CAPE CANAVERAL SPACE FORCE STATION / LONDON (IT BOLTWISE) – SpaceX hat am Samstag zwei Falcon-9-Missionen im Rekordtempo direkt hintereinander gestartet. Zwischen dem Abflug der ersten Rakete für Globalstar und dem nächsten Liftoff für eine klassifizierte US-Space-Force-Mission lagen nur 38,5 Minuten. Der Globalstar-Start brachte acht Satelliten in den erdnahen Orbit, während die zweite Mission mit USSF-366 einen geheimen Nutzlastauftrag bediente. Die erste Stufe landete nach rund acht Minuten wieder in Landing Zone 40, die zweite auf dem Bergungsschiff im Pazifik.

SpaceX hat mit zwei „back-to-back“-Flügen am Samstagabend die Zeit zwischen zwei Falcon-9-Starts auf einen neuen Rekordwert gedrückt: Nur 38,5 Minuten lagen zwischen dem ersten Liftoff für Globalstar und dem Abflug der zweiten Rakete für die US Space Force. Für die Raumfahrtindustrie ist das mehr als eine Kuriosität in der Startstatistik, denn so ein enger Takt stellt Anforderungen an Bodenprozesse, die Wiederverwendung der ersten Stufe sowie die parallele Vorbereitung zweier Missionen an unterschiedlichen Startplätzen. Der erste Start ging von der Cape Canaveral Space Force Station um 9:12 p.m. EDT (0112 UTC) los, als SpaceX acht Satelliten für Globalstar in den niedrigen Erdorbit brachte.
Technisch beginnt die Rekordidee schon mit der verwendeten Hardware und der Art, wie SpaceX den Flug nach dem Start in Wiederverwendungslogik überführt. Für den Globalstar-Transport nutzte das Unternehmen die Falcon-9-Erststufe mit der Hecknummer B1090, die damit ihren 14. Flug absolvierte. Wenige Minuten nach dem Liftoff kippte und landete die erste Stufe wieder zurück in Landing Zone 40, direkt neben dem Startkomplex, etwa acht Minuten nach dem Start. Solche kurzen Rückkehrfenster sind entscheidend, weil sie die nächste Stufenaufbereitung zeitlich entkoppeln: Wartung, Inspektionen und Teilechecks müssen in einem engen Zeitfenster erfolgen, während parallel bereits ein weiterer Launch-Countdown läuft.
Parallel dazu lief die Countdown-Kette für einen zweiten Falcon-9-Start in Kalifornien: Von der Vandenberg Space Force Base hob die Rakete um 6:50 p.m. PDT (9:50 p.m. EDT / 0150 UTC) ab und trug eine klassifizierte Nutzlast für die US Space Force. Die Mission trägt die Bezeichnung USSF-366; im Vorfeld nannte die Space Force keine Einzelheiten zur Payload. Ein Sprecher des Space Systems Command verwies lediglich darauf, dass die Mission unter einem zuvor vergebenen „National Security Space Launch“-Rahmen, konkret einer Phase-3-Task-Order, eingeordnet wurde. Diese Art von Einordnung statt genauer Mission-Parameter ist für Sicherheitsaufträge typisch, sie erschwert aber auch die öffentliche technische Einordnung, etwa welche Bahndetails oder Nutzlastanforderungen im Vordergrund standen.
Auch die Bergung zeigt, wie SpaceX die zweite Mission trotz strenger Zeitplanung operativ stabil hält. Die Booster-Version mit der Hecknummer B1088 landete „safely“ auf dem Droneschiff „Of Course I Still Love You“, das im Pazifik positioniert war. Damit wurde die Bergung der Booster-Variante mit der zweiten Mission in eine länger laufende Wiederverwendungs-Kennzahl eingeordnet: Insgesamt markierte der Einsatz die 650. Landung eines Falcon-Boosters. Für die US-Behörden ist das in der Praxis vor allem relevant, weil kürzere Startabstände die Planbarkeit für zeitkritische Einsatzfenster verbessern können, auch wenn Details zu Orbitalinklinationen oder Missionsprofilen öffentlich fehlen.
Beim Globalstar-Teil liegt der Fokus dagegen klar auf der Konstellationspflege. Der Flug heißt „Globalstar 2-R Launch 1 Mission“; Globalstar hatte den Start öffentlich bereits im Frühjahr angekündigt und ursprünglich für Sonntag, den 17. Mai, angesetzt. Laut Ankündigung wurde die Mission zeitlich nach hinten geschoben, um Teams mehr Zeit zu geben, die Satelliten startbereit zu machen. Außerdem ordnet sich die Mission in eine breitere Marktbewegung ein: Rund einen Monat zuvor hatte Amazon angekündigt, Globalstar zu übernehmen. Ein solcher Schritt zielt darauf, dass Amazons „Leo“-System direkt-to-device-Fähigkeiten stärker ausspielen kann und damit im Wettbewerb mit Anbietern wie SpaceX selbst oder AST SpaceMobile steht.
Globalstar verknüpft den Launch entsprechend mit dem Betrieb seines Netzes und der Resilienz der Infrastruktur. CEO Dr. Paul E. Jacobs sagte in einer Mitteilung vom 12. Mai: „This launch represents another important step in sustaining and strengthening the infrastructure our customers rely on every day.“ und ergänzte: „As we continue executing our long-term strategy, replenishing our existing constellation remains a critical part of delivering resilient satellite services around the world.“ Für den Markt bedeutet das: Der Satelliten-Teleskopbetrieb wird nicht nur als Wachstumsstory, sondern als kontinuierliche Instandhaltung verkauft. Parallel dazu gab Globalstar in einem Ergebnisupdate vom 6. August an, dass man wegen der ausstehenden Amazon-Übernahme vorerst keine weiteren Earnings Calls oder Updates zur zukünftigen Guidance bereitstellen werde; die Deal-Schließung wird für 2027 erwartet.
Unterm Strich zeigt der Starttag, wie stark sich die Raumfahrtoperationen in Richtung industrieller Taktung bewegen. Rekordabstände wie 38,5 Minuten werden dann realistisch, wenn Launch- und Recovery-Prozesse nicht als lineare Kette betrachtet werden, sondern als parallelisierte Fertigungs- und Wartungsströme. Für Unternehmen, die Satellitennetzwerke betreiben oder Nutzlasten in Auftrag geben, verschiebt sich dadurch der praktische Verhandlungsspielraum: Startfenster werden nicht nur „verfügbar“, sondern auch besser planbar, weil die Wiederverwendungsfähigkeit der Stufen das System zeitlich flexibler macht. Gleichzeitig bleibt bei klassifizierten Missionen wie USSF-366 eine technische Transparenzgrenze bestehen, die öffentliche Ableitungen über konkrete Nutzlastwirkungen begrenzt und damit den Wettbewerb vor allem über Verfügbarkeit und Systemfähigkeit sichtbar macht.
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