ZAGREB / LONDON (IT BOLTWISE) – Uber und Pony.ai bauen ihre Robotaxi-Kooperation weiter aus und wollen mehr als 2.000 autonom fahrende Taxis in Europa einsetzen. In Zagreb wird der Dienst direkt in die bestehende Uber-App integriert. Pony.ai liefert dabei die Level-4-Technologie, während Uber die Vermittlungsplattform bereitstellt. Für Wartung, Reinigung und Ladevorgang sorgen lokale Partner, in Kroatien übernimmt Verne aus der Rimac-Gruppe diese Rolle.

Die Robotaxi-Branche bekommt in Europa spürbar mehr Bewegung: Uber und Pony.ai haben am 14. August 2026 angekündigt, ihre strategische Zusammenarbeit deutlich zu skalieren. Kern der Ausweitung ist die Bereitstellung von mehr als 2.000 autonom fahrenden Taxis in insgesamt fünf europäischen Städten. Als zentraler Standort fällt dabei Zagreb in Kroatien heraus, weil der Start nicht als „Pilot im luftleeren Raum“ geplant ist, sondern auf bereits laufenden Operationen aufbaut. Diese Basis wurde im Frühjahr 2026 als erster Dienst dieser Art in Europa gestartet und damit frühzeitig getestet, wie sich autonome Fahrzeuge in einen realen Betriebsalltag überführen lassen.
Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Machbarkeit hin zur Systemintegration – also der Frage, wie KI-gestützte Fahrfunktionen in bestehende Produkt- und Betriebsprozesse passen. Die Rollenverteilung ist dabei klar formuliert: Pony.ai stellt die erforderliche Level-4-Technologie für das autonome Fahren bereit, Uber steuert die globale Plattform zur Vermittlung der Fahrten bei. In Zagreb wird der Dienst direkt in die bestehende Uber-App eingebunden, was für Nutzer vor allem bedeutet, dass autonome Fahrten keine Parallelwelt bilden, sondern in der gewohnten User Journey stattfinden. Gleichzeitig bleibt das Flottenmanagement ein operativ heikler Teil des Gesamtpakets: Wartung, Reinigung und der Ladevorgang werden über lokale Partner organisiert, in Kroatien übernimmt hierfür Verne, das zur Rimac-Gruppe gehört. Diese Zuordnung ist deshalb relevant, weil autonome Verkehre nicht nur eine „intelligente“ Komponente brauchen, sondern auch verlässliche Services, die Verfügbarkeit und Fahrzeugzustand stabil halten.
Technologisch arbeitet Pony.ai nach eigenen Angaben mit dem Robotaxi der siebten Generation und positioniert es als Technologie, die für die Massenproduktion bereit sein soll. Für die wirtschaftliche Bewertung ist dabei vor allem die Frage entscheidend, ob sich eine autonome Lösung nicht nur im Testbetrieb, sondern auch in einem skalierbaren Kostenprofil betreiben lässt. Pony.ai verweist in diesem Zusammenhang darauf, in China bereits „Unit Economics“ erzielt zu haben; das zielt in der Regel darauf, dass Kosten pro Fahrzeug und pro Betriebsstunde so kalkulierbar werden, dass sich die Expansion finanzierbar anfühlt. Als konkreter Zwischenstand nennt das Unternehmen: Zum Stand Juni 2026 betreibt Pony.ai eine globale Flotte von rund 1.700 Fahrzeugen in insgesamt vier chinesischen Städten. Für den weiteren Ausbau wird bis zum Jahresende ein Ziel von 3.500 Fahrzeugen genannt. Solche Größenordnungen sind für Europas Roll-out nicht eins zu eins übertragbar, geben aber Hinweise darauf, wie weit das Setup aus Sicht der Teams bereits automatisiert und in wiederholbare Prozesse gebracht wurde.
