EBERSWALDE / LONDON (IT BOLTWISE) – Kiefernwälder brennen besonders stark, während Eichen das Feuer spürbar bremsen. Laut Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde kann der Umbau hin zu mehr Laubholz die Feuerintensität deutlich senken. Das Institut nennt den Klimawandel als Treiber: In den letzten 30 Jahren stieg die Zahl der Tage mit mittlerer bis hoher Waldbrandgefahr. Diskutiert wird nun auch, wie sich Funkenflug und trockenes Brandmaterial durch geeignete Schutzstreifen und Bewirtschaftung reduzieren lassen.

Wenn es um die Frage geht, wie Wälder künftig besser gegen Brände gewappnet sind, fällt ein Satz besonders schnell: Kiefern sind brennbar, Eichen dagegen bremsen. Genau darauf verweist die Waldökologin Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde und ordnet die Beobachtung zugleich in einen größeren Zusammenhang ein. Denn während Laubmischwälder das Risiko im Vergleich senken können, hat sich die Ausgangslage in vielen Regionen durch den Klimawandel verschärft. In den vergangenen 30 Jahren ist die Waldbrandgefahr nach Angaben des Instituts weiter gestiegen, vor allem sichtbar in einer höheren Zahl von Tagen mit mittlerer bis hoher Waldbrandgefahr.
Technisch betrachtet liegt der Kern nicht allein in der Baumart „als solche“, sondern in dem, was am Waldboden als Zündmaterial bereitsteht und wie schnell ein Feuer sich ausbreiten kann. Sanders beschreibt, dass der Waldumbau hin zu einer Mischung mit mehr Laubholz – etwas, das Förster und Waldbesitzer ohnehin seit Jahren vorantreiben – auch gegen Feuer wirksam ist. Eichen gelten dabei als besonders geeignet, weil sie schlechter brennen. Auch das Laub spielt laut der Expertin eine Rolle: Trockene Eichenblätter sowie Buchenblätter brennen sehr schlecht, das Feuer gehe „von allein aus“. Damit sinkt nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Zündung, sondern auch die Energie, die nötig ist, damit aus einer kleinen Brandstelle ein sich durchsetzendes Flächenfeuer wird.
Ein weiterer Mechanismus hängt mit dem Kreislauf zwischen Laub, Boden und Unterwuchs zusammen. Sanders führt aus, dass Eichenlaub zudem schlecht verrotte, wodurch es weniger Unterwuchs geben könne. Weniger Unterwuchs bedeutet in der Praxis: weniger Nahrung für die Flammen auf der niedrigsten Vegetationsschicht, in der sich Feuer bei Trockenheit besonders leicht „hochschaukelt“. Daneben nennt sie historische Beispiele: In der DDR seien Brandschutzriegel aus Eichen angelegt worden, um Waldbrände zu begrenzen. Solche Strukturen können als praktische Ergänzung zu bewirtschafteten Mischflächen dienen, weil sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich Feuer bei starkem Funkenflug nicht ungehindert fortsetzt.
Gerade der Gegensatz zur Kiefer macht die Empfehlungen so anschaulich. Sanders bezeichnet die Kiefer als „brennbarste Baumart“, die in Deutschland vorkomme. In ihrer Beschreibung wird die Wirkung von Kiefernstreu zum Problem: Wird sie einmal angezündet, brenne sie, bis nichts mehr da ist – und „da läuft das Feuer einfach durch“. Aus dieser Logik folgen zwei Konsequenzen: Reine Kiefernbestände sind demnach besonders brandgefährdet, während Mischwaldbestände das Risiko eher dämpfen können. Als Beispiel nennt Sanders Brände wie Treuenbrietzen: Die Brände hätten erst dann deutlich nachgelassen, als sie in Mischwaldkulturen übergingen. Gleichzeitig räumt sie ein, dass die Fichte zwar nicht ganz so brennbar wie die Kiefer sei, aber als Brandunterlage funktioniert, weil sich am Boden viel trockenes Reisig sammelt – etwa kleine abgebrochene Äste, die Brandmaterial bilden.
