LONDON (IT BOLTWISE) – Mark Cuban liefert sich öffentlich einen Schlagabtausch mit dem Abgeordneten Ro Khanna über Kaliforniens geplante Billionärssteuer. Im Kern geht es um die Frage, wie Gründer Steuern auf Vermögen zahlen sollen, das oft vor allem in Unternehmensanteilen und Kurswerten steckt. Khanna will mit einer Art staatlichem Kreditmodell nachhelfen, während Cuban vor Abwanderung von Startups warnt. Die Entscheidung fällt mit der Abstimmung im November.

Mark Cuban vs. Ro Khanna: Kaliforniens Billionärssteuer sorgt für Bruch in der Demokratenfront
Mark Cuban vs. Ro Khanna: Kaliforniens Billionärssteuer sorgt für Bruch in der Demokratenfront (Foto: IT BOLTWISE)
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Kaliforniens geplanter Vermögenszuschlag für Ultra-Reiche entpuppt sich gerade nicht nur als fiskalpolitisches Thema, sondern als interner Belastungstest für die demokratische Koalition. Im Zentrum steht eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen dem Tech-Investor Mark Cuban und dem Abgeordneten Ro Khanna, ausgelöst durch Khannas Unterstützung einer Initiative namens Proposition 40. Die Maßnahme soll eine einmalige Steuer von bis zu 5% auf bestimmte Vermögenswerte bei Personen und Trusts mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar erheben und soll im November zur Abstimmung kommen.

Technisch betrachtet ist der Konflikt weniger „links gegen liberal“ als vielmehr eine Debatte über die Mechanik von Besteuerung: Eine Vermögenssteuer basiert auf dem Bestand bzw. dem (oft theoretischen) Wert. Für viele Gründer, deren Reichtum in Unternehmensbewertungen und damit in illiquiden Anteilen steckt, ähnelt das steuerliche Ergebnis nicht dem üblichen Muster aus Gehalt und klar planbaren Kassenflüssen. Khanna argumentiert, dass gerade diese Logik dem Alltag in Kalifornien gerecht werden müsse: Er verknüpft die Steuer mit der Finanzierung von Gesundheitsausgaben sowie weiteren öffentlichen Programmen. Cuban hält dagegen, dass die reale Zahlungsfähigkeit von Startup-Gründern oft nicht mit den „papierartigen“ Milliardenwerten mithält.

Cuban präzisiert seine Kritik an der Unternehmensrealität: In seinen Worten handelt es sich bei vielen „10b“-Startups (also Unternehmen mit extrem hohen Bewertungen) um Konstellationen, in denen selbst bei erfolgreichen Finanzierungsrunden ein Großteil des Geldes nicht als sofort verfügbare Liquidität bei den Gründern ankommt, obwohl sie über Nacht zu „Milliardären auf dem Papier“ werden. Seine zentrale Warnung lautet deshalb, dass eine Abgabe auf Nettovermögen ohne passenden Cashflow Investoren und Gründer in die Defensive drängt. Daraus leitet er die Befürchtung ab, dass die Steuer bestimmte Akteure aus Kalifornien vertreiben könnte; er kündigte sogar an, künftig Investments in kalifornische Startups zu vermeiden, sofern die Initiative so wie geplant durchgeht.

Khanna reagiert mit einem konkreteren Design: Unter seinem Modell könnten Gründer ihre Anteile an den Staat verpfänden und für die Steuerzahlung eine staatliche Finanzierung erhalten. Entscheidend ist dabei, dass der Kredit „non-recourse“ ausgestaltet sein soll, also ohne persönliche Haftung des Gründers, falls die Firma scheitert. Khanna sieht eine begrenzte Laufzeit vor, etwa 10 Jahre; am Ende soll der Gründer entweder in bar zurückzahlen oder der Staat die verpfändeten Anteile übernehmen. Für Cuban ist dieses Konstrukt jedoch ein neuer Hebel, der die Steuerlast indirekt verschiebt: Wenn die Rückzahlung nicht klappt, würde Kalifornien als potenzieller Mitgesellschafter in privaten Firmen landen – und aus seiner Sicht würden Investoren mit dieser Konstellation kaum begeistert sein.

Hinter der emotionalen Eskalation steckt auch ein wirtschaftlicher Kern: Proposition 40 soll laut dem Legislative Analyst’s Office über mehrere Jahre Einnahmen im Bereich „zig Milliarden“ US-Dollar ermöglichen, wobei 90% für das Gesundheitswesen vorgesehen sind. Der Rest soll in Programme für Lebensmittelhilfe und Bildung fließen. Dass die Debatte dennoch so schnell auf die Seite „Startup-Standort“ kippt, hat mit Kaliforniens Rolle im Venture-Ökosystem zu tun: Der Bundesstaat beherbergt viele Ultra-Reiche und ist gleichzeitig ein Hauptstandort für Risikokapital. Genau dort wird die Unterscheidung zwischen Einkommen und Vermögenszuwachs besonders sichtbar, weil Vermögenswerte in Aktien und Beteiligungen häufig stark schwanken und nicht in gleicher Weise planbare Liquidität erzeugen.

In der Diskussion taucht zudem der Begriff „paper billionaires“ als Abgrenzung auf. Khanna argumentiert, dass Cubans typische Beispiele eine engere Gruppe treffen würden: Gründer mit „illiquiden“ Beständen, bei denen der Vermögensausweis nicht automatisch in sofort nutzbares Geld übersetzt werden kann. Sein Gegengewicht ist die Erwartung, dass die Mehrheit der Vermögenden nicht in dieser Lage steckt, weil ihr Vermögen zu einem großen Teil in öffentlich gehandelten Aktien gebunden ist. Genau hier prallen zwei Perspektiven aufeinander: Cuban betrachtet den Steuermechanismus als Standort- und Gründungshemmnis; Khanna setzt auf ein über Kredit- und Rücknahmeelemente abgesichertes Modell, das die Steuererhebung politisch und finanziell „durchrechenbar“ machen soll.

Die Dimension der Debatte reicht über eine Einzelkontroverse hinaus: Das Thema hat bereits konkrete Drohungen von sehr Vermögenden ausgelöst, den Steuerstatus als Kalifornien-Resident noch vor dem 1. Januar ändert oder die Initiative aktiv bekämpft. Zudem zeigt sich, dass Khanna in der Vergangenheit ähnliche Fronten gesucht hat; auch Palmer Luckey, Mitgründer von Anduril Industries, soll in einer vergleichbaren Auseinandersetzung auf X gegen die Idee einer Billionärssteuer positioniert gewesen sein. Für Unternehmen und Entwickler im Startup-Ökosystem bedeutet das vor allem eines: Steuerpolitik wirkt nicht abstrakt, sondern als Rahmenbedingung für Kapitalallokation, Investitionsentscheidungen und die Frage, wo Teams künftig gründen und skalieren. Ob Proposition 40 diese wirtschaftliche Rechnung am Ende politisch „gewinnt“, hängt daher nicht nur an Steuersätzen, sondern an der praktischen Umsetzbarkeit im Alltag von Cash-armen, aber wertreichen Geschäftsmodellen.


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