Auch die Finanz- und Nachfrageparameter, die der Roll-out stützen sollen, werden in der Meldung mitgeliefert. Pony.ai berichtet für das erste Quartal einen Umsatz von 34,3 Millionen US-Dollar, was einer Steigerung von 145 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gleichzeitig wird erwähnt, dass konkrete Quartalsergebnisse für das zweite Quartal für den kommenden Dienstag erwartet werden – ein Hinweis darauf, dass der Markt die nächsten Zahlen als Teil der Skalierungsstory genau beobachten dürfte. Uber ergänzt das Bild auf der Absatz- und Nachfrageebene: Für das zweite Quartal nennt das Unternehmen Bruttobuchungen in Höhe von 58 Milliarden US-Dollar, davon 25 Milliarden US-Dollar an die Fahrer ausgezahlt. Mit 208 Millionen monatlich aktiven Kunden verfügt Uber über eine breite Basis, die in Europa den autonomen Service potenziell schneller in Reichweite bringen kann als es ein reines Betreiber-Modell ohne Vermittlungsplattform vermag. Darüber hinaus unterhält Uber Partnerschaften mit über 30 Firmen im Bereich autonomer Fahrzeuge (AV), was zeigt, dass die Robotaxi-Offensive bei Uber nicht als Einzelfall, sondern als breites Ökosystem gedacht ist.
Gerade in Europa wird der Zeitdruck dabei nicht kleiner, weil sich der Wettbewerb parallel verdichtet. Die Meldung nennt für weitere Expansionen zunächst keine Namen der übrigen vier Städte, aber beschreibt zugleich, dass Uber weitere Pilotprojekte plant. Dabei wird unter anderem eine Zusammenarbeit mit WeRide in Madrid für noch dieses Jahr genannt. Auch der Wettbewerber Waymo wird mit weltweit rund 5.000 Fahrzeugen eingeordnet; Tests laufen dabei laut Angaben in London. Gleichzeitig drängen zusätzliche chinesische Akteure in den Markt, und das nicht nur über Ankündigungen. Momenta habe als erste chinesische Firma eine deutschlandweite Level-4-Testgenehmigung vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erhalten, und in Kooperation mit Uber sollen ab 2026 Tests in München starten. Ein wichtiger Zusatzpunkt für die Industrie: Mit solchen Genehmigungen verschiebt sich die Diskussion von „Vision“ zu „Betriebsrealität“, also zu Fragen wie Sicherheitskonzept, Dokumentation, Testdesign und der technischen Nachweisführung gegenüber Behörden.
Über die Genehmigungsseite hinaus spielt auch die industrielle Breite eine Rolle. Momenta wird mit einer Kapitalaufnahme beim Börsengang in Hongkong eingeordnet; dabei heißt es, das Unternehmen habe 5,9 Milliarden HK-Dollar eingenommen. Außerdem arbeitet Momenta bereits mit Herstellern wie Mercedes-Benz und BMW zusammen. Parallel dazu startet Stellantis gemeinsam mit Pony.ai erste Versuche in Luxemburg mit elektrischen Transportern des Typs Peugeot e-Traveller – mit dem Ziel, die Expansion in Europa ab dem kommenden Jahr fortzusetzen. Für Entscheider in der Fahrzeug- und Lieferkettenwelt ist das ein Signal, dass autonome Dienste nicht zwingend auf „eigene Flotten“ beschränkt bleiben, sondern sich über Fahrzeugarchitekturen und Plattformen skalieren lassen. Gleichzeitig zeigt die Verbindung aus Fahrzeughersteller, Robotaxi-Technologie und Mobility-Plattform, wie komplex die Wertschöpfungskette wird: Komponenten-Integration, Daten- und Sensorikfragen sowie der Betrieb im Tagesgeschäft müssen zusammenpassen.
Für Unternehmen, die autonomes Fahren oder KI-gestützte Mobilitätsservices integrieren wollen, liegt der praktische Knackpunkt nicht nur in der Technik, sondern auch in der digitalen Sicherheit. Die Meldung verweist explizit darauf, dass mit zunehmender Vernetzung und Automatisierung die Anforderungen an die digitale Sicherheit steigen. In der Realität heißt das: Selbst wenn die Fahr-„Intelligenz“ auf Level-4 ausgerichtet ist, bleiben Angriffsflächen im Backend, in der Kommunikationskette, in der Steuerung von Flottenoperationen und im Zugriff auf Fahrzeugdaten bestehen. Für den Markt bedeutet die neue Kooperation damit auch eine Verschiebung der Aufgabenverteilung: Neben KI-Entwicklung, Simulation und Validierung treten Security-Engineering, Monitoring und Prozesshärtung immer stärker in den Vordergrund. In den kommenden Monaten werden daher weniger einzelne Demo-Fahrten entscheiden, sondern ob die Kombination aus Uber-App-Integration, lokalem Flottenbetrieb und Pony.ai-Technologie in mehreren Ländern gleichzeitig stabil läuft – und ob sich das Kostenprofil aus Asien auf europäische Betriebsbedingungen übertragen lässt.
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