LONDON (IT BOLTWISE) – In macOS wird offenbar eine Lücke in der Funktion „Screen Sharing“ ausgenutzt, um sich ohne gültige Zugangsdaten Zugriff zu verschaffen. Betroffen sind vor allem Systeme, bei denen die Bildschirmfreigabe über das Internet erreichbar ist. Über die Schwachstelle können Angreifer anschließend nicht nur Programme starten, sondern auch Sicherheitseinstellungen verändern. Apple hat die Lücke bereits geschlossen, jetzt sind schnelle Updates gefragt.

macOS Screen Sharing: CVE-2026-65400 ermöglicht Zugriff ohne Passwort
macOS Screen Sharing: CVE-2026-65400 ermöglicht Zugriff ohne Passwort (Foto: IT BOLTWISE)
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Die macOS-Funktion „Screen Sharing“ ist eigentlich für Hilfe aus der Ferne gedacht – in der Praxis wird sie nun aber zum Einfallstor. Nach Angaben des niederländischen National Cyber Security Centre (NCSC) greifen Kriminelle gezielt Apple-Geräte an, bei denen die Bildschirmfreigabe über das Internet verfügbar ist. Der entscheidende Punkt ist dabei weniger die Existenz der Funktion, sondern die konkrete Konfiguration: Wer Screen Sharing extern erreichbar macht, reduziert den Aufwand für Angreifer, weil das System dann überhaupt erst „auf der anderen Seite“ erreichbar ist.

Technisch wird die Attacke über eine Sicherheitslücke beschrieben, die unter der Kennung CVE-2026-65400 geführt wird. Laut NCSC können Angreifer dadurch die Passwort-Abfrage so aushebeln, dass sie Zugriff auf fremde Mac-Geräte erhalten, ohne dass gültige Zugangsdaten vorliegen müssen. Sobald die Angreifer im System sind, folgt die zweite Stufe: Sie können eigene Programme starten, Dokumente öffnen und außerdem die Sicherheitseinstellungen des Computers verändern. Das ist eine typische Eskalationskette, bei der eine anfängliche Authentifizierungsumgehung direkt in höherwertige Rechte und Manipulationsmöglichkeiten mündet.

Besonders kritisch wird es, wenn die Angriffe nicht bei „nur“ eingeschränkter Kompromittierung enden. In einigen Fällen, so die Behörde, gelang es den Tätern sogar, Administrator-Rechte zu übernehmen. Diese zusätzliche Zugriffsebene erklärt, warum solche Vorfälle in kurzer Zeit zu weiterem Schaden führen können: Mit Admin-Rechten lassen sich nicht nur Dateien bewegen oder Prozesse starten, sondern auch Persistenzmechanismen etablieren und Sicherheitsfunktionen so konfigurieren, dass spätere Gegenmaßnahmen schwieriger werden. Für IT-Verantwortliche ist das relevant, weil sich dann nicht mehr nur die Frage „Hat jemand kurz versucht, reinzukommen?“ stellt, sondern „Wer hat seitdem genau welche Änderungen vorgenommen?“

Ein weiterer Aspekt in den NCSC-Details betrifft den finanziellen Anreiz der Kampagne: In der Folge soll ein Programm eingeschleust worden sein, das die Macs heimlich anzapft, um Krypto-Mining zu betreiben. Dabei wird Rechenleistung missbraucht, um Kryptowährungen wie Monero zu erzeugen. Die Gelder fließen nicht direkt an die Opfer – stattdessen steigen typischerweise Stromkosten und die Systemauslastung. Eine hohe Auslastung fällt je nach Lastprofil schnell auf: Rechner werden langsamer, Lüfter laufen häufiger, und im Tagesverlauf sieht man Lastspitzen, die nicht zum Nutzerverhalten passen. Laut einer Erklärung der Finanzgruppe „Volksbanken Raiffeisenbanken“ beschreibt Krypto-Mining den Prozess, bei dem Computer Rechenleistung einsetzen, um Transaktionen in einem Kryptowährungsnetzwerk zu verarbeiten und abzusichern; die Betreiber erhalten dafür Kryptowährung. Im Falle eines Monero-Miners wird die Rechenleistung eines Computers genutzt, um Monero zu erzeugen.

Für die betroffenen Nutzerinnen und Nutzer ist die gute Nachricht klar: Apple hat die Schwachstelle nach Angaben, die in Berichten zur Sache zitiert werden, am 6. August geschlossen. Praktisch heißt das: macOS-Geräte sollten möglichst zeitnah auf die neuesten Software-Versionen aktualisiert werden, weil nur so der Pfad geschlossen wird, über den die Passwort-Abfrage umgangen werden kann. Darüber hinaus nennt die Quelle einen weiteren Hebel, der sofort ohne Patch wirkt: Wer Screen Sharing nicht benötigt, kann die Funktion in den Systemeinstellungen deaktivieren – konkret unter „Allgemein“ in den Bereichen „Teilen“ und „Bildschirmfreigabe“. Damit wird die Angriffsfläche reduziert, weil das Zielsystem nicht länger für externe Verbindungen erreichbar ist.

Für die Einschätzung der Lage bleibt zugleich ein entscheidender Unsicherheitsfaktor offen: Wie viele Systeme tatsächlich von den Angriffen erreicht wurden und ob darüber hinaus zusätzliche Schäden entstanden sind, ist derzeit noch unklar. Zahlen werden in den vorliegenden Angaben nicht genannt. Genau deshalb lohnt es sich, den Vorfall als operatives Risiko zu betrachten, das sich in ähnlicher Form wiederholen kann, wenn künftig weitere Fernzugriffs-Funktionen in unsicheren Konfigurationen betrieben werden. IT-Organisationen können das Risiko senken, indem sie nicht nur „Updates einspielen“, sondern auch die externe Erreichbarkeit einzelner Features konsequent prüfen und in Monitoring-Logiken integrieren, ob Screen Sharing wirklich benötigt wird und von außen tatsächlich Verbindungen aufgebaut werden.

In der Breite zeigt der Vorfall außerdem, wie eng Authentifizierung und nachgelagerte Privileg-Eskalation zusammenhängen. Eine Schwachstelle, die zunächst wie ein lokales Problem wirkt, kann sich in der Praxis als vollständiger Kompromiss herausstellen, wenn Angreifer anschließend Programme ausführen und Sicherheitseinstellungen manipulieren können. Für Entscheider bedeutet das: Sicherheitskonzepte dürfen sich nicht allein auf „es gibt Login“ reduzieren, sondern müssen auch die Angriffsoberfläche und die Konfigurationszustände adressieren. Wer macOS im Unternehmen betreibt, sollte zusätzlich prüfen, ob Screen Sharing für bestimmte Rollen oder Arbeitsabläufe wirklich erforderlich ist – und ob diese Ausnahmen eng begrenzt, protokolliert und abgesichert werden. Denn unabhängig davon, ob es am Ende bei Mining bleibt: Sobald ein Angreifer Admin-Rechte erlangen kann, verschieben sich die möglichen Schadensszenarien erheblich.


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