SINGAPUR / LONDON (IT BOLTWISE) – PC Partner warnt in seinem Halbjahresbericht vor weiteren Engpässen bei Grafikspeicher und damit steigenden Grafikkarten-Kosten im zweiten Halbjahr. Der Konzern erwartet für das Einstiegssegment noch schwerwiegendere Knappheiten und höhere durchschnittliche Verkaufspreise. Gleichzeitig zeigt das Zahlenwerk sinkende Auslieferungen bei eigenen Marken und ein starkes Plus im Vorfeldgeschäft durch Kundenanzahlungen. Offen bleibt, welche GPU-Serien genau betroffen sind – als Treiber nennt der Bericht vor allem den KI-Boom.

Wer im Sommer noch gehofft hat, dass die aktuelle Speicherkrise bei GPUs langsam abklingt, bekommt jetzt eine neue, schwer wiegende Orientierung. PC Partner hat seinen Halbjahresbericht am 14. August 2026 beim Singapore Exchange (SGX) eingereicht und daraus einen Ausblick veröffentlicht, der sich direkt auf den Kaufplan für das Herbstquartal auswirkt. Der Kern der Warnung lautet: Für das zweite Halbjahr rechnet das Unternehmen mit weiter steigenden Kosten für Grafikspeicher und daraus abgeleitet mit erheblich höheren Kosten für Grafikkarten. Neu ist dabei weniger die Richtung als die Herkunft der Aussage: Das Management steht für die Pflichtveröffentlichung namentlich ein, was der Nachricht im Einkaufsprozess zusätzliche Bedeutung gibt.
Technisch betrachtet trifft diese Art von Preis- und Lieferwarnung meistens nicht nur die fertigen Boards, sondern die gesamte Lieferkette rund um die GPU- und Speicherkomponenten. PC Partner nennt konkrete Folgen, aber keine Seriennamen und auch keinen einzelnen Grund, der die Knappheit erklärt. Stattdessen verweist der Bericht ausdrücklich auf den KI-Boom als maßgeblichen Faktor, der Grafikspeicher verknappt und Karten verteuert. Für die zweite Jahreshälfte erwartet der Konzern zudem eine sinkende Verfügbarkeit: Die ausgelieferte Stückzahl sei bereits im ersten Halbjahr 2026 gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2025 deutlich gefallen. Besonders auffällig ist die Formulierung für das Einstiegssegment: Dort erwartet PC Partner schwerwiegendere Engpässe, die nicht nur das Angebot reduzieren, sondern auch die durchschnittlichen Verkaufspreise nach oben treiben sollen – während die Probleme laut Bericht nicht bei Grafikkarten enden.
Im Produktmix zeigt sich, dass die Knappheit das Geschäft nicht einseitig verzerrt, sondern je nach Vertriebsweg unterschiedlich durchschlägt. Unter den eigenen Marken verkaufte PC Partner im ersten Halbjahr 2026 18,4 Prozent weniger Grafikkarten als im Vorjahreszeitraum – gleichzeitig lag der durchschnittliche Verkaufspreis um 10,7 Prozent höher. In der Ergebnislogik spiegelt sich das in mehreren Kennzahlen: Der Umsatz mit Grafikkarten der Eigenmarken sank um 9,2 Prozent auf 4.462,5 Millionen Hongkong-Dollar, während die Bruttomarge des Konzerns von 10,5 auf 16,5 Prozent stieg. Unter dem Strich verdiente PC Partner im gleichen Zeitraum 545,5 Millionen Hongkong-Dollar und damit 117,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Gegenseite ist das Auftragsgeschäft: Dort brach die Stuckzahl um 38,4 Prozent ein, der Durchschnittspreis stieg aber wegen der Konzentration auf High-End-Modelle um 181,0 Prozent.
