WETZLAR / LONDON (IT BOLTWISE) – Akupunktur aus der Traditionellen Chinesischen Medizin rückt in der komplementären Versorgung von Krebspatienten stärker in den Fokus. Die Ärztin Sabine Hargarter-Kornder beschreibt, dass vor allem Übelkeit und das Fatigue-Syndrom im Umfeld einer Chemotherapie adressiert werden können. Auch in der neurologischen Rehabilitation nach einem Schlaganfall sieht sie Akupunktur als Option, insbesondere bei Spastiken. Gleichzeitig warnt sie vor zu schnellen Erfolgsversprechen, wenn Beschwerden schon länger bestehen.

Akupunktur im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird in der komplementären Versorgung offenbar häufiger als Ergänzung zur onkologischen Behandlung diskutiert. Im Zentrum steht dabei weniger die Frage, ob die Schulmedizin ersetzt werden soll, sondern wie sich Nebenwirkungen abfedern lassen, die den Alltag vieler Patientinnen und Patienten während der Chemotherapie spürbar belasten. Laut den Hinweisen der Medizinerin Sabine Hargarter-Kornder aus Wetzlar vom Mitte August 2026 geht es dabei konkret um Symptome, die nicht nur unangenehm sind, sondern auch die Belastbarkeit beeinflussen: Dazu zählen insbesondere ausgeprägte Übelkeit sowie das Fatigue-Syndrom, also eine anhaltende, oft chronische Erschöpfung.
Technisch betrachtet setzt die TCM bei der Akupunktur auf gezielte Reize an bestimmten Punkten, um physiologische Prozesse zu modulieren. Hargarter-Kornder beschreibt die Maßnahme dabei als ergänzende Strategie, die das „energetische Gleichgewicht“ stabilisieren und damit die Verträglichkeit der im Behandlungsverlauf eingesetzten Wirkstoffe verbessern soll. Entscheidend ist jedoch die praktische Erwartung: Akupunktur wird im beschriebenen Ansatz nicht als alleinige Therapie verstanden, sondern als Begleitung, die den Patienten helfen soll, Therapiezyklen besser zu überstehen. Wenn Übelkeit nachlässt, kann das außerdem indirekt relevant sein, weil dadurch der Ernährungszustand und die allgemeine Belastbarkeit stabilisiert werden können – beides sind Faktoren, die in der Versorgungspraxis häufig mitentscheidend sind, wie gut jemand durch die einzelnen Chemotherapiephasen kommt.
Der zweite Schwerpunkt liegt im neurologischen Kontext, der in der Berichterstattung klar getrennt von der Onkologie dargestellt wird. Nach Angaben der Medizinerin entfaltet Akupunktur in der Neurologie insbesondere bei Spastiken Bedeutung, die infolge eines Schlaganfalls auftreten können. In der Rehabilitation geht es dabei oft darum, Muskelüberspannung zu adressieren und Beweglichkeit wieder zu fördern. Hargarter-Kornder hebt zudem einen Punkt hervor, der für die Einordnung der Wirksamkeit in der Praxis besonders relevant ist: Der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns beeinflusse den Therapieerfolg. Je früher Reize gesetzt würden, desto besser könne das Nervensystem auf die Impulse reagieren – ein Hinweis, der sich in der Logik vieler Rehabilitationsprinzipien wiederfindet, wonach Frühinterventionen häufig bessere Voraussetzungen schaffen.
Für die Umsetzung im Alltag benennt die Darstellung über die Akupunktur hinaus TCM-nahe Prinzipien, die Patientinnen und Patienten nutzen sollen, um eigene Beweglichkeit zu unterstützen. Dabei geht es nicht um medizinische Detailanweisungen aus der Praxis, sondern um das Konzept, erlernte Techniken in den Alltag zu integrieren, um therapeutische Effekte zu stabilisieren. In der Berichterstattung taucht außerdem der Verweis auf alltagstaugliche „Tricks“ auf, die energetische Blockaden lösen sollen – wichtig ist hier vor allem das Zielbild: Reha ist nicht nur ein Terminplan, sondern ein kontinuierlicher Prozess, bei dem begleitende Selbstmaßnahmen die Brücke zwischen Behandlung und Alltag schlagen sollen.
Genauso deutlich wird jedoch betont, wo die Grenzen realistischer Erwartungen liegen. Fachleute mahnen in dem Kontext eine realistische Einschätzung an, insbesondere bei chronischen Verläufen. Hargarter-Kornder macht dies am Beispiel von Langzeitfolgen nach einem Schlaganfall fest: Wenn eine Spastik bereits seit drei Jahren besteht, sei eine Korrektur oder signifikante Besserung nicht innerhalb von nur zwei bis drei Sitzungen zu erwarten. Diese Aussage ist für die Versorgungsplanung zentral, weil sie die Therapiedauer und die Behandlungsintensität in Relation zu der Dauer der Beschwerden setzt. Wer aus einer frühen Sitzung unmittelbar eine große, sofortige Veränderung erwartet, riskiert Enttäuschung – und gegebenenfalls das vorschnelle Abbrechen einer Therapie, die bei chronischen Verläufen strukturelle und neurologische Anpassungen braucht.
Für Patientinnen und Patienten sowie für Behandler ergibt sich daraus eine konkrete Konsequenz: Akupunktur ist offenbar am sinnvollsten als Teil einer kontinuierlichen, individuell angepassten Behandlungsstrategie. Bei langjährigen Beschwerden müsse Geduld zur Planung dazugehören, weil verfestigte strukturelle und neurologische Veränderungen sich nicht kurzfristig „auflösen“ ließen. Gleichzeitig bleibt der Ansatz in der Darstellung nicht auf Versprechen reduziert, sondern stellt die TCM grundsätzlich in einen Kontext aus Krankheitsdauer und individueller Voraussetzung. So entsteht ein Bild, in dem Akupunktur ihre Rolle vor allem dort ausspielen soll, wo Begleit-Symptome die Lebensqualität senken und wo begleitende Therapielogik über längere Zeit tragfähig ist.
Auch über die konkrete Anwendung hinaus lässt sich aus der beschriebenen Schwerpunktsetzung eine breitere Entwicklung erkennen: Komplementärmedizinische Verfahren werden zunehmend dann diskutiert, wenn sie an reale Versorgungslücken andocken – etwa bei therapiebedingter Übelkeit und Fatigue oder bei rehabilitationsbezogenen Symptomen wie Spastiken. Für die Praxis bedeutet das, dass Integrationskonzepte mehr Aufmerksamkeit bekommen müssen, inklusive Abstimmung zwischen onkologischen und neurologischen Behandlungszielen. Die eigentliche Herausforderung besteht dabei weniger in der Frage, ob Akupunktur „funktioniert“, sondern darin, wie sie in bestehende Behandlungswege eingepasst wird: mit klaren Erwartungsrahmen, ausreichend Zeit für Anpassung und einer Strategie, die sowohl die akuten Beschwerden als auch die längerfristige Stabilisierung im Blick behält.
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