ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Lazard baut sein Finanzberatungsgeschäft in der DACH-Region gezielt aus und legt dabei einen Schwerpunkt auf Kunden in der gesamten Schweiz. Dafür ernennt das Unternehmen Dr. Marco Superina zum Leiter des Investmentbankings für die Schweiz. Er startet seine Tätigkeit von Zürich aus und soll Schweizer sowie internationale Unternehmen unter anderem bei Fusionen und Übernahmen, Kapitallösungen und strategischen Fragestellungen beraten. Die Personalie ordnet sich in die langfristige Wachstumsstrategie „Lazard 2030“ ein.

Die Nachricht wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Umbesetzung im Investmentbanking. Bei genauerem Hinsehen geht es jedoch um eine strukturelle Verstärkung der Marktpräsenz: Lazard will laut Mitteilung seine Finanzberatung in der DACH-Region ausbauen und den Schwerpunkt dabei deutlich Richtung Schweiz ziehen. Besonders bemerkenswert ist, dass die Neuausrichtung nicht nur über Marketing oder allgemeine Wachstumsziele kommuniziert wird, sondern mit einer konkreten Führungsrolle verknüpft ist. Die Ernennung von Dr. Marco Superina zum Leiter des Investmentbankings für die Schweiz macht aus der strategischen Absicht eine organisatorische Entscheidung und schafft damit eine eindeutige Ansprechstelle für den M&A- und Kapitalmarktbedarf.
Technisch betrachtet ist der Effekt einer solchen Rolle weniger „eine Person“, sondern ein Bündel aus Prozessen: In der Praxis entscheidet sich M&A- und Kapitalmarktberatung häufig an der Geschwindigkeit, mit der ein Team Suchräume für Käufer, Investoren und Finanzierungslösungen öffnet. Superina übernimmt diese Aufgabe aus Zürich heraus, was vor allem die lokale Taktung unterstützt – etwa wenn Transaktionspartner, Juristen und Finanzierungsteams in kurzen Abstimmungszyklen aufeinander treffen müssen. Für Mandanten bedeutet das vor allem weniger Schnittstellen: Wer in der Schweiz sitzt, erwartet oft eine Beratung, die Marktmechanik, regulatorische und bankinterne Abläufe eng genug kennt, um Angebote nicht nur zu strukturieren, sondern sie auch operativ durchzuziehen.
Im Marktkontext ist die Schweiz ein besonders aktiver Standort, weil hier sowohl global bekannte Unternehmen als auch eine starke Basis international ausgerichteter Gründer- und Familienunternehmen zusammentreffen. Marcus Schenck, der die Finanzberatung für die DACH-Region bei Lazard verantwortet, betont genau diese Mischung als Vorteilslinse. Damit adressiert Lazard eine Zielgruppe, die nicht nur „große“ börsennotierte Konzerne umfasst, sondern auch Eigentümer geführter Firmen, die häufiger neben strategischen Alternativen auch Fragen zur Kapitalstruktur oder zur Finanzierung von Wachstumsschritten klären wollen. Der angekündigte Ansatz, lokale Expertise beizubehalten und gleichzeitig Zugang zur globalen Beratungsplattform zu nutzen, zielt darauf, das übliche Spannungsfeld zwischen regionaler Detailkenntnis und globaler Execution zu überbrücken – also etwa wenn ein Deal über mehrere Jurisdiktionen läuft und die Bankseite entsprechend skalieren muss.
Die Personalie selbst ist ein weiterer Baustein dieser Logik. Laut Mitteilung wechselt Dr. Marco Superina von UBS zu Lazard. Dort war er als Leiter von Global Banking Switzerland tätig und verantwortete die Kundenbetreuung sowie die Investmentbanking-Aktivitäten in der Schweiz. Zuvor hatte er leitende Positionen bei Credit Suisse inne, unter anderem in M&A-Kontexten: Er war für M&A in der Schweiz zuständig, leitete M&A Nordeuropa und führte M&A im Gesundheitswesen für Europa. Seine Karriere beginnt 1997 bei Credit Suisse First Boston, zudem nennt die Mitteilung Stationen wie die Leitung von M&A-Funktionen sowie ein Studium bzw. eine Promotion an der Universität Zürich im Fachbereich Bank- und Finanzwesen. Diese Laufbahn ist nicht nur als Lebenslauf relevant, sondern auch als Signal für den Aufbau passender Industrienetzwerke und Transaktionskompetenzen – gerade weil M&A häufig branchen- und europaweit orchestriert wird.
Auch inhaltlich ordnet Lazard die Rolle klar ein: Superina soll Schweizer und internationale Unternehmen, Unternehmer sowie Finanzinvestoren in Bereichen wie Fusionen und Übernahmen sowie Kapitallösungen beraten. Der Schwerpunkt liegt damit auf zwei Engpässen, die im Investmentbanking besonders spürbar sind. Erstens geht es um die Unabhängigkeit der Beratung in M&A-Prozessen – also darum, Entscheidungsoptionen so zu präsentieren, dass Mandanten nicht nur Angebote erhalten, sondern eine nachvollziehbare Bandbreite an strategischen Wegen. Zweitens betrifft es Kapitallösungen: Ob es um Finanzierung, Strukturierung oder die Passung zwischen Investorprofil und Transaktionslogik geht, entscheidet sich oft in sehr frühen Phasen, in denen ein Team mit Erfahrung aus früheren Deals die richtigen Parameter setzt. In der Mitteilung wird dabei auf eine nahezu zweihundertjährige Erfahrung in der Beratung signifikanter Transaktionen in Europa verwiesen, die den Anspruch untermauern soll, sowohl regionale Tiefe als auch internationale Vergleichbarkeit zu liefern.
Für Unternehmen und Investoren in der DACH-Region heißt das vor allem: Die Laufwege für Transaktionen könnten kürzer werden, weil eine zentrale Leitungsfunktion direkt in Zürich verankert wird. Gleichzeitig bleibt das DACH-Führungsteam bestehen, das von Marcus Schenck geleitet wird, und damit ein organisatorischer Rahmen für grenzüberschreitende Mandate. Gerade bei Mandanten, die zugleich in der Schweiz und in anderen DACH-Märkten aktiv sind, ist das relevant, weil Deals häufig nicht exakt an Ländergrenzen enden. Lazard stellt die Neupositionierung zudem explizit in den Rahmen der langfristigen Wachstumsstrategie „Lazard 2030“, die darauf abzielt, das Wachstum in Europa durch eine breitere Abdeckung wichtiger Märkte voranzutreiben und das globale Finanzberatungsgeschäft auszubauen.
Unterm Strich ist die Erweiterung in der Schweiz weniger eine punktuelle Personalie als ein sichtbarer Hebel für die Beratungsarchitektur. Der Wechsel von Dr. Marco Superina bringt Erfahrung aus großen Bankumfeldern und aus mehreren geografischen M&A-Feldern mit, während Lazard gleichzeitig betont, lokale Expertise und den Zugang zur globalen Plattform zu kombinieren. Ob die Maßnahme kurzfristig vor allem die Pipeline an M&A- und Kapitalmarktmandaten stärkt oder mittelfristig die Zielindustrien und Kundensegmente neu sortiert, wird sich in den nächsten Monaten zeigen – entscheidend ist aber bereits jetzt, dass Lazard seine Wachstumsstrategie mit einer klaren, operativ tätigen Leitung in Zürich verknüpft.
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