LONDON (IT BOLTWISE) – Giorgia Meloni stellt sich gegen eine mögliche Aufteilung der Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) durch Intesa Sanpaolo. Im Raum steht ein Szenario, bei dem Teile der Bank einschließlich Filialen, des historischen Hauptsitzes in Siena und der Marke an Unipol gehen, um sie mit der BPER-Bank zusammenzuführen. Die Regierung in Rom sieht darin eine Gefahr für die regionale Verankerung und fordert, dass MPS Namen und strategische Funktionen in Siena behält. Parallel belasten Ermittlungen wegen mutmaßlicher Marktmanipulation die Debatte.

Der Konflikt um die Zukunft der Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist zu einem politischen Stresstest geworden, der weit über eine einzelne Unternehmensentscheidung hinausweist. Giorgia Meloni hat sich in einem Interview gegen eine Aufteilung der Traditionsbank ausgesprochen und damit der Führung in Siena prominente Rückendeckung gegeben. Hintergrund ist eine nicht angeforderte Übernahmeofferte von Intesa Sanpaolo über 36 Milliarden Euro, die in der italienischen Finanzlandschaft sofort Konsolidierungsfantasien auslöste. Für MPS geht es dabei nicht nur um den Preis einer möglichen Transaktion, sondern auch um die Frage, ob Identität und regionale Rolle als Teil der Sanierungsgeschichte erhalten bleiben.
Intesa Sanpaolo wird in den Medienberichten mit einem Plan beschrieben, bei erfolgreicher Übernahme wesentliche Teile von MPS direkt weiterzuveräußern. Konkret ist die Rede davon, dass etwa die Hälfte der Filialen, der historische Hauptsitz in Siena sowie die Marke selbst an den Versicherer Unipol gehen sollen, wo sie dann mit der BPER-Bank verschmolzen würden. Die Logik dahinter ist aus Investorensicht naheliegend: Ein Käufer kann damit schneller sein, Synergien heben und den Integrationsaufwand reduzieren. Aus Sicht der MPS-Befürworter kollidiert diese Strategie jedoch mit dem Anspruch, die Bank nach der staatlichen Rettung im Jahr 2017 wieder als „gesunde“ Institution und als „wertvollstes Stück“ der laufenden Konsolidierung zu positionieren.
Meloni verknüpft ihren Widerstand ausdrücklich mit dem Minderheitsanteil des Staates: Rom hält derzeit 4,86 Prozent an dem Institut, und die Regierung bewertet eine Zerschlagung als Risiko für die regionale Verankerung. In der politischen Argumentation steht deshalb nicht die abstrakte Eigentumsfrage im Vordergrund, sondern die Sicherung strategischer Funktionen am Standort Siena. In der Toskana teilt der PD diese Stoßrichtung; dort wurden Gespräche mit Finanzminister Giorgetti am 20. August angekündigt, um konkrete Beschäftigungsgarantien einzufordern. Solche Zusagen wären zwar primär arbeitsmarktpolitisch motiviert, wirken aber indirekt auch auf den M&A-Prozess, weil Integrationspfade dann stärker auf Standortlogik ausgerichtet werden müssen.
Während die Politik die Deutungshoheit beansprucht, versucht die Bank selbst, den argumentativen Rahmen zu setzen. Der CEO von MPS, Luigi Lovaglio, betonte bei der Verleihung des „Premio Mangia“ in Siena, dass die Bank eine „Seele“ habe und man Seelen nicht teilen könne. Lovaglio prüft derzeit Verteidigungsoptionen gegen den Vorstoß von Intesa und vertritt dabei die Ansicht, dass das Angebot die Aktionäre nicht in vollem Umfang entlohne. Diese Haltung trifft jedoch auf zusätzliche Komplexität, weil die Debatte von Berichten über Ermittlungen überschattet wird: Nach Angaben der zuständigen Stellen werden Untersuchungen wegen mutmaßlicher Marktmanipulation geführt, die sich gegen Lovaglio sowie die Großinvestoren Caltagirone und Delfin richten; alle Beteiligten weisen die Vorwürfe zurück. Da Lovaglios Mandat im kommenden Frühjahr ausläuft, kann der Ausgang der Ermittlungen den Integrations- und Entscheidungsrhythmus im Konzernumfeld zusätzlich beeinflussen, selbst wenn das operative Tagesgeschäft weiterläuft.
Die Zerschlagungsdebatte fällt zudem in eine Phase, in der der italienische Finanzsektor ohnehin unter politischem Druck steht. Laut Berichten drängt die Lega auf eine dreijährige Sondersteuer in Höhe von fünf Prozent auf die Gewinne der zehn größten Banken des Landes. Solche Modelle verändern die Kapitalplanung: Selbst wenn nach Einschätzung von Scope Ratings das Kreditprofil der Institute nicht wesentlich schwächer werde, steigt für Beobachter die Sorge, dass die Investorenreaktion ausbleiben könnte, weil Netto-Renditen und Wiederanlageperspektiven weniger attraktiv werden. Für ein Institut wie MPS, das bereits durch eine staatliche Rettung gehen musste und dessen aktueller Marktwert stark vom Vertrauen in die weitere Privatisierung abhängt, kann bereits eine wahrgenommene Steuerhärte die Bewertungssensitivität erhöhen.
Wie eng sich diese Faktoren bereits in Zahlen niederschlagen, zeigt der Börsenkurs: Die Aktie von Banca Monte dei Paschi di Siena schloss am Freitag bei 12,03 Euro. Mit einer Marktkapitalisierung von 36,20 Milliarden Euro notiert das Papier derzeit nur etwa 0,4 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um 32 Prozent zugelegt, was die erfolgreiche Privatisierung und die verbesserte Profitabilität widerspiegelt. Für Anleger steht nun im Fokus, ob die politische Intervention aus Rom Intesas Übernahmeambitionen bremsen kann – oder ob sich am Ende doch eine Transaktion durchsetzt, bei der die strategische Ausgestaltung möglicherweise neu verhandelt werden muss.
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