Was folgt daraus für die konkrete Bewirtschaftung? Sanders fordert, dass man trockenes Totholz „ein Stück weit“ aus den Wäldern entfernt, allerdings ohne die gesamte Landschaft zu entkernen. Große, auf dem Boden liegende und meist feuchte Stämme solle man dagegen liegen lassen. Damit entsteht ein pragmatischer Zielkonflikt: Einerseits soll man brennbares Material reduzieren, andererseits darf die ökologische Funktion von Waldtotholz nicht pauschal zerstört werden. Dazu passt auch der Blick auf Infrastruktur- und Sicherheitsmaßnahmen außerhalb der Bestandespflege. Als konkrete Sperre für Brände können Brachflächen dienen; ein Schutzstreifen müsse wegen des Funkenflugs etwa 100 bis 300 Meter breit sein. In Brandenburg werde neben Straßen etwa ein Streifen gepflügt, sodass offener Sand hervorkomme. Solche schmaleren Schutzstreifen sollen verhindern, dass Brände entstehen, wenn Funken von Fahrzeugen überspringen oder wenn jemand eine Zigarette wegwirft.
Die Umsetzung stößt jedoch nicht nur auf biologische, sondern auch auf praktische Grenzen. Sanders nennt, dass einige Wälder noch mit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg oder aus späteren Militärübungen belastet seien. Wo dies der Fall ist, kann die Feuerwehr nur eingeschränkt agieren, und der Umbau des Waldes wird ebenfalls behindert, weil sich nicht einfach in die Flächen hineinarbeiten lässt. Auch aus der Luft sei die Anpflanzung von Laubbäumen oft schwierig: Wenn bereits ein Kiefernbestand existiere und Saatgut abgeworfen werde, stelle sich die Frage, ob und wann es am Boden ankommt. Deshalb setzt man nach ihrer Darstellung eher auf Saattabletts. Dabei wird beispielsweise Samen von Eichhörnchen genutzt, gesammelt und dann im Wald verteilt – ein Ansatz, der zeigt, dass Waldbrandvorsorge nicht nur aus „großen“ Managemententscheidungen besteht, sondern auch aus fein abgestimmter Vermehrungs- und Ausbringlogistik.
Für die Einordnung spielt zudem die übergreifende Herausforderung eine Rolle: Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit von Trockenperioden und damit die Bedingungen, unter denen sich Feuer schneller durchsetzen kann. Wenn es mehr Tage mit mittlerer bis hoher Waldbrandgefahr gibt, steigt auch der Druck, Maßnahmen nicht erst im Ereignisfall einzuleiten, sondern strukturell vorzubereiten. Genau hier greifen Waldumbau, Sortimentsplanung und ergänzende Schutzstreifen ineinander. Wer heute auf Mischbestände setzt, reduziert zugleich die typischen „Durchlaufstrecken“ eines Feuers, die bei Kiefernstrewiesen oder trockenen Reisigflächen besonders schnell entstehen. Gleichzeitig verlangt die Praxis eine differenzierte Handhabung von Totholz und eine Anpassung an lokale Altlasten wie munitionstechnische Belastungen.
Auch wenn die Diskussion auf Waldökologie und Bewirtschaftung zielt, berührt sie indirekt die strategische Planung vieler Organisationen – von Forstbetrieben bis zu kommunalen Sicherheitsstrukturen. Entscheidend ist, dass die Maßnahmen miteinander kompatibel sind: Eichen- und Laubanteile senken die Brandlast auf der Bestandesebene, Schutzstreifen und Brachflächen reduzieren das Risiko der Ausbreitung bei Funkenflug, und die gezielte Entfernung trockenen Materials verknüpft Brandschutz mit realistischen Pflegeabläufen. In dieser Logik wird der Waldumbau zu einer Art „Daueraufgabe“ statt zu einem Projekt mit Enddatum, weil sich die Wetterbedingungen weiter verändern. KI (Künstliche Intelligenz) kann dabei künftig als unterstützendes Werkzeug eine Rolle spielen, etwa bei der priorisierten Planung von Umbauflächen und bei der Auswertung von Risikomustern – die wesentlichen Wirksamkeitshebel bleiben jedoch, wie Sanders betont, im Aufbau der Bestände und im Umgang mit brennbaren Strukturen sichtbar.
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