale Goldminen-Camps im Tambopata National Park angegriffen hatten. Der Einsatz macht aus einem ursprünglich lokalen Problem eine staatliche Priorität: Tambopata liegt in unmittelbarer Nähe zu einem stark touristisch geprägten Gebiet, das laut Angaben des Berichts pro Jahr von rund 40.000 Besuchern aufgesucht wird. Dass die Camps inzwischen „kleine Dörfer“ bis hin zu regelrechten Orten mit Bars und provisorischer Gastronomie angenommen haben, zeigt vor allem eins: Der illegale Bergbau hat sich nicht nur in den Wald „eingefressen“, sondern eine Infrastruktur geschaffen, die sich nur noch schwer im Vorfeld abschrecken lässt.
Technisch und operativ folgte der Zugriff einem klaren Muster der Durchsetzung. Einheiten stürmten die Standorte, während mutmaßliche Bergleute in Richtung tieferer Dschungelbereiche flohen. Zurück blieb Material in großer Menge – etwa Boote, Campsites und großdimensionierte Ausrüstung – die entweder angezündet oder mit Sprengstoff gesichert und zur Explosion gebracht wurden. Auffällig ist zudem, dass Personen aus den Camps gesondert eskortiert wurden: Frauen sowie ein Kind wurden zur Befragung von den Grundstücken weggebracht und später in die nächstgelegene Stadt Puerto Maldonado zurückgeführt; eine Freilassung wird ausdrücklich erwähnt. Damit will der Einsatz nicht nur „abbauen“, sondern auch Informationswege für die anschließende Strafverfolgung öffnen.
Damit ist auch die zeitliche Logik der Maßnahme verständlich: „Operation Mercury 2“ baut auf einer ersten Kampagne auf, die vor sieben Jahren als vorübergehend wirksam beschrieben wurde. Laut Monitoring des Projekts „Monitoring of the Andes Amazon Program (MAAP)“ sank die illegale Förderung nach dem ersten Einsatz zunächst um 90 %, bevor sie wieder auf ein Niveau anstieg, das frühere Werte übertraf. Der Grund dafür liegt weniger in fehlenden reinen Kontrollen als in den Anreizstrukturen des globalen Markts: Goldpreise treiben die Wirtschaftlichkeit selbst kleiner Fördermengen. Seit der ersten Operation stieg der Preis nach den Angaben aus dem Bericht von durchschnittlich etwa 1.394 US-Dollar je Unze auf rund 4.395 US-Dollar je Unze; das entspricht einer Steigerung um etwa 215 %. Diese Dynamik wirkt wie ein Verstärker, sobald illegale Akteure Standorte finden, die schnell wieder befüllbar sind und mit Versteck- oder Fluchtmöglichkeiten arbeiten.
Ökologisch verschärft sich das Bild zusätzlich durch die kombinierte Wirkung von Flächenverlust und Giftbelastung. MAAP beziffert die Zerstörung in der peruanischen Amazonasregion bis Mitte 2025 auf fast 344.000 Acres; besonders stark ist der Anteil der Entwaldung in Madre de Dios mit 97,5 %. Die Präsenz verteilt sich demnach über neun Regionen und wurde in 225 Flüssen und Bächen dokumentiert. Während die Minen selbst Landschaften niedertrampeln, bildet die Quecksilberproblematik den zweiten, technisch besonders folgenreichen Hebel: Das im Prozess eingesetzte Metall gelangt in die Nahrungskette und kontaminiert Gemeinschaften. Eine Studie aus dem Jahr 2021, die Gemeinden in Madre de Dios untersuchte, fand in den Angaben zufolge bei 71 % der Menschen in Bergbau-Communities und bei 80 % außerhalb davon Haar-Quecksilberkonzentrationen oberhalb des Referenzwerts der US-Umweltschutzbehörde EPA. Forschende stellten außerdem einen Zusammenhang zwischen Fischkonsum und höheren Quecksilberwerten fest; mehrere Fischarten seien für den Verzehr verboten, doch der Bericht nennt auch, dass viele Märkte sich nicht an diese Regeln halten.
Die Aktion ist deshalb mehr als ein einmaliger Sicherheitsvorfall. Laut Berichtslogik startet „Operation Mercury 2“ erst dann voll, wenn illegale Akteure dauerhaft aus dem Park gedrängt wurden und eine robuste, langfristige Multi-Agency-Präsenz aufgebaut ist, um eine Rückkehr zu erschweren. In dieser Phase wird die Zusammenarbeit mit Behörden und die Fähigkeit, Standorte nach einem Einsatz schneller zu überwachen, entscheidend. Dass in Tambopata nur ein Teil von sechs besonders gefährdeten Nationalparks in Peru betroffen ist, unterstreicht den systemischen Charakter: Illegale Förderung zerstört Hunderte Quadratmeilen geschützter Flächen, darunter auch UNESCO-Welterbestätten. Für Unternehmen und öffentliche Träger bedeutet das: Wer Projekte in der Region plant, muss das Thema Umwelt- und Reputationsrisiko enger an Konflikt- und Vollzugsrealitäten koppeln.
Bemerkenswert ist außerdem die Rolle der Finanzierung über eine Naturschutzorganisation. Der Bericht beschreibt, dass die Aktion teilweise von Global Conservation unterstützt wird, dessen Auftrag auf den direkten Schutz gefährdeter Nationalparks und indigener Territorien in Entwicklungsländern zielt. Global Conservation positioniert „Operation Mercury 2“ als Signalwirkung: Illegale Minen sollen nicht nur „kurzzeitig entfernt“, sondern als Linie der Regierung gegen fortgesetzte Verunreinigung von Flüssen und Wasserversorgung dauerhaft unterbunden werden. Für die politische Wirkung zählt dabei auch der Timing-Effekt: Der Einsatz findet in einem Umfeld statt, in dem der Goldmarkt globale Preisniveaus erreicht, die illegale Aktivitäten wieder attraktiver machen. Die Botschaft lautet entsprechend nicht „Kontrolle reicht“, sondern „Kontrolle plus nachhaltige Präsenz und Datenlage“ – und genau diese Kombi wird nach dem Start der zweiten Operation zum Prüfstein.
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