Auch regional zeichnet sich ein Bild ab, das gut zu einem angespannten Komponentenmarkt passt. In der Region EMEAI fiel der Umsatz um 14,0 Prozent auf 1.369,8 Millionen Hongkong-Dollar (rund 151 Millionen Euro). Als Ursache nennt der Bericht rückläufige Verkäufe von Grafikkarten der Eigenmarken. Nord- und Lateinamerika verzeichneten ebenfalls Rückgänge um 14,3 Prozent, China lag bei minus 14,7 Prozent, während allein Asien-Pazifik mit plus 25,1 Prozent zulegte. Dahinter stehen zusätzliche Aufträge für hochpreisige Auftragsfertigung. Interessant für die Marktsicht ist außerdem die Frage, wie lange ein Hersteller noch gegen Lieferengpässe „puffern“ kann: PC Partners Vorratsreichweite stieg von 37 auf 58 Tage – obwohl weniger Grafikkarten ausgeliefert wurden. Das erklärt sich laut Bericht durch drei gleichzeitig wirkende Posten: Der Bestand an Fertigwaren legte um 34,5 Prozent zu, Hauptgrund sei dabei der Anstieg der Kosten für Grafikspeicher. Gleichzeitig sanken Halbfertigerzeugnisse um 68,8 Prozent, weil PC Partner die Produktion im zweiten Quartal gedrosselt hat. Dazu kommen Bankverbindlichkeiten von 1.339,3 Millionen Hongkong-Dollar zur Finanzierung des Einkaufs von Grafikprozessoren und Grafikspeicher sowie deutlich höhere Kundenanzahlungen: +215,7 Prozent auf 193,2 Millionen Hongkong-Dollar, weil Abnehmer Ware im Voraus zahlen, um Lieferungen überhaupt zu sichern.
Für den europäischen Handel und damit auch für Deutschland ist das vor allem deshalb relevant, weil die „Preisrunde“ bei Boardpartnern und Distributoren typischerweise zeitversetzt durchgereicht wird, sobald neue Einkaufskosten anliegen. Im Bericht wird die Lage als fortlaufend beschrieben: Nvidia habe seine Boardpartner Ende Juli über Anhebungen der Kits für Grafikprozessor und Grafikspeicher um 20 bis 30 Prozent informiert, AMD habe für August mindestens zehn Prozent angekündigt. Asus und Gigabyte hätten die Aufschläge im chinesischen Vertrieb weitergegeben, und der europäische Einzelhandel habe sie diesmal schneller aufgenommen als in früheren Wellen dieser Speicherkrise. Das Problem ist zudem, dass genau das Segment, auf das PC Partner für den Herbst besonders starke Engpässe erwartet, hierzulande ohnehin dünn besetzt ist: Die Radeon RX 9050 wird in Deutschland vorerst gar nicht angeboten. Wer aufrüsten will, dürfte damit nicht nur mit höheren Preisen, sondern auch mit weniger Auswahl in den konkreten Modellkorridoren rechnen müssen – selbst wenn einzelne GPUs kurzfristig verfügbar sind.
Für Unternehmen folgt daraus weniger eine allgemeine „Kauft jetzt“-Empfehlung, sondern eher ein Planungswechsel bei Beschaffung und Budgetierung. PC Partner betont, dass die Engpässe die gesamte Branche betreffen, nennt aber keine konkreten GPU-Serien. Das verschiebt die Bewertung auf die Ebene von Preis-Leistungs-Relationen und Vergleichbarkeit über mehrere Modelle hinweg: Wenn Verfügbarkeit schwankt, wird der „Fallback“ wichtiger als die absolute Wunschkonfiguration. Gleichzeitig sieht PC Partner für die eigene Unternehmensstrategie eine Ausgleichslogik: Der Konzern beginnt noch in dieser Jahreshälfte mit der Auslieferung von GPU-Servern und KI-Hardware und erwartet, dass dieses Geschäft Rückgänge im übrigen Portfolio kompensiert. Damit ist der KI-Boom nicht nur ein externer Kostentreiber, sondern auch der Teil des Marktes, der Kapazitäten finanziert. Für Käufer im Gaming-Umfeld bleibt die Kernaussage aus dem Bericht deshalb klar: Im zweiten Halbjahr stehen weiter steigende Grafikkarten-Kosten und sinkende Verfügbarkeit an, besonders im Einstiegssegment – und wer im Herbst kaufen will, sollte Preise und Verfügbarkeit der gewünschten Modelle eng im Blick behalten.
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