HOCHFILZEN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Österreich zeigt sich bei der Ausbildung frischer Rekruten, dass klassische Lasttiere weiterhin taktischen Mehrwert liefern. Am Alpine Base in Hochfilzen tragen Haflinger-Pferde und acht Esel mit Pack-Sätteln bis zu rund 120 kg Munition, Waffen und Vorräte. Die Übung über einen rund acht Kilometer langen Gebirgspass trainiert Führung, Ausdauer sowie den Umgang mit unwegsamem Gelände. Besonders die Esel sollen Spezialkräften helfen, weil sie sich in vielen Ländern leichter beschaffen lassen und nicht von Funk- oder Wärme-Signaturen dominiert werden.

Während viele Armeen den Fokus auf Drohnen, Funkaufklärung und KI-gestützte Zielsysteme legen, verlagert Österreich einen Teil der Ausbildung überraschend auf etwas sehr Analoges: trainierte Lasttiere. Am Alpine Base in Hochfilzen bereiten Soldaten morgens erst Ställe und füttern dann 50 Haflinger-Pferde und acht als Arbeitstiere eingesetzte Esel. Vier Pferde und ein Esel bekommen Pack-Sättel, die nach Angaben aus dem Trainingsbetrieb bis zu etwa 120 kg für Munition, Waffen oder Versorgungslasten tragen können. Die Frage ist damit nicht, ob Technik wichtig bleibt, sondern wie sich Versorgungssicherheit und Gefechtsführung unter Bedingungen herstellen lassen, in denen Technik nicht zuverlässig oder nicht überlebensfähig ist.
Der Kern der Übung liegt in der Bewegung: Eine Trekking-Route führt zum Römersattel, einem Gebirgspass, der die österreichischen Bundesländer Tirol und Salzburg verbindet. Die Ausbildung soll dabei mehr leisten als nur „Berglaufen mit Tieren“. Den Angaben zufolge trainieren die Ausbilder Rekruten darauf, Tiere durch raues Gelände zu führen, ein trockenes Flussbett zu queren und dabei auch das Halten von Positionen unter feindnaher Bedrohung zu üben. Besonders relevant wird das, weil solche Drill-Formate auch bei internationalen Spezialeinheiten Aufmerksamkeit finden, die ihre Logistik und Resilienz verbessern wollen. In einem Umfeld, das durch den Krieg in der Ukraine geprägt ist, zählt für viele Streitkräfte vor allem, dass Nachschubwege nicht vollständig von einer einzigen Technologie abhängig sind.
Österreichs Ausbildungskonzept hängt eng mit der Struktur des Landes zusammen. Da auf Rekruten basierende Einheiten und die verfassungsrechtliche Neutralität eine Rolle spielen, organisiert Staff Sergeant Florian Manzl die Ausbildung in Hochfilzen so, dass etwa 40 Soldaten alle vier Monate neu an die Pack-animal-Komponente herangeführt werden. Die Mehrzahl startet mit wenig Erfahrung im Umgang mit Tieren und ohne ausgeprägte Ausdauerpraxis; laut Trainingsverantwortlichen sollen die Teilnehmenden am Ende in der Lage sein, mit Pferden und Eseln bis zu 80 km pro Woche zu gehen und dabei die Führung der Tiere zuverlässig zu beherrschen. Diese Ausrichtung auf Anfänger erklärt auch, warum das Zentrum nicht nur Pferde einsetzt, sondern seit 2016 gezielt Esel integriert.
Der praktische Nutzen der Esel wird dabei aus Einsatzerfahrung abgeleitet: Esel wurden den Angaben zufolge auf Wunsch spezialisierter Einheiten eingeführt, weil sie in vielen Ländern leicht verfügbar sind. Das ist für Operationen im Ausland mehr als eine organisatorische Nebensache: Wer Tiere beschaffen muss, muss Lieferketten, Quarantänen, Transportwege und damit verbundene Verzögerungen einkalkulieren. Gleichzeitig verändert sich die Führungsdynamik. Pferde folgen als Herdtiere eher instinktiv einem Leittier, während Esel stärker unabhängig denken und nur mit einem vertrauten Führer zuverlässig arbeiten. Für unerfahrene Rekruten bedeutet das zusätzliche Trainingszeit, aber auch eine bessere Vorbereitung auf eine Situation, in der nicht jedes Teammitglied eine „Standardroutine“ abrufen kann. Dazu kommt ein anderes Verhalten im Gelände: Esel seien demnach in schwierigem Terrain auf das Treten in mehreren Richtungen „eingelernt“, was für Neulinge schmerzhaft werden kann.
Technisch betrachtet liegt der taktische Mehrwert weniger in der „Tierromantik“, sondern in Eigenschaften, die sich direkt auf Sensorik und Detektionsrisiken auswirken. Laut Ausbildungsangaben sind Lasttiere bei Hitze, tiefer alpiner Schneedecke sowie bei Regen und Nebel nutzbar, ohne dass dafür Kraftstofflogistik, spezielle Ersatzteile oder hochgerüstete Wartung nötig wären. Vor allem wird die geringere Verwundbarkeit gegenüber elektronischer Kampfführung betont: Esel und Pferde erzeugen keine dominanten Signaturen wie Wärmeabstrahlung, typische Geräusche oder ausgeprägte Funk- und elektromagnetische Emissionen. Diese Grundlage soll es ermöglichen, mit geringerer Detektionswahrscheinlichkeit durch Drohnen und andere Überwachungssysteme zu kommen – ein Vorteil, der besonders dort zählt, wo selbst kurze Bewegungsfenster kritisch sind und Umwege nicht beliebig ausgedehnt werden können.
Ein weiterer Aspekt ist der internationale Vergleich innerhalb Europas. Die Quelle ordnet Österreich in einen größeren Trend ein: Alpenländer betreiben eigene Pack-animal-Zentren, weil Pferde und Esel auf Gebirgsstrecken besonders nützlich sind. Die Unterschiede sind jedoch deutlich. Während Deutschland laut Beschreibung stärker auf professionelle Einheiten setzt, trainieren Österreich und die Schweiz vor allem Rekruten und Reservisten. Auch die Tierauswahl folgt einer Strategie: In der Schweiz kommen Freiberger als letzte heimische Rasse zum Einsatz, Deutschland nutzt Maultiere, die jedoch aufgrund ihrer Fortpflanzungsthematik schwieriger zu beschaffen seien. Österreich setzt wiederum auf Haflinger als breit verfügbare Option und kombiniert das mit Eseln für Spezialaufgaben. Für Unternehmen und Technologieanbieter ergibt sich daraus eine ungewöhnliche Implikation: Selbst wenn KI und Automatisierung die Informationslage verbessern, bleibt „Physical Logistics“ ein eigener, resilienter Pfad – und damit ein Feld, in dem Simulation, Einsatzplanung und Sensorik-Design Hand in Hand mit klassischen Fähigkeiten gehen können. Nach der Rückkehr zum Stützpunkt endet der Tagesbetrieb nicht abrupt: Die Tiere werden gepflegt, gewaschen und teils gedehnt, bevor sie in der Sommerhitze ruhen können. Ob diese Kapazitäten künftig ausreichen, steht gleichzeitig im Raum, weil die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit der Tiere weiter steigen.
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