LONDON (IT BOLTWISE) – OpenAI hat für die macOS-App von ChatGPT die Funktion „Computer History“ nachgerüstet. Sie erfasst laut Unternehmensangaben Klicks, Tastatureingaben, Tastenkürzel und den Wechsel zwischen Apps und erstellt daraus eine durchsuchbare Zeitleiste. Die Aufzeichnung soll den Kontext für Anfragen verbessern und frühere Arbeitsschritte nachvollziehbar machen. Standardmäßig bleibt das Feature in der Opt-in-Variante deaktiviert; in Unternehmen ist zudem eine Freigabe durch Administratoren nötig.

OpenAIs neue Funktion „Computer History“ zeigt vor allem eines: Die nächste Stufe der KI-gestützten Assistenz besteht nicht nur aus besseren Antworten, sondern aus detaillierteren Nutzungsdaten. Mit dem Rollout für die macOS-Anwendung von ChatGPT wird Künstliche Intelligenz in die Lage versetzt, Interaktionen auf dem Betriebssystem als Ereigniskette zu erfassen und daraus eine durchsuchbare Timeline sowie Erinnerungen abzuleiten. Ziel ist es, den Kontext für Folgeanfragen zu verbessern und vergangene Arbeitsschritte des Anwenders besser zu verstehen, statt jedes Problem wieder bei null anzusetzen.
Technisch basiert die „Computer History“ dabei auf einem Ereignismodell statt auf Medienaufnahmen. Laut OpenAI werden gezielt verschiedene Events protokolliert, darunter Klicks, Tastatureingaben, die Verwendung von Tastenkürzeln sowie das Umschalten zwischen Anwendungen. Entscheidend für die Einordnung in bestehende KI-Workflows: Auf diese chronologische Übersicht können sowohl ChatGPT als auch das Modell Codex zugreifen, wenn das Feature in der jeweiligen Konfiguration genutzt wird. Im Unterschied zu dem zuvor verwendeten Ansatz „Chronicle“, der auf Screenshots setzte, verzichtet die neue Variante ausdrücklich auf die Speicherung von visuellen oder akustischen Medien wie Bildschirmfotos, Videos oder Audioaufnahmen.
Damit verändert sich auch das Datenschutzprofil – allerdings nicht automatisch zum Vorteil. OpenAI schreibt, die Ereignisse würden lokal auf dem Rechner abgelegt, und zwar als unverschlüsselte Markdown-Dateien im Klartext. In der Praxis bedeutet das: Wer Zugriff auf das Dateisystem hat, könnte die Protokolldaten theoretisch auslesen, ohne dass eine zusätzliche kryptografische Schutzschicht zwischen Speicherung und Auslese liegt. Zusätzlich weist das Unternehmen auf Prompt-Injection-Risiken hin, die durch bösartige Webseiten ausgelöst werden könnten, was die Funktion indirekt in den klassischen Sicherheitskontext von Web-Inhalten und KI-Integrationen stellt. Zwar werden private Browser-Tabs von der Aufzeichnung ignoriert, und Nutzer können Apps oder Webseiten manuell von der Erfassung ausschließen, doch die lokal unverschlüsselte Ablage bleibt ein zentraler Punkt für die IT-Sicherheitsarchitektur.
Operativ hängt die Nutzung an klaren technischen Bedingungen. Voraussetzung ist, dass innerhalb des ChatGPT-Kontos die „Memories“-Funktion aktiv ist, weil die Computer History darauf aufsetzt. Außerdem ist die Aufzeichnung nach den vorliegenden Informationen ausschließlich für die macOS-App vorgesehen; ein Zugriff über die API oder über Plattformen wie Amazon Bedrock wird nicht unterstützt. Für Unternehmen bedeutet das: Selbst wenn eine Organisation bereits KI-Workloads über verschiedene Plattformen orchestriert, lässt sich diese konkrete Art der Betriebssystem-Protokollierung nicht einfach in denselben Integrationspfad umziehen. Gleichzeitig handelt es sich laut Beschreibung um eine reine Opt-in-Funktion, die standardmäßig deaktiviert bleibt, während für Nutzer der Versionen Pro, Business und Enterprise die Aktivierung in der macOS-App grundsätzlich verfügbar ist.
Genau hier wird die Admin-Schicht in Unternehmen zum Engpass – und zum Steuerungsinstrument. OpenAI nennt für Business- und Enterprise-Nutzer eine explizite Freigabe durch den zuständigen Administrator, während Pro-Nutzer die Funktion eigenständig in den Einstellungen aktivieren können. Nutzer sollen zudem jederzeit die gespeicherten Daten einsehen und manuell löschen können, was für Prozesse wie Datenschutz-Folgeanfragen und interne Auskunftsanforderungen relevant ist. Da die Daten für die Verarbeitung an OpenAI-Server übermittelt werden, nennt die Quelle jedoch ausdrücklich, dass dort laut den vorliegenden Informationen keine dauerhafte Speicherung stattfindet, was die Dauer der externen Verfügbarkeit begrenzt, aber nicht die Existenz der Übertragung als solche.
Während die Funktion für unterschiedliche Abonnementmodelle grundsätzlich ausgerollt wird, bleibt die Reichweite regional eingeschränkt. Aktuell wird Computer History demnach nicht für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) angeboten; auch Anwender in der Schweiz und im Vereinigten Königreich sind zunächst ausgeschlossen. Für Entscheider in Produkt- und Datenschutzteams heißt das: Selbst wenn eine Organisation technisch bereit ist, kann der Einsatz an der Frage scheitern, welche Nutzergruppen überhaupt zugreifen dürfen. Das ist weniger ein technisches als ein Planungsproblem – und es wirkt unmittelbar auf Rollout-Zeitpläne, Pilotprogramme und Schulungen für Support-Teams.
Für die Unternehmens-IT ist außerdem die Gegenwart eines „neuen Rechtsrahmens“ als Kontext gesetzt, auch wenn der Text hier eher allgemein auf EU-Anforderungen verweist. Wer KI-Funktionen in Produktivumgebungen einführt, sollte diese OS-nahe Protokollierung als Teil der Daten- und Sicherheitsbewertung behandeln: nicht nur wegen der unverschlüsselten lokalen Klartextablage, sondern auch wegen der Wechselwirkung mit Web-Inhalten und KI-Interaktionslogik. In der Praxis empfiehlt sich, Computer History nicht als isoliertes Feature zu sehen, sondern als zusätzlichen Datenstrom in ein bestehendes Modell aus Endpoint-Sicherheit, Rechtemanagement und Zugriffskontrollen einzuziehen. Gerade weil das Feature in Unternehmen administrativ freigegeben werden muss, wird aus der KI-Nutzung schnell ein Thema für Richtlinien, Rollen und Nachweisfähigkeit, selbst wenn die eigentliche Aktivierung bei einzelnen Nutzern in der App erfolgt.
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